Vier Jahre Ukraine-Krieg: Junge Ukrainerin findet erneut Zuflucht in der Eifel
Ukraine-Krieg: Vier Jahre ohne normales Leben für junge Frau

Vier Jahre Ukraine-Krieg: Eine junge Ukrainerin kämpft um Normalität in der Eifel

Für die 19-jährige Veronika "Nika" Ivchenko ist der Ukraine-Krieg auch in der abgelegenen Eifel stets präsent. Immer wieder überprüft sie eine App auf ihrem Smartphone, die Luftalarme in ihrer Heimat anzeigt. "Hier in der Region Sumy gibt es gerade einen Drohnenalarm", erklärt die zierliche junge Frau und zeigt auf die rot markierte Karte. Dann prüft sie ihre Heimatstadt: "In Kiew ist momentan nichts."

Die Rückkehr ins Eifeldorf Fleringen

Nika ist zurück im Eifeldorf Fleringen bei einer Familie, die sie bereits kurz nach Kriegsbeginn vor vier Jahren aufgenommen hatte. Eigentlich plante sie nur einen Weihnachtsurlaub, doch nun bleibt sie länger. "Das Leben in Kiew ist fast unmöglich geworden", berichtet Ivchenko mit ernster Miene. Nach den russischen Winterangriffen hatte sie in ihrer Wohnung weder Wasser noch Heizung, und meistens fiel auch der Strom aus.

"Es ist dunkel, der Kühlschrank funktioniert nicht, und ich habe kein WLAN", schildert sie die prekäre Situation. Ohne Internetverbindung kann sie ihr Studium nicht fortsetzen, da ihre Universität in Kiew auf Online-Unterricht umgestellt hat, als die Temperaturen im Gebäude unter Null sanken.

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Luftalarme und psychische Belastungen

Der anhaltende Krieg setzt der jungen Studentin schwer zu. Mit wachsender Sorge beobachtet sie die Entwicklung: "Mit jedem Jahr wird es schlechter", sagt sie zum vierten Jahrestag des Kriegsausbruchs. "Wieder ein weiteres Jahr ohne normales Leben." Früher habe sie geglaubt, es könne nicht schlimmer werden, doch die Realität belehrt sie eines Besseren.

Im vergangenen Jahr erlebte sie selbst regelmäßig Luftalarme, da sie in einem Viertel nahe dem Flughafen wohnte. "Das bedeutet, die Raketen kommen fast täglich", erzählt sie mit zitternder Stimme. An einem einzigen Tag wurde ihre gesamte Straße zerstört – nur ihr Haus blieb verschont.

"Leider war ich an diesem Tag aus Dummheit zu faul, in den Schutzraum zu gehen, und hörte alle Einschläge", erinnert sie sich. Seit diesem traumatischen Erlebnis leidet sie bei jedem Luftalarm unter Panikattacken mit Zittern, Atemnot und Bewegungsunfähigkeit. Zwei bis drei Monate konnte sie kaum schlafen.

Studium im Exil und Dankbarkeit

Im Eifelort Fleringen kann Nika ihr Studium der Politik und Wirtschaft fortsetzen. "Ich schalte mich täglich zu den Online-Kursen zu und bin aktiv dabei", erklärt sie. Trotz der schwierigen Umstände bleibt sie lernbereit und engagiert.

Nach ukrainischen Maßstäben betrachtet sie sich dennoch als "ziemlich glücklichen Menschen", da sie keine Familienmitglieder an der Front verloren hat und von direkten Angriffen verschont blieb. "Ich kenne eine Bekannte, die bei einem Raketenangriff ihre Eltern, ihr Zuhause und den Glauben an die Zukunft verlor", berichtet sie nachdenklich.

Daher möchte sie den Deutschen eine Botschaft mitgeben: "Schätzt jeden Moment eures Lebens, die Menschen in eurer Nähe, dass ihr nachts ruhig schlafen könnt, und alles, was ihr habt. Manche haben nicht so viel Glück wie ihr!"

Eine zweite Familie in Deutschland

Ihrer deutschen Familie in Fleringen ist Nika zutiefst dankbar. Über einen familiären Kontakt kam sie wenige Tage nach Kriegsausbruch in die Eifel, als sie gerade 15 Jahre alt war. "Eigentlich wollte ich das gar nicht, aber ich wusste, dass ich muss", erinnert sie sich. Ihre Mutter brachte sie in die Eifel, musste jedoch wegen ihrer Arbeit nach Kiew zurückkehren.

Der Anfang war schwer: Sie sprach kein Deutsch, kannte niemanden. Sie besuchte die Schule in Prüm und absolvierte parallel nach der elften Klasse ihr ukrainisches Abitur online. Familie Eichten ist für sie zu einer zweiten Familie geworden, betont sie mit warmer Stimme.

Die psychologischen Folgen des Krieges

Der Krieg schwächt nach Nikas Einschätzung nicht nur physisch, sondern auch psychisch die gesamte ukrainische Nation. "In der Ukraine werden nicht nur Menschen getötet, sondern auch der Glaube der Menschen an die Zukunft", erklärt sie nachdenklich. Der Glaube, dass ihre Eltern in einer Woche noch leben werden, dass sie ruhig schlafen kann ohne Todesangst, dass sie ein Dach über dem Kopf und eine warme Mahlzeit haben wird – all dies sei ins Wanken geraten.

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Die junge Ukrainerin träumt davon, später vielleicht Politikerin zu werden. "Ich mag Politik. Politik beeinflusst so viel im Leben", sagt sie mit leuchtenden Augen. In welchem Land sie politisch aktiv werden möchte, weiß sie noch nicht. Obwohl sie nicht an einen baldigen Frieden in der Ukraine glaubt, bleibt dies ihr größter Wunsch. Gleichzeitig ist ihr klar: "Auch dann ist in der Ukraine nichts mehr wie vorher."

Innehalten am vierten Jahrestag

Am vierten Jahrestag des Kriegsausbruchs am 24. Februar wird Nika bewusst innehalten. "Meine Freunde und ich werden dann nur reden. Über das, was ist", plant sie. Wahrscheinlich werden sie feststellen: "Oh, es ist schon das vierte Jahr." Und sich die beunruhigende Frage stellen: "Was kommt noch?"

Für Nika Ivchenko bedeutet der Krieg nicht nur physische Zerstörung, sondern auch den Verlust von Normalität, Sicherheit und Zukunftsperspektiven. In der Eifel findet sie vorübergehend Schutz, doch ihre Gedanken bleiben bei ihrer Heimat, ihrer Familie und der ungewissen Zukunft der Ukraine.