Asylanträge in der Europäischen Union und Deutschland gehen deutlich zurück
Die Zahl der Asylanträge in der Europäischen Union ist im vergangenen Jahr erneut deutlich gesunken. Die EU-Staaten sowie Norwegen und die Schweiz verzeichneten insgesamt rund 822.000 Asylanträge im Jahr 2025. Dies entspricht einem Rückgang von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2024, wie die EU-Asylagentur am Donnerstag im maltesischen Valletta mitteilte. Bereits im Jahr 2024 waren die Anträge um elf Prozent gesunken, sodass sich der Abwärtstrend fortsetzt.
Deutschland bleibt Hauptzielland mit starkem Rückgang
Deutschland bleibt weiterhin das Land mit den meisten Asylanträgen in der EU, verzeichnete jedoch einen besonders starken Rückgang. Die Zahl der Anträge sank hier um ein Drittel auf 163.000. Ein Hauptgrund für diesen Rückgang waren deutlich weniger Asylanträge von syrischen Staatsbürgern. Nach dem Sturz des Assad-Regimes Ende 2024 stellten Syrer deutlich weniger Anträge als im Vorjahr. Zudem stoppten die meisten EU-Länder die Bearbeitung syrischer Anträge, um die neue politische Lage in Syrien zu bewerten und anzupassen.
Afghanistan und Venezuela als Ausnahmen mit steigenden Antragszahlen
Europaweit stellten Afghaninnen und Afghanen die meisten Asylanträge. Ihre Zahl stieg um ein Drittel auf 117.000 Anträge. Die EU-Asylagentur begründete diesen Anstieg großteils mit einem Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union im Oktober 2024. Das Gericht bestätigte, dass die von den Taliban auferlegten Beschränkungen für Frauen einer Verfolgung gleichkommen. Viele der Anträge im Jahr 2025 waren daher Wiederholungsanträge, die keine Neuankünfte in den Ländern widerspiegeln, sondern auf veränderte rechtliche Bewertungen zurückgehen.
Auch Menschen aus Venezuela stellten deutlich mehr Asylanträge: Mit 91.000 Anträgen, fast ein Viertel mehr als im Jahr 2024, liegt das Land auf Platz zwei der Herkunftsländer. Der Großteil dieser Anträge wurde in Spanien gestellt. Als Gründe für den Anstieg nannte die Agentur die strenge Einwanderungspolitik der USA sowie verschärfte Visa-Regeln in lateinamerikanischen Nachbarländern, die die Migration innerhalb der Region erschweren.
Konzentration der Asylanträge auf wenige EU-Länder
Insgesamt konzentrieren sich die Asylanträge weiterhin auf wenige EU-Länder. Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und Griechenland erhielten zusammen 80 Prozent aller Anträge im Jahr 2025. Diese Länder tragen somit die Hauptlast der Asylverfahren in der Europäischen Union, während andere Mitgliedstaaten weniger betroffen sind. Die ungleiche Verteilung bleibt ein zentrales Thema in der europäischen Migrationspolitik.
Die aktuellen Daten der EU-Asylagentur zeigen somit ein gemischtes Bild: Während die Gesamtzahl der Asylanträge in der EU und insbesondere in Deutschland deutlich zurückgeht, gibt es bei bestimmten Herkunftsländern wie Afghanistan und Venezuela signifikante Anstiege. Diese Entwicklungen unterstreichen die komplexen und sich wandelnden Dynamiken in der globalen Migration, die weiterhin Herausforderungen für die europäischen Asylsysteme darstellen.



