EU-Expertengruppe beginnt Arbeit zu Social-Media-Mindestalter für Kinder
Eine neu eingesetzte Expertengruppe der Europäischen Union hat ihre Arbeit aufgenommen, um über mögliche Altersbeschränkungen für soziale Medien zu beraten. Die Fachleute aus verschiedenen Disziplinen sollen spätestens im Sommer konkrete Vorschläge für Schutzmaßnahmen vorlegen, wie die EU-Kommission in Brüssel mitteilte.
Deutsche und französische Forscher leiten die Gruppe
Die Expertengruppe wird gemeinsam von dem deutschen Kinder- und Jugendpsychiater Jörg Fegert und der französischen Forscherin Maria Melchior geleitet. Fegert ist ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Ulm und bringt damit medizinische Expertise in die Diskussion ein.
Von der Leyen eröffnet erste Sitzung und vergleicht mit Alkohol- und Tabakbeschränkungen
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eröffnete persönlich die erste Arbeitssitzung der Expertengruppe. Die deutsche Politikerin betonte, dass mehr getan werden müsse, um junge Menschen im Internet zu schützen und zu stärken. „Aus diesem Grund habe ich dieses Gremium einberufen: um einen starken, realistischen europäischen Ansatz zu entwickeln, der die Sicherheit unserer Kinder im digitalen Zeitalter gewährleistet“, erklärte von der Leyen.
Bereits im September 2025 hatte die Kommissionspräsidentin die Debatte um die Einführung eines Mindestalters für soziale Medien befeuert und sich dafür ausgesprochen. Sie verglich die geplante Maßnahme damals mit den bereits etablierten Altersbeschränkungen beim Konsum von Alkohol und Tabak.
Empfehlungen könnten deutsche Debatte beeinflussen
Die Empfehlungen der Expertengruppe könnten auch für die deutsche Diskussion über ein Social-Media-Verbot für Kinder entscheidend sein. Denn die technische Durchsetzung digitaler Altersgrenzen erfordert die Einbindung der großen Online-Plattformen wie TikTok und anderen sozialen Netzwerken.
Die alleinige Zuständigkeit für die Vorgabe und Durchsetzung solcher Regeln liegt jedoch bei der EU-Kommission. Das bedeutet, dass Deutschland und andere Mitgliedsländer den großen Plattformen allein keine zusätzlichen Pflichten – etwa zur strengeren Alterskontrolle – auferlegen dürfen.
Politische Vorstöße in Deutschland sehen Altersgrenze bei 14 Jahren vor
In Deutschland hatten bereits sowohl die SPD als auch die CDU Vorstöße für ein Social-Media-Mindestalter unternommen. Die Vorschläge sehen vor, dass Kinder erst ab 14 Jahren auf Online-Plattformen wie TikTok und vergleichbaren Diensten aktiv sein dürfen sollen.
Die interdisziplinäre Expertengruppe setzt sich aus Fachleuten aus den Bereichen Kinderrechte, Gesundheit und Informationstechnologie zusammen. Ihre Arbeit wird in den kommenden Monaten intensiv verfolgt werden, da die Ergebnisse potenziell die Social-Media-Regeln für ganz Europa verändern könnten.



