40 Jahre nach Tschernobyl: Krieg stoppt Hilfe für belarussische Kinder
Krieg stoppt Hilfe für Tschernobyl-Kinder

40 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ist das unsichtbare Gift noch immer in den Körpern der belarussischen Kinder präsent. Obwohl sie Jahrzehnte nach der Kernschmelze geboren wurden, ist ihre Strahlendosis höher als bei Kindern aus dem Rest der Welt. Deutsche Hilfsorganisationen möchten ihnen helfen, doch der russische Angriffskrieg auf die Ukraine macht dies unmöglich.

Die anhaltende Bedrohung durch radioaktive Strahlung

Am 26. April 1986 explodierte Reaktor 4 in Tschernobyl. Die Folgen sind für die Kinder im belarussischen Jelsk, das 95 Kilometer nordwestlich von Tschernobyl liegt, noch immer spürbar. Sie leben in Armut, und ihre Heimat bleibt verstrahlt. Täglich essen sie, was im belasteten Boden wächst. Seit vielen Jahren setzen sich Vereine aus Deutschland für sie ein, indem sie Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren zu Erholungsurlauben nach Deutschland einladen. Seit Russland die Ukraine überfallen hat, ist dies nicht mehr möglich.

Projekte seit Jahren gestoppt

Belarus ist ein enger Verbündeter Moskaus, die Grenzen sind dicht. Reisen nach Deutschland können nicht mehr stattfinden. „Früher fuhren die Kinder mit Bussen von Minsk über Polen nach Leipzig. Diese Verbindungen gibt es nicht mehr“, sagt Raik Göthert, Vorstand des Vereins „Reisekinder e.V.“ aus Leipzig, der seit 2013 jedes Jahr etwa 20 Kinder aus Jelsk für 14 Tage nach Deutschland holte. Für Belarus ist Deutschland Feindesland. Wer sein Kind dorthin schicke, könne als „Kollaborateur“ angesehen werden, so Göthert: „Man spürt die Ängste, dass man sich nicht kompromittieren will.“ Es sei sogar schon vorgekommen, dass in Telefonaten plötzlich fremde Stimmen zu hören gewesen seien. Für Göthert ein Beleg, dass Telefone abgehört werden.

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Positive Wirkung der Erholungsurlaube

Dabei war die Hilfe wichtig und wirksam. Eine Woche Ferienlager im Brandenburger Wald und eine Woche bei Gasteltern in Leipzig reichten laut Messungen des belarussischen Strahleninstituts „Belrad“ schon aus, um die Cäsium-Werte im Körper der Kinder sinken zu lassen. Das Bundesamt für Strahlenschutz bestätigt auf Anfrage: „Während eines zweiwöchigen Aufenthalts in Deutschland würde ein Kind aus Jelsk mit Lebensmitteln nur geringste Mengen an Cäsium-137 aufnehmen. Der Gehalt an Cäsium-137 im Körper würde sinken, da das Kind mehr Cäsium-137 ausscheidet als es aufnimmt.“ Auch zahnärztlich werden die bitterarmen Kinder in ihrer Zeit in Deutschland untersucht und versorgt.

Hilfe per Paket

Um zu helfen, schicken die Deutschen jetzt Pakete: Trikots, Schreibzeug, Spielsachen und Fußbälle – Dinge, die in Belarus Mangelware sind. Die Hoffnung wollen die Helfer um Göthert trotzdem nicht aufgeben: „Wir hoffen natürlich, dass dieser Krieg irgendwie zu einem Ende kommt und die Reisen wieder möglich sind.“

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