Münchner OB-Stichwahl: Reiter oder Krause? Die entscheidenden politischen Unterschiede
Am kommenden Sonntag steht die Stichwahl um das Münchner Oberbürgermeisteramt an. Die Wahlberechtigten müssen sich zwischen dem amtierenden Bürgermeister Dieter Reiter von der SPD und seinem Herausforderer Dominik Krause von den Grünen entscheiden. Doch was unterscheidet die beiden Kandidaten wirklich in ihren politischen Positionen – jenseits von Alter und Parteibuch?
Zwei unterschiedliche Wahlkampf-Botschaften
Während Dominik Krause mit dem Slogan "Weil mehr geht" für einen politischen Aufbruch wirbt, setzt Dieter Reiter auf Kontinuität mit seinem einfachen "passt". Beide Kandidaten kennen sich gut aus der gemeinsamen Rathausarbeit: Seit Reiter 2014 Oberbürgermeister wurde, sitzt Krause im Stadtrat und ist seit zweieinhalb Jahren als Zweiter Bürgermeister Reiters Stellvertreter.
Wohnungsbau: Zwei verschiedene Lösungsansätze
Dieter Reiter setzt vor allem auf Neubauprojekte wie das größte Neubaugebiet Europas in Freiham und fordert bessere Mieterschutzgesetze von der Bundesregierung. Der Mietenstopp für städtische Wohnungen soll bleiben, "wenn es der städtische Haushalt erlaubt".
Dominik Krause sieht Potenzial in der Umwandlung von 1,8 Millionen Quadratmetern leerstehender Büroflächen in Wohnraum, besonders für Auszubildende und Studierende. Dafür plant er eine Umwandlungsagentur und eine Hilfestelle gegen Mietwucher.
Städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen: Kontroverse Positionen
Kurz vor der Wahl erklärte Reiter die Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen (SEM) im Norden und Nordosten für beendet. "Enteignungen sind nicht mein Weg", betont der SPD-Politiker und setzt auf Konsens mit Grundstückseigentümern.
Krause hingegen ist überzeugt: "Nur mit Hilfe der SEM können wir in großem Umfang bezahlbaren Wohnraum schaffen." Er will mit Grundstückseigentümern auf Augenhöhe verhandeln und Überzeugungsarbeit leisten.
Verkehrspolitik: Unterschiedliche Schwerpunkte
Beim Thema Großmarkt-Verlegung zeigen sich beide pragmatisch: Reiter will die Händler einbeziehen und die denkmalgeschützte Halle erhalten, während Krause ein klares Ja zur Verlagerung gibt, um auf dem Gelände ein urbanes Quartier mit Wohnraum zu schaffen.
An der Landshuter Allee will Reiter Tempo 50 wieder einführen, da laut Prognosen die Grenzwerte eingehalten werden. Krause zeigt Verständnis für die Unzufriedenheit mit Tempo 30, betont aber: "Überall, wo viele Kinder unterwegs sind, sollte Tempo 30 gelten."
Internationale Automobilausstellung und ÖPNV
Reiter befürwortet die Fortsetzung der IAA mit Ständen in der Innenstadt als wichtigen Wirtschaftsfaktor und Möglichkeit für Familien, sich Autos und Fahrräder anzusehen. Krause akzeptiert den bis 2031 verlängerten Vertrag, obwohl er persönlich "nie Fan dieser sogenannten Open Spaces" war.
Im ÖPNV sieht Reiter die Zweite S-Bahn-Stammstrecke als wichtigstes Projekt, während Krause auf den Ausbau der U5 nach Pasing und Freiham sowie die Tram-Westtangente setzt.
Radverkehr und Gehwegparken
Beide Kandidaten bekennen sich zum Ausbau der Radinfrastruktur. Reiter verweist auf bereits umgesetzte Abschnitte des Altstadt-Radlrings, Krause will Radprojekte "günstiger und schneller umsetzen".
Beim Gehwegparken setzt Reiter auf ein Konzept mit 1,60 Meter Mindestbreite für Barrierefreiheit. Krause vertraut auf die Entscheidung der Bezirksausschüsse, betont aber: "Gehsteige sind für Fußgänger da, nicht für Autos."
Kostenloser Kindergarten und Resümee
Beide Kandidaten sprechen sich für den kostenlosen Kindergarten aus. Reiter will Familien finanziell entlasten, Krause betont: "An Familien dürfen wir im teuren München nicht sparen."
Die Wahl am Sonntag entscheidet somit nicht nur über Personen, sondern über grundsätzliche politische Richtungen: Kontinuität versus Aufbruch, unterschiedliche Ansätze in Wohnungsbau und Verkehr, sowie verschiedene Prioritäten in der Stadtentwicklung.



