Iranische Aktivistin in München berichtet über Haft im Teheraner Evin-Gefängnis
Iranerin in München spricht über Zeit im Teheraner Gefängnis

Iranische Aktivistin in München berichtet über Haft im Teheraner Evin-Gefängnis

Sahar Berlouie, eine 41-jährige iranische Aktivistin, hat drei Monate im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran verbracht. Seit knapp einem Jahr lebt sie nun in München, wo sie erstmals in ihrem Leben ein Gefühl von Freiheit erlebt. "Das erste Mal in meinem Leben spüre ich so etwas wie Freiheit", sagt Berlouie über ihr neues Leben in Deutschland. Hier müsse sie keine Angst mehr haben, wenn sie die Polizei sieht – ein Kontrast zu ihrer Heimat, wo sie wegen ihrer Teilnahme an Protesten inhaftiert wurde.

Vom Studium zur Aktivistin: Ein Weg des Widerstands

Bereits mit 17 Jahren beobachtete Berlouie im Iran Proteste auf den Straßen, während sie Software-Engineering in Teheran studierte. Mit 30 Jahren schloss sie sich aktiv den Demonstrationen an. "Wenn du gegen die Unterdrückung kämpfst, wirst du automatisch zur Aktivistin. Ich habe mir das nicht ausgesucht, aber ich konnte nicht mehr still sein", erklärt sie. Die Gemeinschaft mit anderen Aktivistinnen gab ihr ein Gefühl von Stärke im Kampf gegen die Diktatur.

Verhör und Misshandlungen im Evin-Gefängnis

Während der "Frau, Leben, Freiheit"-Proteste im Jahr 2022 wurde Berlouie vom iranischen Geheimdienst aus ihrer Wohnung geholt und ins Evin-Gefängnis gebracht. Dort verbrachte sie zwei Monate in einer Einzelzelle im Trakt 209, der dem Geheimdienst untersteht. Täglich wurde sie verhört und sollte Informationen über andere Aktivistinnen preisgeben. Als sie sich weigerte, wurde sie mit Stöcken an Armen und Beinen geschlagen. "Sie haben mich mit verbundenen Augen von meinem Stuhl gegen die Wand geschubst", berichtet Berlouie. Dabei brach sie sich zwei Finger, erhielt jedoch keine medizinische Hilfe – stattdessen kümmerte sich eine Mitgefangene um sie.

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Flucht nach Deutschland und neues Leben in München

Nach drei Monaten Haft kam Berlouie unter Auflagen frei, setzte aber ihren Widerstand fort, indem sie öffentlich keinen Hijab trug. Auf der Straße wurde sie verfolgt und bedroht, mit der Aufforderung, das Land zu verlassen, um erneuter Inhaftierung zu entgehen. Sie floh zunächst in die Türkei, wo sie als Software-Entwicklerin arbeitete, bis eine Hilfsorganisation in München ihr eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen vermittelte. In München beteiligte sie sich als Ordnerin bei einer Großdemo auf der Theresienwiese während der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar.

Krieg im Iran: Zwischen Hoffnung und Trauer

Der aktuelle Krieg im Iran belastet Berlouie stark. Zu Beginn der Angriffe der USA und Israels empfand sie und ihr Umfeld Freude über die Hoffnung auf ein Ende der Islamischen Republik. Der Tod des obersten Führers Ali Chamenei weckte besonders große Erwartungen. Doch neben dieser Freude herrscht bei Berlouie auch tiefe Trauer. "Ich fühle mich sehr schlecht für die Menschen in meinem Land, die jetzt unter der Bombardierung leben müssen. Ich weine viel", sagt sie. Der Kontakt zu ihrer Familie und Freunden im Iran ist abgebrochen, da Internet und Mobilfunknetz größtenteils abgestellt sind.

Zukunftsperspektiven: Demokratie und berufliche Pläne

Berlouie kann den Ausgang des Krieges nicht einschätzen, betont aber die Unberechenbarkeit von US-Präsident Donald Trump. Sie hofft, dass die USA das iranische Regime wechseln könnten, fürchtet aber auch Szenarien wie in Afghanistan oder Irak. Für ihr Land wünscht sie sich ein demokratisches und föderales System nach deutschem Vorbild. In München arbeitet sie daran, das B1-Niveau in Deutsch zu erreichen, um später für deutsche Unternehmen im Iran tätig zu werden. Zudem baut sie als Software-Ingenieurin eine Internetseite auf, die Iranern professionelle psychologische Hilfe vermitteln soll.

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