86-jährige Französin in US-Abschiebehaft: Gefesselt nach Tod ihres Ehemanns
Eine bewegende Geschichte aus Frankreich sorgt international für Empörung: Eine 86-jährige Französin wurde am 1. April 2026 von Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE festgenommen und in ein Abschiebezentrum in Louisiana verbracht. Laut Berichten der französischen Regionalzeitung Ouest-France wurde die Seniorin an Händen und Füßen gefesselt und wie eine gefährliche Kriminelle behandelt. Ihr Sohn schilderte der Zeitung, dass seine Mutter mehrere Tage ohne Kontakt zur Außenwelt blieb, bis am 8. April ein Mitarbeiter des französischen Generalkonsulats Zugang erhielt.
Gesundheitliche Bedenken und diplomatische Bemühungen
Die betagte Frau, die in den Berichten nur als Marie-Thérèse aus Nantes genannt wird, leidet unter Herzproblemen und starken Rückenschmerzen. Ihr Sohn betonte, dass sie die Situation bisher gut meistere, aber unter den Haftbedingungen keinen Monat durchhalten würde. Diplomatische Quellen versicherten dem Figaro, dass das französische Generalkonsulat in Atlanta die Situation aufmerksam verfolge und mit der Familie sowie den ICE-Behörden in Kontakt stehe. Das primäre Ziel sei es nun, sie aus der Abschiebehaft zu befreien und nach Frankreich zurückzuholen.
Die tragische Geschichte einer Jugendliebe
Doch wie kam es überhaupt zu dieser dramatischen Situation? Marie-Thérèse hatte im vergangenen Jahr ihre Jugendliebe Billy geheiratet und sich mit ihm in Anniston, Alabama, niedergelassen. Das Paar hatte sich Ende der Fünfzigerjahre kennengelernt, als Marie-Thérèse als Sekretärin auf einem Nato-Stützpunkt in der Nähe von Saint-Nazaire arbeitete und Billy als US-Soldat diente. Die Beziehung wurde jedoch unterbrochen, als Frankreich aus der integrierten militärischen Kommandostruktur der Nato austrat und Billy Mitte der Sechzigerjahre in die USA zurückkehren musste.
Beide führten daraufhin getrennte Leben, heirateten andere Partner und bekamen Kinder. Erst im Jahr 2010 nahm Marie-Thérèse über soziale Netzwerke wieder Kontakt zu Billy auf, der inzwischen zum Oberst und Hubschrauberpilot in der US-Armee aufgestiegen war. Nachdem beide verwitwet waren, nahmen sie Ende 2022 ihre Beziehung wieder auf, heirateten 2025 und lebten zusammen in den Vereinigten Staaten. Der Sohn beschrieb Billy als charmanten, liebenswerten Mann und die Beziehung der beiden als jugendlich vertraut.
Rechtliche Probleme nach dem Tod des Ehemanns
Nach Billys Tod im Januar 2026 begannen die aufenthaltsrechtlichen Schwierigkeiten für Marie-Thérèse, da sie kein dauerhaftes Visum für die USA besaß. Zudem eskalierte ein Erbschaftsstreit mit Billys Sohn, der sie laut Ouest-France bedrohte und einschüchterte, sogar Wasser, Internet und Strom in ihrer Wohnung abstellte. Die 86-Jährige konsultierte einen Anwalt, und für den 9. April war ein Gerichtstermin angesetzt. Doch acht Tage zuvor wurde sie von ICE-Beamten abgeholt, was die geplante rechtliche Auseinandersetzung vereitelte.
Rekordwerte in der US-Abschiebehaft
Dieser Fall fällt in eine Zeit, in der die Zahl der Menschen in US-Abschiebehaft unter der Trump-Regierung Rekordwerte erreicht. Ende 2025 befanden sich rund 70.000 Menschen gleichzeitig in ICE-Haft – ein Anstieg von mehr als 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Fiskaljahr 2025 schob ICE insgesamt 442.637 Personen ab, etwa 171.000 mehr als im Vorjahr. Diese Zahlen unterstreichen die verschärfte Einwanderungspolitik, die nun auch betagte EU-Bürgerinnen trifft.
Die Geschichte von Marie-Thérèse wirft nicht nur Fragen zur Behandlung älterer Menschen in Abschiebehaft auf, sondern auch zu den humanitären Aspekten der US-Einwanderungspolitik. Während diplomatische Kanäle aktiv sind, bleibt die Gesundheit der 86-Jährigen in der unsicheren Haftsituation ein drängendes Anliegen für ihre Familie und die französischen Behörden.



