Epstein-Vertrauter Leon Black: Wie Ermittlungen gegen den Ex-Apollo-CEO scheiterten
Epstein-Vertrauter Leon Black: Scheitern der Ermittlungen

Ermittlungen gegen Epstein-Vertrauten Leon Black blieben ohne Anklage

Nach dem Tod des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein im Jahr 2019 richteten US-Staatsanwälte ihren Fokus auf einen seiner einflussreichsten Vertrauten: den Milliardär Leon Black. Als ehemaliger CEO des Private-Equity-Unternehmens Apollo Global Management galt Black in Epsteins letzten zehn Lebensjahren als dessen wichtigste Geldquelle. Aus neu veröffentlichten Akten des US-Justizministeriums geht hervor, dass sowohl die Staatsanwaltschaft Manhattan als auch die Bundesstaatsanwaltschaft für den Southern District of New York Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen Black untersuchten. Letztlich erhoben jedoch keine der Behörden Anklage.

Anschuldigungen mehrerer Frauen wurden geprüft

Die Akten umfassen Dutzende E-Mails, interne Vermerke und Gesprächsprotokolle aus dem Jahr 2019 und später. Sie dokumentieren, dass Ermittler die Anschuldigungen von mindestens vier Frauen prüften, die Black sexuellen Missbrauch vorwarfen. Zwei dieser Frauen beschuldigten Black, sie im Jahr 2002 in Epsteins Anwesen in Manhattan vergewaltigt zu haben. Ihre Schilderungen entsprechen Vorwürfen aus später eingereichten Zivilklagen. Eine der Frauen zog ihre Klage zurück, während die andere, die angab, als Teenager missbraucht worden zu sein, ihr Verfahren fortsetzt. Leon Black weist alle Vorwürfe entschieden zurück.

Ein Sprecher von Black und seine Anwälte beantworteten Fragen zu möglichen Kontakten mit Ermittlungsbehörden nicht. Epsteins Anwältin Susan Estrich verwies auf eine von Apollo beauftragte interne Untersuchung, die ergab, dass Black „keinerlei Kenntnis von Epsteins kriminellen Aktivitäten“ gehabt habe. Sie betonte: „An den Anschuldigungen gegen Herrn Black ist absolut nichts Wahres dran.“ Vertreter der Staatsanwaltschaften wollten sich zu den Ermittlungen nicht äußern.

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Finanzielle Verbindungen und interne Prüfungen

Epstein wurde 2008 wegen der Vermittlung einer Minderjährigen zur Prostitution verurteilt und starb 2019 in einer Gefängniszelle in Manhattan. Seit seiner Festnahme 2019 standen seine Verbindungen zu Leon Black im Zentrum öffentlicher Kritik. Eine interne Untersuchung bei Apollo ergab, dass Black zwischen 2012 und 2017 mehr als 150 Millionen US-Dollar (126 Millionen Euro) an Epstein überwiesen hatte. Black gab an, diese Zahlungen für Steuer- und Nachlassberatung geleistet zu haben. Die interne Prüfung fand keine Hinweise auf strafbares Verhalten, doch der Finanzausschuss des US-Senats untersucht die Transaktionen weiterhin.

Die veröffentlichten Akten zeigen auch, dass das US-Justizministerium Blacks Verbindungen zu Epstein überprüfte. Ein internes Memo aus dem Dezember 2019 hält fest, dass Bundesstaatsanwälte mögliche „Mitverschwörer“ Epsteins prüften, darunter Ghislaine Maxwell, die eine 20-jährige Haftstrafe verbüßt. Black wird in dem Memo nicht als möglicher Mitverschwörer genannt, aber ein Interview aus dem Jahr 2019 beschreibt, wie eine Frau berichtete, Epstein habe sie angewiesen, Black in seinem Stadthaus zu massieren. Als Black „begann, sexuellen Kontakt anzubahnen“, sei sie „aus dem Zimmer gerannt“.

Weitere Vorwürfe und rechtliche Auseinandersetzungen

Im Februar 2023 informierte eine Staatsanwältin aus Manhattan einen Bundesanwalt darüber, dass ihre Behörde einer neuen Anschuldigung gegen Black nachgehe. Diese war Teil einer seit 2019 laufenden Untersuchung zu Epstein und seinem Umfeld. Die Frau, vertreten von der Anwältin Jeanne Christensen, erklärte, sie sei von Maxwell und Epstein sexuell ausgebeutet worden. Ihre Vorwürfe decken sich mit denen einer Klägerin, die im Juli 2023 unter dem Pseudonym „Jane Doe“ Klage gegen Black einreichte. In dieser anhängigen Klage heißt es, die Klägerin sei 2002 im Alter von 16 Jahren missbraucht und an mehrere Männer, darunter Black, vermittelt worden.

Susan Estrich bezeichnete die Anklägerin als „Betrügerin“ und verwies auf Aussagen ihrer Familie, die sie der Fabulierung beschuldigte. Christensen kritisierte öffentlich, dass keine strafrechtlichen Schritte gegen Black eingeleitet wurden. Allerdings äußerte auch der prominente Anwalt Brad Edwards, der mehr als 100 Epstein-Opfer vertreten hat, Zweifel an der Darstellung der Klägerin. In einer nicht öffentlichen Anhörung sagte er, es gebe keine „Bestätigung“ für ihre Behauptungen.

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Fehlende strafrechtliche Konsequenzen

Aus den Akten geht hervor, dass die Staatsanwaltschaft Manhattan ihre Ermittlungen später einstellte, da sie keine unabhängige Bestätigung für die Anschuldigungen fand. Eine dritte Klägerin, Guzel Ganieva, warf Black 2021 Vergewaltigung vor, doch ihre Klage wurde 2023 abgewiesen, weil ein Richter entschied, ihre Ansprüche seien durch eine Vertraulichkeitsvereinbarung ausgeschlossen. Black erklärte, die Beziehung sei einvernehmlich gewesen.

Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass noch strafrechtliche Ermittlungen gegen Leon Black laufen. In einer vom FBI im Juni 2024 erstellten Chronologie wird die Untersuchung in der Vergangenheitsform erwähnt: „Die Staatsanwaltschaft Manhattan hat die Vorwürfe gegen Leon Black untersucht.“ Trotz der intensiven Prüfungen blieben die Ermittlungen ohne Anklage, was die Schwierigkeiten bei der strafrechtlichen Verfolgung im Umfeld von Jeffrey Epstein unterstreicht.