Tragödie im Mittelmeer: Mindestens 30 Migranten nach Bootsunglück vor Kreta tot oder vermisst
Vor der Küste der griechischen Insel Kreta hat sich ein weiteres schweres Bootsunglück mit Flüchtlingen ereignet. Wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Montag in Genf mitteilte, sind bei dem Unglück vom vergangenen Wochenende mindestens 30 Migranten ertrunken oder werden vermisst. Das Flüchtlingsboot war am Donnerstag vom libyschen Hafen Tobruk gestartet und kenterte am Samstag in schwerem Wetter bei Kali Limenes vor der kretischen Küste.
Bergungsarbeiten und Rettungsaktion laufen
Bislang konnten die Rettungskräfte die Leichen von drei Männern und einer Frau bergen. 26 weitere Personen gelten aktuell als verschollen. Gerettet wurden 16 Männer und vier Minderjährige, die sich in einem kritischen Gesundheitszustand befinden. Die griechische Küstenwache und internationale Hilfsorganisationen setzen die Suchaktion unter schwierigen Wetterbedingungen fort.
IOM warnt vor Rekordzahl an Toten auf Mittelmeerroute
Die Uno-Organisation IOM veröffentlichte zugleich alarmierende Zahlen: Allein in den ersten beiden Monaten des Jahres 2025 starben auf den Migrationsrouten im Mittelmeer mindestens 606 Menschen oder wurden als vermisst gemeldet. Diese Bilanz stellt die tödlichste seit Beginn der systematischen Datenerfassung im Jahr 2014 dar und übertrifft alle bisherigen Vergleichswerte deutlich.
Forderungen nach sicheren Einreisewegen und Maßnahmen gegen Schlepper
Angesichts der anhaltenden Tragödien fordert die IOM erneut dringend sichere und legale Einreisewege für Migranten sowie verstärkte internationale Zusammenarbeit, um kriminellen Schlepper-Netzwerken das Handwerk zu legen. „Nur durch legale Reisemöglichkeiten können die lebensgefährlichen Risiken für Schutzsuchende nachhaltig reduziert werden“, betont eine Sprecherin der Organisation. Die aktuellen Maßnahmen der europäischen Grenzschutzagentur Frontex und nationaler Küstenwachen reichten bei weitem nicht aus.
Hintergrund: Wiederholte Tragödien in der Ägäis
Das Unglück vor Kreta ist kein Einzelfall. Erst vor knapp zwei Wochen kamen bei einem ähnlichen Vorfall vor der Insel Chios 15 Migranten ums Leben. Schleuserbanden bringen regelmäßig und unter gefährlichen Bedingungen Menschen von Libyen und der Türkei aus auf die griechischen Inseln der östlichen Ägäis oder nach Kreta. Nach Angaben des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR erreichten im vergangenen Jahr etwa 42.000 Migranten über den Seeweg griechische Inseln und damit das Territorium der Europäischen Union.
Politische Debatte und humanitäre Krise
Die anhaltenden Tragödien verschärfen die Diskussion über die europäische Migrationspolitik. Kritiker bemängeln, dass der Fokus auf Grenzsicherung ohne ausreichende legale Alternativen die humanitäre Krise weiter verschärfe. Die Route über das östliche Mittelmeer gilt als eine der risikoreichsten weltweit – nicht nur wegen der oft seeuntüchtigen Boote, sondern auch aufgrund der unberechenbaren Wetterbedingungen und der langen Strecken. Die IOM appelliert an die EU-Staaten, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und umgehend wirksame Schutzmechanismen für Migranten zu etablieren.



