Münchner Stichwahl: Experten bewerten Reiters Chancen nach enttäuschendem Ergebnis
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) steht nach einem für ihn enttäuschenden ersten Wahlgang der Kommunalwahl unter erheblichem Druck. Bei der Stichwahl am 22. März kann sich der Amtsinhaber nicht auf seinen Amtsbonus verlassen, wie Experten nun deutlich machen. "Das wird ein harter Kampf", sagte der Passauer Politologe Michael Weigl dem "Münchner Merkur". Reiter erreichte im ersten Durchgang lediglich 35,6 Prozent der Stimmen und muss sich nun in der Stichwahl dem Grünen-Kandidaten Dominik Krause stellen, der 29,5 Prozent erzielte und bisher als Zweiter Bürgermeister in München tätig war.
Stimmverteilung und Mobilisierung
Interessant ist die detaillierte Analyse der Stimmabgabe: Krause konnte am Wahltag selbst ein stärkeres Ergebnis als Reiter erzielen und viele Nichtwähler mobilisieren. In den Wahllokalen votierten 32,5 Prozent der Wählerinnen und Wähler für Krause, während Reiter hier nur auf 30,8 Prozent kam. Bei den Briefwahlstimmen sah das Bild anders aus: Der 67-jährige Amtsinhaber lag mit 39,1 Prozent deutlich vor seinem Herausforderer, der hier lediglich 27,2 Prozent erreichte. Diese Diskrepanz zeigt die unterschiedliche Mobilisierung der Wählergruppen und unterstreicht die Spannung vor der entscheidenden Stichwahl.
FC Bayern-Ärger als möglicher Wahlfaktor
Die jüngsten Schlagzeilen um Reiters Posten im Verwaltungs- und Aufsichtsrat des FC Bayern könnten laut Expertenmeinung einen erheblichen Einfluss auf das Wahlergebnis gehabt haben. Martin Gross, Kommunalpolitik-Experte an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), äußerte im "Münchner Merkur", dass diese Nebentätigkeiten bei der Wahl "eine größere Rolle gespielt haben" dürften. Michael Weigl geht sogar noch weiter und betont: "Der Reputationsschaden in den letzten Tagen vor der Wahl war schon enorm." Dieser Faktor könnte insbesondere bei der Mobilisierung der Wählerinnen und Wähler eine entscheidende Rolle gespielt haben.
Die entscheidende Frage: Wohin wandern die CSU-Stimmen?
Für die Stichwahl wird die Verteilung der Stimmen des CSU-Kandidaten Baumgärtner, der im ersten Wahlgang etwa 20 Prozent erreichte, von zentraler Bedeutung sein. "Dieter Reiter hat einen gewissen Vorteil. Aber durch ist er auf gar keinen Fall", analysiert Weigl. Der SPD-Kandidat müsse die Wähler des CSU-Kandidaten auf seine Seite ziehen, was jedoch kein Selbstläufer sei. "Nicht jeder CSU-Sympathisant schwenkt automatisch auf die Seite eines SPD-Kandidaten", so Weigl weiter.
LMU-Experte Gross zeigt sich hier optimistischer und räumt Reiter bessere Chancen ein: "Wenn es eine solide Wahlbeteiligung gibt, dann ist meine Vermutung, dass der größte Teil der CSU-Anhängerinnen und -Anhänger bei der Stichwahl eher für Dieter Reiter stimmen wird als für Dominik Krause." Seine Begründung: "Die 20 Prozent Wählerinnen und Wähler der CSU kommen eher aus einem konservativen und wirtschaftsfreundlicheren Lager als die klassischen grünen Wähler in einer Großstadt wie München."
Ausblick auf die Stichwahl
Die Stichwahl am 22. März verspricht somit spannend zu werden. Reiter muss sich zum dritten Mal in seiner politischen Laufbahn einer Stichwahl stellen, nachdem er diese sowohl 2014 als auch 2020 für sich entscheiden konnte. Ob ihm dies auch 2026 gelingen wird, hängt maßgeblich von folgenden Faktoren ab:
- Der Mobilisierung der bisherigen Wählerschaft
- Der Gewinnung der CSU-Wählerstimmen
- Der Überwindung des durch die FC Bayern-Debatte entstandenen Reputationsschadens
- Der allgemeinen Wahlbeteiligung
Die Experten sind sich einig, dass die Stichwahl kein einfaches Unterfangen für den Amtsinhaber wird. Während Weigl die Situation als "harten Kampf" beschreibt, sieht Gross durchaus realistische Chancen für Reiter, insbesondere wenn es gelingt, die wirtschaftsfreundlicheren CSU-Wähler zu überzeugen. Die kommenden Tage werden zeigen, wie die Kandidaten auf die veränderte Ausgangslage reagieren und welche Strategien sie für den Endspurt der Wahlkampagne entwickeln.



