Grünen-Kandidat Krause will mit Sieben-Punkte-Plan München verändern
In einer kurzen, aber prägnanten Pressekonferenz während seiner Mittagspause hat der OB-Kandidat der Grünen, Dominik Krause, wenige Tage vor der entscheidenden Stichwahl seinen Sieben-Punkte-Plan für München vorgestellt. Der aktuelle Bürgermeister und Personalausschuss-Vorsitzende will damit deutlich machen, wie er sich von dem seit zwölf Jahren amtierenden Oberbürgermeister Dieter Reiter von der SPD unterscheidet. „Viele Menschen spiegeln mir im Wahlkampf, dass ein einfaches 'Passt' nicht ausreicht“, erklärt Krause mit deutlicher Anspielung auf Reiters Wahlkampf-Plakate.
Neue Führungskultur im Rathaus
Der erste Punkt seines Plans richtet sich direkt an die rund 45.000 städtischen Mitarbeiter. Krause will eine grundlegend neue Führungskultur im Münchner Rathaus etablieren. „Erfolg hängt entscheidend davon ab, wie motiviert unsere Mitarbeiter sind“, betont der Grünen-Politiker. Er strebt eine kollegiale, auf Augenhöhe basierende und lösungsorientierte Zusammenarbeit mit der Verwaltung an. Besonders wichtig ist ihm dabei eine veränderte Fehlerkultur: „Wenn wir schneller und effizienter werden wollen, müssen wir neue Wege beschreiten – und dabei passieren auch mal Fehler. Die Mitarbeiter sollen dann keine Angst haben, sofort auf den Deckel zu bekommen.“ Diese Aussage wird allgemein als Seitenhieb gegen OB Reiter verstanden, der regelmäßig öffentlich über die Verwaltung, insbesondere das Mobilitätsreferat, schimpft.
Kampf gegen Leerstand und Mietwucher
Ein weiterer zentraler Punkt ist der Umgang mit dem massiven Leerstand in München. Aktuell stehen in der bayerischen Landeshauptstadt 1,8 Millionen Quadratmeter Büroflächen leer – eine Fläche, die mehr als vier Theresienwiesen entspricht. Krause betont, dass auf dieser Fläche theoretisch mehr als 10.000 Wohnungen entstehen könnten. Sein Lösungsansatz: Eine neue Fachstelle im Rathaus, die Eigentümer von leerstehenden Flächen proaktiv anspricht und Umwandlungen vorantreibt.
Während Reiter in einem Radio-Duell skeptisch blieb und auf die hohen Umbaukosten für Sanitäranlagen verwies, kontert Krause: „In München gibt es innovative Start-ups, die ohne großen Aufwand aus Büros Studenten-Appartements machen können.“ Zusätzlich zu Wohnraum will er mehr Zwischennutzungen für Start-ups und Künstler ermöglichen.
Parallel dazu plant Krause eine spezielle Stelle, die konsequent gegen Mietwucher vorgeht. „Das ist besonders wichtig, weil die Mieten in München in den letzten 15 Jahren um mehr als 50 Prozent gestiegen sind“, begründet er diese Maßnahme. Interessanterweise hatte die Linke bereits 2024 einen ähnlichen Antrag gestellt, auf den die damalige Grün-Rote Koalition eher zurückhaltend reagierte.
Beschleunigung von Baustellen und ÖPNV-Ausbau
Um die Lebensqualität in München zu verbessern, will Krause Baustellen für die Bürger erträglicher machen. Sein Konzept umfasst:
- Vollsperrungen für schnellere Bauabwicklung
- Verbesserte Beschilderung
- Finanzielle Hilfen für Händler mit Baustellen-bedingten Einbußen
Die Mittel dafür sollen aus einem neu zu schaffenden „Baustellenfonds“ kommen, wie es ihn bereits in Heidelberg gibt.
Ebenfalls beschleunigt werden soll der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Krause kritisiert die aktuell zersplitterten Zuständigkeiten in der Verwaltung und will die „Taskforce ÖPNV“ unter Leitung des Oberbürgermeisters wiederbeleben. „Diese gab es bereits, wurde aber von Dieter Reiter nicht übermäßig gut besucht und dann eingestellt“, merkt er kritisch an.
Bürokratieabbau für die Wirtschaft
Zur Stärkung der Münchner Wirtschaft fordert Krause einen umfassenden Bürokratieabbau. Sein Ziel: Unternehmen sollen sich in Zukunft nur noch an eine zentrale Stelle in der Verwaltung wenden müssen, statt wie bisher mit verschiedenen Ämtern kommunizieren zu müssen.
Abschließend räumt Krause ein, dass sich nicht alle Herausforderungen Münchens so schnell lösen lassen. Seine sieben Punkte sollen jedoch ein deutlicher Anfang sein und zeigen, wie er die Stadt im Fall eines Wahlsiegs führen würde. Die Stichwahl wird entscheiden, ob Krause seine Pläne tatsächlich umsetzen kann oder ob Amtsinhaber Reiter weitere Jahre im Rathaus bleibt.



