Syrer in Schwerin: „Wir fühlen uns hier zu Hause“
Syrer in Schwerin: „Wir fühlen uns hier zu Hause“

Rückkehr-Debatte verunsichert syrische Flüchtlinge in Schwerin

Die von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angestoßene Diskussion über eine Rückkehr von syrischen Flüchtlingen in die Heimat verfolgen Geflüchtete in Schwerin mit Sorgen. Viele von ihnen haben sich in der Landeshauptstadt ein neues Leben aufgebaut und fühlen sich hier zu Hause. „Viele Syrer haben in Deutschland ein neues Leben angefangen“, sagt Diana Altinawi. Die 33-Jährige kam 2014 mit ihren Eltern und drei Geschwistern nach Deutschland, um Schutz vor dem Krieg in Syrien zu suchen. Ihr Heimatort nahe Damaskus sei vollständig zerstört, erzählt sie. „Dort gibt es für uns keine Perspektive.“

Diana Altinawi: Integriert und steuerzahlend

Diana Altinawi arbeitet als Pflegekraft in einem Schweriner Seniorenheim. Ihre beiden Kinder, drei und fünf Jahre alt, wurden in Deutschland geboren. „In Schwerin fühle ich mich zu Hause“, betont die junge Frau in perfektem Deutsch. Sie habe sich integriert, zahle Steuern und leiste mit ihrer Arbeit einen Beitrag für die Gesellschaft. Das Leben in Deutschland sei klar geregelt und verlässlich, erklärt sie. In Syrien dagegen gebe es weiterhin keine Sicherheit und Stabilität. „Wo sollen denn die Menschen hin, wenn sie von Deutschland zurückgeschickt werden?“, fragt die 33-Jährige, die sich um die deutsche Staatsbürgerschaft bewirbt.

Bruder Ousama: Zukunft in Deutschland

Auch Diana Altinawis Bruder Ousama sieht seine Zukunft in Deutschland. Der 25-Jährige ist in der Gastronomie tätig. Viele Syrer würden in Berufen arbeiten, in denen dringend Personal benötigt werde, sagt Ousama Altinawi. In Syrien seien die Folgen des Krieges immer noch allgegenwärtig. „Es ist unklar, wie sich die Situation weiter entwickelt.“

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Politische Hintergründe der Rückkehr-Debatte

Ende März hieß es beim Besuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin, dass 80 Prozent der rund eine Million geflüchteten Syrer in Deutschland in den kommenden drei Jahren in ihre Heimat zurückkehren sollten. Bundeskanzler Merz appellierte an die syrischen Flüchtlinge, beim Wiederaufbau ihres Landes zu helfen. Später stellte Merz klar, dass die Zahl 80 Prozent von al-Scharaa gekommen sei. Er habe den Präsidenten gebeten, vorrangig diejenigen Menschen zurückzunehmen, die keinen gültigen Aufenthaltstitel mehr hätten. Vordringlich solle die kleine Gruppe straffällig gewordener Syrer zurückgeführt werden. Gut integrierte Syrer, die bleiben wollten, könnten in Deutschland bleiben.

Rückkehrinteresse in Schwerin gering

In Schwerin leben laut Stadt derzeit 1848 Syrer. Zudem wurden seit 2021 1063 Syrer eingebürgert. Bei der Ausländerbehörde melden sich nur vereinzelt Syrer, die in ihre Heimat zurückkehren wollen. Stadtsprecherin Michaela Christen teilte mit, dass im Jahr 2025 nach einer Rückkehrberatung 13 syrische Personen dauerhaft ausreisten. In diesem Jahr habe bisher noch kein syrischer Staatsangehöriger ein Rückkehrinteresse bekundet.

Youssef Alnajjar: „Ich verdanke Deutschland mein Leben“

Youssef Alnajjar könnte sich vorstellen, beim Wiederaufbau Syriens zu helfen, aber eine dauerhafte Rückkehr kommt für den 33-Jährigen nicht infrage. „Ich verdanke Deutschland mein Leben“, sagt Alnajjar, der 2016 Asyl beantragte und seit zwei Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Er arbeitet in einem Krankenhaus-Labor in Güstrow und pendelt täglich zwischen Schwerin und seiner Arbeitsstelle. In Deutschland lernte er die Sprache und machte eine Ausbildung. Wenn alle geflüchteten Syrer die Bundesrepublik verlassen würden, wäre die Wirkung für die deutsche Wirtschaft fatal, erklärt Alnajjar. Die Debatte mache ihn einfach nur traurig.

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