Dieter Reiter räumt ein: Zehntausende Euro ohne Stadtratsgenehmigung erhalten
Reiter: Zehntausende Euro ohne Genehmigung erhalten

Münchens OB gesteht unerlaubte Vergütungen für FC Bayern-Ämter

Der Druck wurde zu groß: Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter musste am Donnerstagnachmittag einräumen, dass er für seine Positionen beim FC Bayern München jahrelang Geld erhalten hat, ohne die notwendigen Genehmigungen des Stadtrats eingeholt zu haben. Dies markiert eine weitere Wendung in der anhaltenden Nebenjob-Debatte um den SPD-Politiker.

Die Anfrage der AZ und erste Ausweichmanöver

Bereits am Montagmorgen hatte die Abendzeitung (AZ) Reiters Büro mit konkreten Informationen konfrontiert. Die Zeitung wies darauf hin, dass Verwaltungsbeiräte beim FC Bayern üblicherweise fünfstellige Jahresvergütungen erhalten, und fragte explizit, ob Reiter solche Einnahmen beziehe und ob diese vom Stadtrat genehmigt wurden. Wie so oft in den vergangenen Wochen blieben diese Fragen zunächst unbeantwortet.

In den folgenden Tagen verlagerte sich der Fokus zunächst auf Reiters neue Position im Aufsichtsrat des FC Bayern. Der Oberbürgermeister erklärte am Mittwochmorgen im Stadtrat noch, er sei lediglich Gast bei einer Sitzung gewesen und noch kein offizielles Mitglied. Bereits am Nachmittag musste er diese Aussage korrigieren und eingestehen, dass er bereits gewählt und beim Amtsgericht als Aufsichtsrat gemeldet ist.

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Die entscheidende Wende am Donnerstag

Am Donnerstag rückte jedoch erneut seine langjährige Tätigkeit im Verwaltungsbeirat des FC Bayern in den Mittelpunkt. Die Linke stellte im Rathaus eine entsprechende Anfrage und verwies darauf, dass der ehemalige Bürgermeister Seppi Schmid (CSU) öffentlich gemacht hatte, für diese Position 20.000 Euro pro Jahr zu erhalten.

Reiter zeigte sich am Morgen noch unbeeindruckt. In den 7-Uhr-Nachrichten bei Charivari erklärte er, er habe „keinen Bock mehr“ auf die Debatte und sei stolz, Aufsichtsrat beim FC Bayern zu sein. „Alles andere ist Klamauk und ist mir komplett egal“, so der OB.

Das Eingeständnis unter wachsendem Druck

Am Nachmittag änderte sich die Lage jedoch dramatisch. Unter dem Druck von Medienberichten und politischen Anfragen verschickte Reiters Büro plötzlich detaillierte Stellungnahmen. Darin räumte der Oberbürgermeister ein, dass er seit Ende 2021 eine Aufwandsentschädigung von 10.000 Euro pro Halbjahr für seine Tätigkeit im Verwaltungsbeirat erhält – also insgesamt 20.000 Euro jährlich.

Noch bedeutsamer ist sein Eingeständnis: Eine Genehmigung des Stadtrats wäre dafür notwendig gewesen, was ihm jedoch nicht bewusst war. In seiner schriftlichen Erklärung betonte Reiter, die Vergütungen seien stets ordnungsgemäß versteuert und nie verheimlicht worden. Er könne sich kaum vorstellen, dass der Stadtrat seine Tätigkeit untersagt hätte, und betonte, weder der Stadt noch den Steuerzahlern sei ein Schaden entstanden.

Rechtliche Prüfung und politische Reaktionen

Der Oberbürgermeister kündigte an, eine rechtliche Prüfung beider Sachverhalte – sowohl des Verwaltungsbeirats als auch des Aufsichtsratsmandats – in Auftrag gegeben zu haben. Die Ergebnisse will er dem Stadtrat vorlegen. In seiner Stellungnahme verwies Reiter auch auf die „Nähe zum Wahltag“ als Grund für die aktuelle Aufregung und hofft auf eine sachlichere Diskussion ab Montag.

Die politischen Reaktionen bleiben jedoch kritisch. Während die CSU durch Seppi Schmid bereits früher Transparenz zeigte, übt die Linke weiterhin Druck aus. Die Debatte um Dieter Reiters Nebenjobs beim FC Bayern München ist damit noch lange nicht beendet, sondern tritt in eine neue, rechtlich geprüfte Phase ein.

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