Erster Regierungs-Evakuierungsflug aus Nahost erreicht Frankfurt
Nach einer langen und bewegenden Reise ist der erste offizielle Evakuierungsflug der Bundesregierung aus der Nahost-Krisenregion am Frankfurter Flughafen gelandet. Über 250 Passagiere, die infolge der eskalierenden Kriegshandlungen in der Golf-Region gestrandet waren, kehrten damit unter dramatischen Umständen in die sichere Heimat zurück. Die Angehörigen der besonders verwundbaren Gruppen, darunter Schwangere, Kranke und Kinder, wurden bei der Auswahl für den Flug priorisiert.
Emotionale Wiedersehen und erschütternde Berichte
Am Flughafen Frankfurt spielten sich zahlreiche emotionale Szenen ab, als die Lufthansa-Maschine aus Maskat im Oman mit fast zwei Stunden Verspätung eintraf. Francesca Matić, eine 28-jährige Urlauberin aus Bad Kreuznach, lag ihren Eltern endlich wieder in den Armen. Sie war eigentlich auf der Rückreise aus Sri Lanka und sollte in Doha umsteigen, als ihr Flugzeug abgedreht und stattdessen im Oman landete. „Man wollte trotzdem einfach nur nach Hause“, beschreibt sie ihre überwältigende Motivation. Ihre Mutter Bettina ergänzt besorgt, dass Francesca unter Migräne leide und es ihr physisch nicht gut gehe, weshalb die Familie die Evakuierungsmöglichkeit ergriffen habe.
Raketen am Himmel und eine Nacht in der Tiefgarage
Die Urlauber Carl Wagener (24) und Lea Möller (22) aus Siegen hatten ihren Aufenthalt in Dubai, als der Krieg ausbrach. „Natürlich ist es beunruhigend, wenn man Raketen über die Köpfe fliegen sieht“, berichtet Wagener nüchtern. Panik sei jedoch nicht ausgebrochen. Dennoch mussten beide eine ganze Nacht in einer Tiefgarage verbringen, nachdem eine Warnmeldung auf ihren Handys einging. Anschließend reisten sie eigenständig in den Oman, wo sie glücklicherweise noch einen Platz auf dem Evakuierungsflieger ergattern konnten. Für das Ticket zurück in die friedliche Heimat zahlten sie pro Person 500 Euro.
Familien auf der Flucht und verstörende Erlebnisse
Benjamin, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte, ist erleichtert, mit seiner Frau und den zwei Kindern wieder in Deutschland zu sein. Die Familie lebt eigentlich in Dubai, entschied sich jedoch nach dem Kriegsausbruch, vorerst auf unbestimmte Zeit zu Verwandten nach Hamburg zu reisen. „Für die Kinder war's dann doch ein bisschen verstörend, deswegen haben wir uns auf den Weg gemacht“, erklärt er. Seine 14-jährige Tochter fügt mit schockierender Offenheit hinzu: „Ich habe sogar 'ne Rakete gesehen.“
Verzögerte Rückkehr und erlösende Ankunft
Das Ehepaar Schmitt aus Nürnberg stand mitten in der Nacht auf, um pünktlich in Frankfurt auf ihre Tochter, den Schwiegersohn und die fünfjährige Enkelin zu warten. Die junge Familie befand sich im Urlaub in Thailand, mit einem geplanten Zwischenstopp in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf dem Rückflug. Unterwegs wurde der Flugraum jedoch gesperrt, sodass sie stattdessen im Oman landen mussten. Mit fünf Tagen Verzögerung erreichten sie nun endlich Deutschland. Tourist Jürgen Schmitt atmet erleichtert auf: „Der Krimi ist vorbei!“
Die Maschine, die für maximal 279 Passagiere ausgelegt war, traf in den frühen Morgenstunden in Frankfurt ein. Bereits seit Dienstag hatten insbesondere Fluggesellschaften aus den Vereinigten Arabischen Emiraten einzelne Flüge angeboten, doch dieser Evakuierungsflug der Bundesregierung markiert einen wichtigen Meilenstein in der Rückholaktion deutscher Staatsbürger aus der gefährlichen Krisenregion.



