Brief aus dem Irak: Abgeschobene Familie Qasim dankt Lychen für Hilfe
Abgeschobene Familie Qasim dankt Lychen für Spendenhilfe

Es sind leise Worte, die eine große Wirkung entfalten. Ein Brief aus dem Nordirak hat Lychen erreicht – geschrieben von Familie Qasim, die im Juli 2025 überraschend abgeschoben worden war. Veröffentlicht hat ihn Pfarrerin Christiane Richter der evangelischen Kirchengemeinde Uckermark-Lychen, bei der die Fäden für die Unterstützung zusammenlaufen. Die Zeilen der Familie erzählen von viel Dankbarkeit, aber auch von einem Alltag, der von Unsicherheit, Mangel und fehlenden Perspektiven geprägt ist.

Die Geschichte der Familie

Die Geschichte der Familie ist vielen in Lychen noch präsent. Seit 2022 lebten die Qasims, die 2014 als Jesiden knapp dem IS-Terror entkamen, in der Stadt. Die Kinder besuchten Schule und Kindergarten, fanden Anschluss, lernten Deutsch. Auch die Eltern arbeiteten daran, sich eine Zukunft aufzubauen. Dennoch wurde ihr Asylantrag abgelehnt. Die Abschiebung erfolgte ohne Vorankündigung, ein gerichtlicher Eilantrag kam zu spät – das Flugzeug war bereits gestartet.

Heute lebt die sechsköpfige jesidische Familie in Sindschar im Norden Iraks. Gleich zu Beginn ihres Schreibens formulieren die Eltern ihren Dank: „Ohne Eure Hilfe hätten wir nicht gewusst, was wir tun sollen.“

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Spenden gesammelt

Als feststand, dass trotz Protesten und Widersprüchen mit einer Rückholung auf absehbare Zeit nicht zu rechnen war, hatten sich schnell Unterstützer in und um Lychen gefunden, um die Familie im Irak zu unterstützen. Über die Plattform betterplace wurden bisher 7.455 Euro gesammelt, das erweiterte Spendenziel von 7.500 Euro ist damit nahezu erreicht. Ursprünglich sollte die Hilfe Miete und Lebensunterhalt der Familie bis November 2026 sichern. Dank der großen Resonanz konnte dieser Zeitraum inzwischen um drei weitere Monate verlängert werden. Auch die Schulbücher der Kinder sind vollständig finanziert.

Nur sporadisch Hilfsjobs

Was das bedeutet, macht der jetzt hier angekommene Brief deutlich, der Alltag der Familie Qasim – Vater Saheed und Mutter Fahima und den Kindern Silin (5), Maatz (11), Sozan (16) und Sandra (19) – ist von prekären Bedingungen bestimmt. Arbeit ist kaum zu finden: „Ab und zu mal gibt es einen Hilfsjob, aber das auch nur monatlich ein- bis zweimal, was umgerechnet 30 bis 40 Euro sind.“ Eine stabile Einkommensquelle fehle. Dass die Familie weiterhin in ihrer Wohnung bleiben kann, ist an eine Bedingung geknüpft: „Wir dürfen im Haus wohnen, solange wir die Miete zahlen.“

Besonders belastend sei die mangelhafte Infrastruktur. „Unsere Hauptprobleme sind Zugang zu Trinkwasser und Strom“, schreiben die Eltern. Hinzu kommt, dass die Lebensmittelpreise seit dem Irankrieg deutlich gestiegen seien, was den Alltag zusätzlich erschwere.

Deutsche Abschlüsse nicht anerkannt

Auch die Kinder schildern ihre Situation: „Ja, wir dürfen die Schule weiterhin besuchen. Allerdings sind unsere Abschlüsse, die wir in Deutschland erworben haben, noch immer nicht vom Bildungsministerium in Bagdad anerkannt.“ Der Unterricht ist stark verkürzt: „Wir können die Schule nur 2,5 bis 3 Stunden besuchen. In Deutschland waren wir es gewohnt, 6 bis 8 Stunden zur Schule zu gehen.“

Explosionen und nur stundenweise Strom

Die Sicherheitslage bleibt angespannt. „Der Irankrieg macht uns allen hier zu schaffen“, schreiben die Kinder. Explosionen seien weiterhin zu hören, die Versorgungslage verschlechtere sich. „Deshalb haben wir nur 4 bis 5 Stunden Strom am Tag.“ Trotz allem versuchen die Kinder, sich ein Stück Normalität zu bewahren. „Wir haben hier einige Freunde gefunden, mit denen wir uns in der Schule unterhalten“, schreiben sie, „aber privat nicht so viele.“ Es sind Sätze, die von Anpassung erzählen – und von Verlust.

Die Spendenhilfe ist konkret und wirksam – sie sichert den Qasims im Irak aktuell Wohnen, Bildung und tägliche Versorgung. Der Brief macht deutlich, was diese Unterstützung für die Familie bedeutet. „Eure Güte werden wir nicht vergessen“, schreibt sie an die Menschen, die ihnen geholfen haben und weiterhin helfen. Sie schicken diese Nachricht in ein Land, in dem sie gehofft hatten, dauerhaft Frieden und eine Zukunft zu finden.

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