Spannende OB-Wahl in München: Reiter führt, aber Krause zieht in Stichwahl ein
Die Münchner Oberbürgermeisterwahl hat am Sonntagabend für politische Überraschungen gesorgt. Dieter Reiter von der SPD ging als hoher Favorit ins Rennen und konnte sich mit 35,6 Prozent der Stimmen durchsetzen. Doch der Grünen-Kandidat Dominik Krause pirschte sich mit erstaunlichen 29,5 Prozent überraschend nah heran und zieht damit in die Stichwahl in zwei Wochen ein. Die CSU erlebte eine krachende Niederlage, ihr Kandidat Clemens Baumgärtner landete mit lediglich 21,3 Prozent weit abgeschlagen auf Platz drei.
Wahlabend mit Atem stockenden Momenten
Als ab 19.15 Uhr die ersten Zahlen zur OB-Wahl einliefen, ließen die Ergebnisse den Politikern aller Parteien den Atem stocken. Experten hatten vorab zwei spannende Fragen diskutiert: Wer würde gegen Dieter Reiter in die Stichwahl kommen und ob die Skandale der vergangenen Tage Reiters Beliebtheit beeinflussen würden. Beide Fragen wurden mit einer Deutlichkeit beantwortet, die niemand für möglich gehalten hatte. Dominik Krause lag bei den Wählern, die erst am Sonntag ihre Stimme abgaben, sogar auf Platz eins, was die Dynamik des Wahlkampfs unterstreicht.
Dieter Reiter trat am Wahlabend im KVR nur ganz kurz vor die Presse, verlas ein Statement und wollte keine Fragen beantworten. Dominik Krause ließ sich hingegen in der Muffathalle feiern, während in der CSU zunächst Betroffenheit herrschte. Absehbar ist, dass die Debatten innerhalb von SPD und CSU in den kommenden Tagen unangenehm werden, denn als Erfolg wird man diesen Wahlkampf schwer verbuchen können.
Harscher Kritik von Alt-OB Christian Ude
Als erstes prominentes SPD-Gesicht preschte am Wahlabend Alt-Oberbürgermeister Christian Ude mit harscher Kritik vor. Bei Sat.1 kritisierte er, dass Reiter den Wohnraummangel nicht mehr als Thema habe sehen wollen. Knallhart ging Ude auch mit Reiters Umgang mit seinen FC-Bayern-Posten ins Gericht und betonte, dass dies ein Bruch mit der Tradition der SPD-Oberbürgermeister sei. „Was Reiter angeht, muss ich sagen, was ich in den letzten Tagen in der Zeitung lesen musste, als unbestrittene Tatsache – nicht Gerüchte, sondern Tatsachen“, so Ude.
Er erinnerte an Hans-Jochen Vogel, „was für ein korrekter, penibler Mann der war“, und wie sorgfältig dieser darauf geachtet habe, dass es keine Privilegien für Oberbürgermeister gibt. „Nun habe man das Kontrastprogramm gesehen. Offensichtlich mögen das die Münchner nicht sonderlich“, fügte Ude hinzu. Diese deutlichen Worte zeigen die innerparteilichen Spannungen, die nach der Wahl aufbrechen könnten.
Stadtratswahl mit komplizierten Mehrheitsverhältnissen
Am späteren Abend rückte dann die Stadtratswahl in den Fokus, deren Ergebnisse allmählich einliefen. Bei der CSU wuchs wieder das Selbstbewusstsein, man sieht sich auf Augenhöhe mit den Grünen und will in den nächsten Tagen über Machtoptionen sprechen. Auch die SPD steht nicht ganz so desaströs da wie befürchtet, obwohl sie wie seit 2014 weiter verliert und erstmals unter 20 Prozent fällt.
Interessant ist ein erster Blick auf die politische Landkarte der Stadt. Grünen-Herausforderer Dominik Krause hat offenbar seinen Heimvorteil ausgenutzt und in beiden Giesinger Bezirken – die nicht eben als klassisches Grünen-Land gelten – den ersten Platz ergattert. Diese Entwicklung unterstreicht den Wandel in der Münchner Wählerschaft und die wachsende Bedeutung grüner Themen.
Ausblick auf spannende Wochen vor der Stichwahl
Nun wird interessant werden, wer sich vor der Stichwahl in zwei Wochen wie verhält. Ein schwarz-grünes Zweierbündnis ist rechnerisch möglich, aber politisch vorerst unwahrscheinlich. Grün-Rot-Rot mit den kleinen Partnern, die schon bisher dazu gehören, ist ebenfalls denkbar, aber politisch schwer zu basteln. Auf den spannenden Wahlabend könnten somit spannende Wochen folgen, zumal die Teilnahme des Zweitplatzierten an der Stichwahl diesmal nicht nur symbolisch ist.
Die CSU hat kurz nach der krachenden Niederlage schon wieder Selbstvertrauen getankt, während die SPD mit innerparteilicher Kritik zu kämpfen hat. Die kommenden Tage werden zeigen, wie die politischen Kräfte in München neu sortiert werden und welche Allianzen für die Regierungsbildung im Stadtrat möglich sind. Die Wahl hat deutlich gemacht, dass die politische Landschaft in München im Wandel begriffen ist und traditionelle Muster aufgebrochen werden.



