Letztes TV-Duell vor der Münchner OB-Stichwahl: Reiter und Krause im direkten Vergleich
Im Bayerischen Rundfunk herrschte am Dienstagabend besondere Spannung. Nur wenige Tage vor der entscheidenden Oberbürgermeister-Stichwahl in München trafen Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) und sein grüner Herausforderer Dominik Krause in der Sondersendung "jetzt red i extra" aufeinander. Das letzte große Fernsehduell vor dem Wahlsonntag versprach politische Schlaglichter – doch hinter den Kulissen entwickelte sich ein unerwarteter Aufruhr.
Vorbereitung hinter den Kulissen: Butterbrezen und Wahlkampf-Strategien
Schon vor Sendebeginn herrschte im Studio des Bayerischen Rundfunks geschäftiges Treiben. Die ausgewählten Zuschauer, die heute im Mittelpunkt stehen sollten, stärkten sich mit bereitgestellten Butterbrezen und Getränken. Viele steckten die Köpfe zusammen und diskutierten intensiv, welche Fragen sie den OB-Kandidaten stellen würden. "So einen Aufruhr hatten wir noch nie", kommentierte eine überraschte Mitarbeiterin die ungewöhnlich lebhafte Atmosphäre.
Während Moderator und Techniker die letzten Vorbereitungen trafen, wartete Dieter Reiter bereits um Viertel vor acht am Studio-Rand auf seinen Einsatz. Als sein Kontrahent Dominik Krause dazustieß, begrüßten sich die beiden Politiker mit einem kurzen, sachlichen Handschlag. Die Geste wirkte weder überschwänglich noch besonders reserviert – eher wie unter Arbeitskollegen, die sich auf eine gemeinsame Aufgabe vorbereiten.
Selfies statt Schlagabtausch: Ungewöhnliche Studio-Atmosphäre
Im Studio selbst entwickelte sich dann eine überraschend herzliche Stimmung. Noch vor Beginn der eigentlichen Sendung lachten und scherzten Reiter und Krause miteinander und posierten gemeinsam für Selfies mit den anwesenden Zuschauern. Alle wollten ein Foto mit den prominenten Stadtpolitikern, was zu einem regelrechten Gedränge führte. Auch die Münchner Grünen-Fraktionschefin Mona Fuchs war im Publikum anwesend, wurde jedoch vom Moderator mehrfach darauf hingewiesen, dass heute weder Parteifunktionäre noch Amtsträger zu Wort kommen sollten.
Als die Sendung schließlich begann, diskutierten die beiden Kontrahenten wichtige Münchner Themen wie Bürokratieabbau, die Situation der städtischen Unternehmen (SEM) und den Radwegeausbau. Auffällig war jedoch: Ein wirklich hitziger Schlagabtausch blieb aus. Stattdessen wirkten Reiter und Krause eher wie zwei Verwaltungsmitarbeiter, die gemeinsam dem Publikum Rede und Antwort standen – nicht wie politische Kontrahenten, die um die Spitze der Stadt kämpfen.
Ernste Momente und ausweichende Antworten
Ein emotionaler Moment entstand, als ein Einspieler von Dieter Reiter mit FC-Bayern-Schal gezeigt wurde. Der Amtsinhaber grinste kurz, doch die Stimmung wurde schnell wieder ernst, als Fragen zu seinen nicht genehmigten Nebentätigkeiten aufkamen. Reiter beantwortete diese mit ernster Miene und verwies auf seine bereits in den Tagen zuvor gegebenen Erklärungen. Sein Herausforderer Dominik Krause äußerte sich auch in diesem TV-Duell nicht direkt zu dem Skandal um den Amtsinhaber.
Interessanterweise wurden auch nach dem offiziellen Sendeschluss noch einige Fragen beantwortet. Themen wie Bildungspolitik und der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) beschäftigten die Zuschauer so sehr, dass sie die Kandidaten auch nach Abschalten der Kameras weiter löcherten.
Herzlicher Abschied nach sachlicher Diskussion
So schnell die Diskussion begonnen hatte, so schnell war sie auch wieder vorbei. Reiter und Krause verließen das Studio ebenso zügig, wie sie gekommen waren – gefolgt von Mona Fuchs. Bis zur Stichwahl am Sonntag stehen noch zahlreiche Wahlkampftermine auf dem Programm. Der Abschied der beiden Kontrahenten fiel nach dem Duell überraschend herzlich aus: Lässig schlugen sie einander auf die Schulter und umarmten sich sogar kurz.
Die Sonderausgabe "jetzt red i extra" des Bayerischen Rundfunks begleitete nicht nur das Münchner OB-Duell, sondern auch die Oberbürgermeister-Rennen in Nürnberg, Regensburg, Bamberg und Erlangen. Für alle, die die Rededuelle verpasst haben, bietet die AZ die Möglichkeit, die Diskussionen im BR24-Livestream nachzuschauen und sich so ihre eigene Meinung vor der wichtigen Stichwahl zu bilden.



