SPD nach München-Wahl: Reiters Entschuldigung und der Kampf ums Vertrauen
SPD nach München-Wahl: Reiters Entschuldigung und Kampf

SPD nach enttäuschender OB-Wahl in München: Reiter entschuldigt sich für Fehler

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands zeigt sich nach dem ernüchternden Ergebnis der Münchner Oberbürgermeisterwahl geknickt, aber nicht aufgeben wollend. Am Wahlabend des 9. März 2026 erreichte Amtsinhaber Dieter Reiter lediglich 35,6 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang – sein bisher schlechtestes Ergebnis überhaupt. Der Abstand zu seinem grünen Herausforderer Dominik Krause beträgt nur etwa sechs Prozentpunkte, was eine Stichwahl unausweichlich macht.

Ein Abend voller Emotionen und politischer Realitäten

In der SPD-Parteizentrale am Oberanger herrscht am späten Wahlabend eine gedrückte Stimmung. Ein langjähriger Sozialdemokrat wischt sich sogar Tränen aus den Augen, als die ersten Ergebnisse bekannt werden. „Nicht, weil das Ergebnis der SPD mit knapp 19 Prozent noch schlechter ist als beim letzten Mal“, erklärt er später. Die Enttäuschung über Reiters persönliches Abschneiden wiegt schwer.

Bürgermeisterin Verena Dietl von der SPD kommentiert nüchtern: „Natürlich ist das Ergebnis unter unseren Erwartungen geblieben.“ Eine andere Parteigenossin fügt hinzu: „Vielleicht ist das der Denkzettel, dass nicht nur wir den Dieter brauchen, sondern er auch uns.“

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Die Vorgeschichte: Skandale um Nebentätigkeiten beim FC Bayern

Noch vor einer Woche hätte kaum jemand gegen Reiters Wiederwahl gewettet. Doch dann kamen täglich neue Enthüllungen über seine umstrittenen Nebentätigkeiten beim FC Bayern München ans Licht. Der Oberbürgermeister hatte sich ohne vorherige Befassung des Stadtrats in den Aufsichtsrat des Fußballklubs wählen lassen und Nebeneinkünfte von mindestens 80.000 Euro nicht genehmigen lassen.

Besonders pikant: Reiter hatte seine Referenten erst Anfang Februar per Brief aufgefordert, ihre Nebeneinkünfte zu melden. Seine Erklärung, ihm sei „nicht bewusst“ gewesen, dass er eine Genehmigung benötigte, wirkte vor dem Hintergrund seines Studiums für öffentliche Verwaltung und seiner jahrzehntelangen Rathaus-Erfahrung wenig glaubhaft.

Inzwischen prüft die Regierung von Oberbayern ein Disziplinarverfahren. Reiter selbst entschuldigte sich schließlich in einer Mitteilung bei den Münchnerinnen und Münchnern, nachdem er die Debatte zuvor noch als „Klamauk“ bezeichnet hatte, auf den er „keinen Bock“ habe.

Reiters kurzer Auftritt und die Reaktion der Grünen

Am Wahlsonntag selbst hielt sich Dieter Reiter auffällig zurück. Es gab kein Foto von ihm im Wahllokal, keine Social-Media-Aktivitäten. Erst um 19.30 Uhr trat er im Kreisverwaltungsreferat vor die Kameras – ohne Fragen zuzulassen.

In seinem kurzen Statement nannte er den Wahlabend enttäuschend, bedankte sich bei seinen Wählern und seiner Partei. „Ich habe in den letzten zwei Wochen ein, zwei Fehler gemacht“, gab er zu. „Dafür will ich mich entschuldigen.“ Sein Ziel sei es nun, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Nach nicht einmal fünf Minuten verließ er das KVR wieder.

Bei den Grünen herrschte vorsichtiger Jubel. Die Münchner Grünen-Parteichefin Svenja Jarchow sagte: „Es wirkt danach, dass die Stadt für einen Wechsel bereit ist.“ Doch selbst sie klang, als könne sie das Geschehene kaum glauben.

Die SPD mobilisiert für die Stichwahl

Trotz der Enttäuschung zeigt sich die SPD kämpferisch. Parteichef Christian Köning kündigte auf der Wahlparty an: „Wir werden die nächsten zwei Wochen alles geben, dass München weiterhin von einem sozialdemokratischen Oberbürgermeister regiert wird.“ Auch Reiter werde in den kommenden Wochen auf die Straße gehen und an Infoständen stehen.

Ein SPD-Mitglied erklärt die Motivation: „Er hat uns in die Augen geschaut und sich entschuldigt. Dass sich ein Reiter, ein Machtmensch, so vor seine Partei stellt, davor habe ich Respekt.“ Die Plakate habe er deshalb noch am selben Abend eingepackt, bereit für den weiteren Wahlkampf.

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Kritische Stimmen zur Wahlkampfstrategie

Paula Gundi, Chefin der Münchner Jusos, verteidigt Reiter zwar – „Es ist absurd, wie ihn die Leute lieben“ –, übt aber auch Kritik an der Wahlkampfstrategie. Sie vermutet, dass die schlechte Stimmung vielleicht kurzfristiger Natur sei in dieser schnelllebigen Zeit. Ein strategischer Fehler könnte jedoch gewesen sein, dass die SPD in ihrer Kampagne praktisch ausschließlich auf den beliebten OB setzte. „Womöglich hätten wir das stärker mit Inhalten unterfüttern müssen“, räumt sie ein.

Die kommenden zwei Wochen bis zur Stichwahl werden zeigen, ob Reiters Entschuldigung und der SPD-Wahlkampf ausreichen, um das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen und München weiter sozialdemokratisch zu regieren.