Kommunalwahl 2026 in München: Grüner Dominik Krause erzwingt Stichwahl gegen OB Reiter
Am Sonntag, dem 8. März 2026, haben die Münchnerinnen und Münchner über ihre politische Vertretung für die nächsten sechs Jahre abgestimmt. Die Wahl des Oberbürgermeisters, des Stadtrats und der Bezirksausschüsse brachte überraschende Ergebnisse und verspricht spannende Wochen bis zur Stichwahl.
Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt: Reiter gegen Krause
Nach Auszählung aller Kreise steht fest: Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) muss in die Stichwahl gegen seinen grünen Herausforderer Dominik Krause. Diese findet am 22. März statt und markiert ein historisches Ereignis, da erstmals ein Grüner in München in die Stichwahl um den OB-Posten gelangt.
Reiter erhielt 35,6 Prozent der Stimmen, ein Minus von 12,3 Prozentpunkten im Vergleich zur Wahl vor sechs Jahren. Dominik Krause kam auf 29,5 Prozent, ein Plus von 8,8 Prozentpunkten gegenüber seiner Parteikollegin Kathrin Habenschaden im Jahr 2020. Der CSU-Kandidat Clemens Baumgärtner erreichte 21,3 Prozent, genau wie seine Vorgängerin Kristina Frank.
Interessant ist die Aufteilung zwischen Urnen- und Briefwählern: Im Wahllokal führte Krause mit 32,5 Prozent vor Reiter (30,8 Prozent) und Baumgärtner (20,4 Prozent). Bei den Briefwählern hatte Reiter mit 39,1 Prozent die Nase vorn, gefolgt von Krause (27,2 Prozent) und Baumgärtner (22,1 Prozent). Der Briefwahlanteil lag bei 57,9 Prozent der abgegebenen Stimmen.
Stadtratswahl: Verluste für SPD und Grüne, Gewinne für AfD und Linke
Die vorläufigen Ergebnisse des Stadtrats zeigen deutliche Verschiebungen. Nach Auszählung von 1.186 von 1.376 Gebieten zeichnen sich folgende Trends ab:
- Größte Verlierer: SPD (-3,0 Prozentpunkte) und Grüne (-3,2 Prozentpunkte), gefolgt von der ÖDP (-1,6 Prozentpunkte).
- Größte Gewinner: AfD (+3,1 Prozentpunkte), Die Linke (+3,0 Prozentpunkte) und Volt (+2,6 Prozentpunkte).
- Überraschung: Das neu gegründete Bündnis Kultur holte aus dem Stand 0,7 Prozent und würde aktuell einen Sitz im Stadtrat erobern.
Bei den Briefwählern war die CSU mit 28,7 Prozent stärkste Kraft, während die Grünen im Wahlraum 26,5 Prozent erreichten. Die Wahlbeteiligung lag insgesamt bei 52,3 Prozent, was 572.700 wahlberechtigten Münchnerinnen und Münchnern entspricht.
Politische Reaktionen und Analysen
OB Dieter Reiter bezeichnete den Wahlabend als „enttäuschend“ und entschuldigte sich für Fehler in den vergangenen Wochen. Die CSU gestand ihre Niederlage ein, wobei Parteichef Georg Eisenreich die massiven Verluste Reiters hervorhob. Dominik Krause feierte seinen Erfolg in der Muffathalle, mahnte aber zur Konzentration auf die anstehende Stichwahl.
Politikwissenschaftlerin Ursula Münch analysierte im Bayerischen Rundfunk, Reiters schlechtes Abschneiden zeige „vielleicht auch eine gewisse Arroganz der Macht“. Alt-OB Christian Ude (SPD) kritisierte Reiter scharf für dessen Aussagen zum Wohnungsmangel und zum FC Bayern.
Wahlverlauf und Besonderheiten
Der Wahltag begann mit einer Wahlbeteiligung von 33,2 Prozent am Morgen, die bis zum Nachmittag auf über 50 Prozent stieg. Über 340.000 Briefwahlunterlagen wurden beantragt, wobei viele Wähler diese erst am letzten Tag abgaben. IT-Referentin Laura Dornheim und KVR-Chefin Hanna Sammüller betonten die logistischen Herausforderungen.
Frühere bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) forderte digitale Wahlmöglichkeiten, um den Zeitraum zwischen Briefwahl und Wahltag zu verkürzen. Sein eigenes Ergebnis von 1,2 Prozent bezeichnete er als das beste seiner Partei.
Ausblick auf die Stichwahl und weitere Entwicklungen
Die Stichwahl am 22. März verspricht ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Reiter und Krause. Krause konnte in Bezirken wie Untergiesing-Harlaching und Obergiesing-Fasangarten traditionelle SPD-Hochburgen für sich gewinnen, was auf eine veränderte politische Landkarte hindeutet.
Im Stadtrat könnte die Fraktion der Grünen/Volt/Rosa Liste mit 25 Sitzen stärkste Kraft werden, gefolgt von CSU/Freien Wählern (22 Sitze) und der SPD (15 Sitze). Die hohe Zahl von 5.789 ungültigen Stimmzetteln, ähnlich viele wie für die ÖDP abgegebene Stimmen, unterstreicht die Komplexität der Wahl.
Insgesamt markiert die Kommunalwahl 2026 einen Wendepunkt in der Münchner Politik, mit ungewissem Ausgang für die Stichwahl und neuen Konstellationen im Stadtrat.



