Dublin-System kollabiert: 85 Prozent der deutschen Rückführungen scheitern
Dublin-System kollabiert: 85% Rückführungen scheitern

Europas Asylsystem steht vor dem Kollaps

Das Dublin-Verfahren, das eigentlich für eine gerechte Verteilung von Asylbewerbern innerhalb der Europäischen Union sorgen sollte, hat sich in der Praxis als wirkungslos erwiesen. Exklusive Zahlen für das Jahr 2025 belegen das dramatische Ausmaß des Scheiterns, das Deutschland in der Flüchtlingspolitik zunehmend isoliert.

Ein System, das nur auf dem Papier existiert

Die Grundidee des Dublin-Abkommens klingt einfach und logisch: Jener Mitgliedstaat, in dem Migranten erstmals europäischen Boden betreten, ist für die Bearbeitung ihres Asylantrags zuständig. Dies soll Doppelprüfungen vermeiden und eine faire Lastenverteilung gewährleisten. Die Realität sieht jedoch völlig anders aus.

Im vergangenen Jahr stellte Deutschland insgesamt 35.942 Übernahmeersuchen an andere EU-Staaten. Das bedeutet, Berlin wollte fast 36.000 Asylbewerber in jene Länder zurückschicken, in denen sie ursprünglich eingereist waren. Von diesen Ersuchen führten jedoch nur 5.377 zu tatsächlichen Überstellungen – eine klägliche Quote von lediglich 15 Prozent. Umgekehrt betrachtet: 85 Prozent aller deutschen Rückführungsversuche scheiterten komplett.

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Besonders drastische Fälle im Mittelmeerraum

Die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis zeigt sich nirgends deutlicher als bei den klassischen Erstaufnahmeländern im Süden Europas:

  • Italien: Von 6.229 deutschen Ersuchen kam es lediglich zu einer einzigen Überstellung – eine Erfolgsquote, die praktisch bei null liegt.
  • Griechenland: Hier führten nur 26 von 6.518 Ersuchen tatsächlich zu Rückführungen, was einer Quote von mageren 0,4 Prozent entspricht.
  • Auch bei Ungarn (0,5 Prozent), Bulgarien (9,9 Prozent) und Kroatien (10,8 Prozent) bleiben die Erfolgsraten verschwindend gering.

Die Zahlen verdeutlichen ein fundamentales Problem: Während Deutschland regelmäßig Zehntausende Rücküberstellungen beantragt, kommen in der Praxis nur wenige hundert Fälle tatsächlich zustande. Die Mittelmeerstaaten, über die ein Großteil der Migration in die EU erfolgt, nehmen faktisch kaum Personen zurück.

Asymmetrie bei den Rücknahmeersuchen

Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt der Statistik: Andere EU-Staaten stellten im gleichen Zeitraum 16.530 Rücknahmeersuchen an Deutschland. Hier lag die tatsächliche Überstellungsquote mit 29,4 Prozent oder 4.865 Fällen fast doppelt so hoch wie bei den deutschen Ersuchen ins Ausland. Diese Diskrepanz unterstreicht die einseitige Belastung Deutschlands innerhalb des europäischen Asylsystems.

Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems

Angesichts des offenkundigen Versagens soll das Dublin-Verfahren nun im Zuge der geplanten Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) durch neue Regeln ersetzt werden. Der Bundestag will dem entsprechenden Gesetzespaket noch in dieser Woche zustimmen. Die Reform sieht unter anderem veränderte Verfahren für Rücknahmeersuchen vor.

Doch ob die GEAS-Reform die grundlegenden Probleme der Dublin-Verordnung tatsächlich beseitigen kann, bleibt fraglich. Die tiefgreifenden Interessenskonflikte zwischen den Mitgliedstaaten und die unterschiedlichen Kapazitäten im Umgang mit Migration stellen weiterhin erhebliche Hindernisse für eine funktionierende europäische Asylpolitik dar.

Die aktuellen Zahlen belegen eindrücklich: Was auf europäischer Ebene als solidarisches System konzipiert wurde, hat sich in der Praxis zu einem Instrument entwickelt, das Deutschland bei der Bewältigung der Migrationsherausforderungen zunehmend allein lässt. Das Dublin-Abkommen existiert heute nur noch auf dem Papier – in der Realität herrscht das Prinzip des nationalen Egoismus vor.

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