Kommunalwahl in München: Grüne als klare Gewinner der Wählerwanderung
Die Kommunalwahl in München am 8. März 2026 hat zu erheblichen Verschiebungen im politischen Kräfteverhältnis geführt. Laut der Wählerwanderungsanalyse des Statistischen Amtes München konnten die Grünen mit ihrem Oberbürgermeisterkandidaten Dominik Krause den größten Zugewinn verzeichnen, während die SPD mit Amtsinhaber Dieter Reiter massive Verluste hinnehmen musste.
Wählerwanderungsanalyse zeigt deutliche Trends
Die vorläufigen Ergebnisse der Wählerwanderungsanalyse basieren auf den aktuellen Resultaten der Bundestagswahl 2025 sowie den Ergebnissen der letzten Bundestagswahl 2021. Dabei werden Wählerströme zwischen den Parteien sowie zwischen Parteien und Nichtwählenden analysiert. Das vom Statistischen Beratungslabor der LMU München und dem Lehrstuhl für Empirische Politikforschung evaluierte Verfahren liefert aufschlussreiche Einblicke.
Die Grünen gewannen bei der OB-Wahl rund 57.300 Stimmen hinzu, davon etwa 3.300 von der SPD. Im Gegenzug verlor die SPD insgesamt etwa 53.600 Stimmen, wovon der Großteil an die Gruppe der Nichtwähler ging. Die CSU konnte zwar die meisten Nichtwähler hinzugewinnen, verzeichnete aber auch starke Verluste. Unterm Strich kamen bei Clemens Baumgärtner etwa 7.100 Stimmen hinzu, ähnlich wie bei der Linken mit 6.600 Stimmen.
Stichwahl zwischen Reiter und Krause steht fest
Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) erreichte im ersten Wahlgang 35,6 Prozent der Stimmen, was einem Minus von 12,3 Prozentpunkten im Vergleich zur Wahl 2020 entspricht. Sein Herausforderer Dominik Krause (Grüne) holte 29,5 Prozent, ein Plus von 8,8 Prozentpunkten gegenüber seiner Parteikollegin Kathrin Habenschaden vor sechs Jahren. Damit kommt es am 22. März zur Stichwahl zwischen Reiter und Krause – erstmals in der Münchner Geschichte mit einem Grünen in dieser Runde.
Interessant ist die Differenz zwischen Urnen- und Briefwählern: Im Wahlraum holte Krause 32,5 Prozent der Stimmen, Reiter 30,8 Prozent. Bei den Briefwählern führte Reiter mit 39,1 Prozent, gefolgt von Krause mit 27,2 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,3 Prozent, was 572.700 wahlberechtigten Münchnerinnen und Münchnern entspricht.
Verschiebungen in den Stadtbezirken
Die politische Landkarte Münchens zeigt neue Konturen: In Untergiesing-Harlaching gewann Krause mit 33,4 Prozent knapp vor Reiter mit 33,3 Prozent. Bei der letzten OB-Wahl 2020 hatte Reiter dort noch 47,4 Prozent erreicht. In Obergiesing-Fasangarten sammelte Krause 34,7 Prozent der Stimmen, während Reiter auf 34,4 Prozent kam. Selbst in seinem Heimatbezirk Sendling-Westpark musste Reiter einen Verlust von 13,5 Prozentpunkten hinnehmen, obwohl er dort mit 36,4 Prozent noch gewann.
Reaktionen der politischen Akteure
OB Dieter Reiter äußerte sich enttäuscht über das Ergebnis und entschuldigte sich für Fehler in den vergangenen Wochen. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Anne Hübner sprach von grundlegenden Thematiken, die das schlechte Resultat begründen. Dominik Krause feierte seinen Erfolg in der Muffathalle, mahnte aber zur Konzentration auf die anstehende Stichwahl. Die CSU gestand unter Führung von Georg Eisenreich und Clemens Baumgärtner ihre Niederlage ein.
Forderungen nach wohnortnahen Wahllokalen
Die München-Liste beantragte auf Initiative von Stadtrat Dirk Höppner, zukünftig wohnortnahe Wahllokale sicherzustellen. Der Antrag kritisiert, dass zwei Kilometer Fußweg für viele Wahlberechtigte unzumutbar seien, und fordert Klarheit über die Kriterien der Wahlbezirksbildung. Das Wahlrecht müsse praktisch ausübbar sein, betonte die Partei, und verwies darauf, dass die Briefwahl keine gleichwertige Alternative darstelle.
Der frühere bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sprach sich zudem für digitale Wahlmöglichkeiten aus, um den Zeitraum zwischen Briefwahlabgabe und Wahltag zu verkürzen.
Ausblick auf die Stichwahl
Die Stichwahl am 22. März verspricht spannend zu werden. Während Reiter versucht, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen, will Krause seinen Schwung nutzen. Die politische Landschaft Münchens steht vor möglichen grundlegenden Veränderungen, die in den kommenden zwei Wochen entschieden werden.



