Tragödie im Mittelmeer: Schlauchboot mit Flüchtenden sinkt vor Libyen
Vor der Küste Libyens hat sich ein weiteres dramatisches Schiffsunglück mit Flüchtenden ereignet. Ein überfülltes Schlauchboot, das Migrantinnen und Migranten transportierte, ist im Mittelmeer gesunken. Nach aktuellen Berichten der Internationalen Organisation für Migration (IOM) werden mehr als 50 Personen vermisst, darunter auch zwei Säuglinge.
Nur zwei Überlebende geborgen
Bislang konnten lediglich zwei Frauen aus Nigeria von der libyschen Küstenwache gerettet werden. Die eine Frau berichtete, ihre beiden Babys in den stürmischen Wellen verloren zu haben. Die andere vermisst ihren Ehemann. Nach Angaben der Überlebenden war das Schlauchboot etwa sechs Stunden lang auf dem Mittelmeer unterwegs, bevor es mit Wasser volllief und schließlich kenterte.
IOM bestätigt schreckliche Details
Die IOM gab bekannt, dass sich der Schiffbruch bereits am Freitag ereignet hat. Insgesamt sollen sich 53 Schutzsuchende an Bord befunden haben. "Die Beförderung von Migranten auf seeuntüchtigen und überfüllten Booten ist eine Straftat", erklärte die Organisation und verurteilte das Vorgehen der Schleuser scharf. Besonders verwerflich sei es, Menschen während schwerer Stürme auf See zu schicken – unter Bedingungen, die ein nahezu sicheres Todesrisiko bedeuteten.
Mittelmeer bleibt tödlichster Migrationskorridor
Laut IOM sind allein im Januar mindestens 375 Flüchtende ertrunken oder verschollen, als sie versuchten, nach Europa zu gelangen. Die sogenannte Zentralroute von Libyen nach Italien gilt als besonders gefährlich. Im vergangenen Jahr sind auf dieser Route mehr als 1300 Menschen ums Leben gekommen. Die Uno-Migrationsagentur bezeichnet das Mittelmeer als den "tödlichsten Migrationskorridor der Welt".
Gefährliche Routen und politische Forderungen
Neben der zentralen Mittelmeer-Route gelten auch andere Passagen als extrem riskant:
- Die westliche Route von Marokko zu den Kanarischen Inseln oder nach Spanien
- Die östliche Route von der Türkei nach Griechenland
Die IOM und zahlreiche Menschenrechtsorganisationen drängen seit Jahren auf sicherere Überwege und einen verbesserten Küstenschutz. Vor allem in den Wintermonaten werden die Überfahrten durch Stürme und raue See zusätzlich erschwert.
Dieses jüngste Unglück unterstreicht erneut die dramatische humanitäre Krise im Mittelmeer und die dringende Notwendigkeit politischer Lösungen für sichere Migrationswege.



