Einbürgerungsbetrug in Berlin: Unklare Zahlen zu gefälschten Sprachzertifikaten
Das Berliner Landesamt für Einwanderung (LEA) steht in der Kritik, weil es keine genauen Angaben zu aufgedeckten Fällen von gefälschten Sprachzertifikaten bei Einbürgerungsverfahren machen kann. Auf Nachfrage erklärte die Behörde, sie führe hierüber keine Statistik. Diese Aussage wirft Fragen zur Transparenz und Effektivität der Kontrollmechanismen auf.
Rekordzahlen bei Einbürgerungen in der Hauptstadt
In Berlin wurden im vergangenen Jahr so viele Ausländer eingebürgert wie nie zuvor. Die Zahlen zeigen einen deutlichen Anstieg: 2026 wurden insgesamt 39.034 deutsche Pässe ausgegeben. Das ist fast doppelt so viele wie im Jahr 2024 mit 21.811 Einbürgerungen und mehr als viermal so viele wie 2023, als lediglich 9.041 Anträge positiv beschieden wurden. Die Tendenz hält in diesem Jahr unvermindert an. Als Begründung für den Anstieg nennt das Amt, dass ein großer Stau von Anträgen aufgelöst werden müsse, der sich über Jahre gebildet habe.
Bundesweites Problem mit gefälschten Dokumenten
Bereits im Sommer 2025 waren bundesweit Fälle von gefälschten Sprachzeugnissen aufgeflogen, die für Einbürgerungsanträge vorgelegt wurden. Die Methoden der Betrüger sind vielfältig: Falsche Namen werden in Originaldokumente eingetragen, und Doppelgänger erscheinen persönlich zu Sprachtests, um die Identität der Antragsteller vorzutäuschen. Im Februar 2026 forderte der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Throm deshalb, verdächtige Dokumente müssten umfassend überprüft und laufende Einbürgerungsverfahren vorübergehend ausgesetzt werden.
Vage Auskünfte des Berliner Landesamts
Wie die Praxis in der Hauptstadt aussieht, bleibt jedoch weitgehend im Dunkeln. Auf die konkrete Frage, wie viele Fälle gefälschter Sprachzertifikate dem LEA bisher bekannt sind, antwortete die Behörde ausweichend: „Hierüber führt das LEA keine Statistik.“ Auf Nachfrage zur Entdeckung von Fälschungen verwies das Amt auf seinen vollständigen Zugriff auf elektronische Ausländerakten und darauf, dass Mitarbeiter im Erkennen von Fälschungen geschult würden – zuletzt im Februar 2026.
Diese vagen Auskünfte überzeugen nicht. Kritiker wie der Journalist Gunnar Schupelius betonen, dass der deutsche Pass ein hohes Gut sei, das nicht in die Hände von Betrügern gelangen dürfe. Doch offenbar sind die Kontrollen in der Vergangenheit zu lasch gewesen und scheinen es teilweise immer noch zu sein. Die mangelnde Transparenz bei den Fallzahlen nährt Zweifel an der Wirksamkeit der aktuellen Maßnahmen.
Die Situation in Berlin wirft ein Schlaglicht auf ein bundesweites Problem: Trotz steigender Einbürgerungszahlen und bekannter Betrugsmethoden fehlt es an klaren Zahlen und konsequenten Kontrollen. Solange Behörden wie das LEA keine aussagekräftige Statistik führen, bleibt unklar, wie verbreitet der Missbrauch tatsächlich ist und ob die ergriffenen Schulungsmaßnahmen ausreichen, um ihn wirksam zu bekämpfen.



