Warum ich mein polnisches Kennzeichen vorerst behalte: Ein Rostocker Bürokratie-Dilemma
Ein neuer Ort, ein neuer Blick: Diese Kolumne sammelt die Beobachtungen eines Neu-Rostockers – stets freundlich, ehrlich und ohne jede Schönfärberei. Heute geht es um ein Thema, das viele Zugezogene betrifft: den Wechsel eines ausländischen Kennzeichens und die damit verbundenen bürokratischen Hürden.
Von Parkplatzproblemen zur befristeten Parkerlaubnis
Erinnern Sie sich noch an meine frühere Kolumne über die Parkplatz-Probleme in Rostock? Ohne einen offiziellen Anwohnerparkschein findet man hier kaum einen Parkplatz, es sei denn, man kennt eine der wenigen Straßen, in denen freies Parken noch erlaubt ist. Inzwischen besitze ich zwar eine Parkerlaubnis, doch diese ist nur bis Mitte April gültig. Der Grund dafür ist mein polnisches Kennzeichen. Nein, ich klaue keine polnischen Autos – ich habe einfach viele Jahre in Polen gelebt und mein Fahrzeug von dort mitgebracht.
Der Weg zur Kfz-Stelle: Ein bürokratisches Abenteuer
Um aus der befristeten Parkerlaubnis eine dauerhafte Lösung für das ganze Jahr zu machen, benötige ich ein deutsches Kennzeichen. Dieses ist bei der Kfz-Zulassungsstelle am Charles-Darwin-Ring erhältlich. Vor einem Monat war ich bereits dort, leicht nervös und schwitzend trotz der kühlen Temperaturen, weil ich einen großen Bürokratieschneeball auf mich zurollen sah. Doch zu meiner Überraschung war die Mitarbeiterin freundlich und fragte nur, warum ich mein altes Nummernschild nicht dabei hätte. Auf meine Frage, ob der Wechsel bei einem polnischen Kennzeichen wirklich so unkompliziert ablaufen würde, nickte sie – und vereinbarte einen neuen Termin.
Der zweite Versuch: Zweifel und Hindernisse
So fuhr ich nun erneut zur Zulassungsstelle. Erste Zweifel, ob der Kennzeichenwechsel tatsächlich so einfach sein würde, kamen auf, als ich auf der Fahrt fast mit einem Reh kollidierte. Mein Wagen, Baujahr 2006, ist zwar versichert, allerdings in Polen. Muss ich die Behörden dort nicht auch über das neue Kennzeichen informieren? Auf dem Parkplatz gelang es mir überraschenderweise, die polnischen Nummernschilder abzumontieren, wobei nur eine Leiste kaputtging. Beim Anmelden mit meiner Kundennummer funktionierte der Automat nicht – kein Zettelausdruck. Um 9.05 Uhr wurde meine Nummer aufgerufen, und ich betrat den Raum, um mich der Sachbearbeiterin ohne Zettel ordnungsgemäß vorzustellen: „Guten Tag, ich bin Nummer 76.260.“ Es war eine andere Frau als beim ersten Mal.
Gute Atmosphäre, aber fehlende Unterlagen
Sie lächelte freundlich, doch als ich mich setzte, bat sie mich höflich, ihr die DEKRA-Identifikations-Bestätigung, die EVP-Nummer, den Kaufvertrag, meinen Personalausweis und die IBAN vorzulegen. Bei den letzten beiden Punkten sah ich kein Problem, beim Rest jedoch schon. Mir fehlten offenbar wichtige Dokumente, und die Situation wurde zunehmend komplizierter.
Die Rückkehr zum alten Kennzeichen und offene Fragen
Als ich meine polnischen Nummernschilder wieder anmontierte, sah ich vor meinem inneren Auge die Straße in Rostock, auf der mein Wagen in den ersten Wochen kostenlos stehen konnte. Sollte ich also dorthin zurückkehren? Oder gleich ein neues Auto in Deutschland kaufen? Das Leben im Transit des europäischen Bürokratiedschungels erweist sich als gar nicht so einfach, wie man es sich vorstellt.
Haben Sie ähnliche oder auch ganz andere Erlebnisse mit Rostock gemacht? Gibt es besondere Orte, Menschen oder Geschichten, die man kennen sollte? Ich freue mich über Ihre Eindrücke und Erfahrungen.



