Migration: Erstmals seit Jahren sinkt Zahl der Geflüchteten in Deutschland
Migration: Erstmals seit Jahren weniger Geflüchtete in Deutschland

Wende in der Migration: Zahl der Geflüchteten in Deutschland sinkt erstmals seit Jahren

Erstmals seit dem Jahr 2011 ist die Zahl der in Deutschland lebenden Geflüchteten wieder leicht zurückgegangen. Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, hielten sich zum Stichtag 31. Dezember knapp 3,53 Millionen Schutzsuchende hierzulande auf. Das sind rund 17.000 Geflüchtete weniger als noch ein Jahr zuvor. Diese Entwicklung markiert eine signifikante Veränderung nach Jahren kontinuierlichen Anstiegs.

Langfristige Entwicklung und aktuelle Trends

Die Gesamtzahl der geflüchteten Menschen in Deutschland hat sich im Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt. Ein wesentlicher Grund dafür war das militärische Eingreifen Russlands in den syrischen Bürgerkrieg auf der Seite des damaligen Präsidenten Baschar al-Assad. Die Machtübernahme der islamistischen Taliban in Afghanistan im Jahr 2021 führte zu einem weiteren Anstieg afghanischer Asylbewerber.

Noch deutlich mehr Flüchtlinge kamen im Jahr 2022, als Russland seinen Angriffskrieg auf die gesamte Ukraine begann. Innerhalb weniger Monate suchten rund eine Million ukrainische Staatsangehörige in Deutschland Zuflucht. Sie müssen keinen Asylantrag stellen, sondern werden auf Grundlage einer EU-Richtlinie für vorübergehenden Schutz aufgenommen.

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Seit dem Herbst 2023 sinkt jedoch die Zahl der Menschen, die in Deutschland erstmalig Asyl beantragen. Wurden im Jahr 2024 noch knapp 230.000 Asylerstanträge gestellt, so sank diese Zahl im vergangenen Jahr auf rund 113.000 Erstanträge.

Gründe für den aktuellen Rückgang

Dass es Ende 2025 etwas weniger Flüchtlinge in Deutschland gab als ein Jahr zuvor, hat mehrere Ursachen. Einerseits spielen die verschärften Grenzkontrollen eine entscheidende Rolle. Inzwischen wird an allen deutschen Landgrenzen kontrolliert, obwohl dies im Schengen-Raum eigentlich nicht vorgesehen ist. Die Intensität dieser Kontrollen hat zudem deutlich zugenommen.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) ordnete im Mai an, im Regelfall auch Asylsuchende an den Landgrenzen zurückzuweisen. Es gibt allerdings Ausnahmen, etwa für Kranke und Schwangere. Doch es kamen zuletzt auch insgesamt weniger Schutzsuchende nach Europa. Viele Venezolaner zieht es aufgrund der Sprache und der aktuell eher liberalen Migrationspolitik vor allem nach Spanien.

Ein weiterer wichtiger Grund für den Rückgang in Deutschland ist der Sturz von Syriens Langzeitmachthaber im Dezember 2024. Zudem erfüllen viele der zwischen 2014 und 2016 eingereisten Syrerinnen und Syrer inzwischen die Bedingungen für eine Einbürgerung. Sie tauchen dann nicht mehr als Flüchtlinge in der Statistik auf.

Im vergangenen Jahr gab es 22.787 Abschiebungen, mehr als im Jahr zuvor. 2024 waren 20.084 Menschen in ihr Herkunftsland oder in ein für ihr Asylverfahren zuständiges europäisches Land gebracht worden.

Auswirkungen der Reformen der Ampel-Regierung

Die Wartezeit für den Einbürgerungsantrag wurde verkürzt. Dadurch kann, wer die Kriterien erfüllt, schon nach fünf statt acht Jahren eingebürgert werden. Das von SPD, Grünen und FDP beschlossene Gesetz zum Chancen-Aufenthaltsrecht galt bis Ende 2025. Es war für Menschen konzipiert, die sich zum Stichtag 31. Oktober 2022 mindestens fünf Jahre geduldet, gestattet oder mit einer Aufenthaltserlaubnis in Deutschland aufgehalten haben.

Sie konnten mit ihren Angehörigen für 18 Monate eine Art Aufenthaltserlaubnis auf Probe erhalten. Danach konnte ein dauerhaftes Bleiberecht bekommen, wer überwiegend selbst für seinen Lebensunterhalt aufkommt, Deutsch spricht, nicht straffällig geworden ist und eine geklärte Identität vorweisen kann.

Etwa 43 Prozent der Berechtigten machten vom Chancen-Aufenthaltsrecht Gebrauch. Rund 28.000 Menschen sicherten sich so ein Bleiberecht. Knapp 10.000 Ausländer scheiterten und fielen zurück in die Duldung. Bei gut 15.000 Menschen mit Chancen-Aufenthalt ist der Ausgang noch offen.

Weitere Formen von Aufnahme oder Bleiberecht

Neben dem regulären Asylverfahren gibt es weitere Wege, in Deutschland Schutz zu finden. Dazu zählt die Aufnahme aus völkerrechtlichen oder humanitären Gründen. In den vergangenen Jahren wurden etwa 38.000 Menschen aus Afghanistan aufgenommen, darunter ehemalige Ortskräfte deutscher Institutionen.

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Laut Bundesregierung reisten von 1993 bis zum 31. Dezember 2025 im geregelten Aufnahmeverfahren für jüdische Zuwanderer insgesamt 214.940 Menschen aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion ein.

Ein anderer Weg ist das sogenannte Resettlement. Dabei schlägt das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) besonders schutzbedürftige Menschen vor. Deutsche Behördenvertreter führen noch vor Ort Befragungen und Sicherheitsüberprüfungen durch. Die schwarz-rote Koalition hat vereinbart, humanitäre Aufnahmeprogramme so weit möglich zu beenden und keine neuen Programme aufzusetzen.

Deshalb kamen zuletzt nur wenige Menschen - etwa aus dem Sudan und aus Eritrea - als Resettlement-Flüchtlinge. Bei ihnen war das Aufnahmeverfahren bei Regierungswechsel schon weit fortgeschritten.

Ausreisepflichtige in Deutschland

Ende 2025 lebten rund 232.000 Ausreisepflichtige in Deutschland. Viele von ihnen stammen aus der Türkei, dem Irak oder aus Afghanistan. Ein Jahr zuvor waren es knapp 221.000 Ausreisepflichtige gewesen. Knapp 191.000 der Ausreisepflichtigen zum Stichtag 31. Dezember 2025 hatten eine Duldung.

Geduldete sind Menschen, die zwar ausreisepflichtig sind, aber aus bestimmten Gründen aktuell nicht abgeschoben werden können - etwa weil sie keine Ausweisdokumente haben oder krank sind. Diese Gruppe stellt weiterhin eine Herausforderung für die deutsche Migrationspolitik dar.