Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) steckt in einer tiefen Krise. Kurz vor den wichtigen Landtagswahlen in Ostdeutschland sorgt ein internes Papier für erhebliche Unruhe. Eine 38-seitige Analyse, die dem SPIEGEL vorliegt, rechnet schonungslos mit der Parteiführung ab. Sie beschreibt eine „Kultur der Abwertung“ und wirft der Spitze um Sahra Wagenknecht Intransparenz und mangelnde Demokratie vor.
Interne Kritik eskaliert
Laut dem Dokument, das als vertraulich eingestuft wurde, haben zahlreiche Mitglieder die Partei bereits verlassen oder erwägen dies. In den letzten Wochen häuften sich Wutmails und Austrittserklärungen. Die Analyse, verfasst von einer internen Arbeitsgruppe, zeichnet ein düsteres Bild: „Das BSW droht, sich zu einer intransparenten Kaderpartei zu entwickeln“, heißt es darin. Besonders kritisiert wird der Führungsstil von Wagenknecht, der eine offene Diskussion verhindere und Kritiker systematisch ausgrenze.
Vorwürfe gegen die Parteispitze
Die Autoren der Analyse werfen der Führung vor, wichtige Entscheidungen ohne Einbindung der Basis zu treffen. „Es herrscht eine Kultur der Abwertung, in der abweichende Meinungen nicht geduldet werden“, schreiben sie. Dies habe zu einer spürbaren Verunsicherung in den Landesverbänden geführt, insbesondere in Sachsen, Thüringen und Brandenburg, wo im Herbst gewählt wird. Einige Landesverbände berichten von einem Mitgliederschwund von bis zu 15 Prozent.
Wagenknecht reagiert zurückhaltend
Die Parteivorsitzende Sahra Wagenknecht selbst hat sich bislang nicht öffentlich zu dem Papier geäußert. Aus ihrem Umfeld heißt es, die Analyse sei „überzogen“ und spiegele nicht die Stimmung in der Partei wider. Allerdings mehren sich die Stimmen, die eine offene Debatte fordern. Einige Landeschefs haben bereits ein Sonderparteitag gefordert, um über die Zukunft der Partei zu beraten.
Auswirkungen auf die Landtagswahlen
Die Krise kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Das BSW hatte bei den letzten Umfragen in den ostdeutschen Bundesländern starke Zugewinne verzeichnet. Nun befürchten Strategen, dass die internen Querelen die Wähler vergraulen könnten. „Wir müssen schnellstmöglich geschlossen auftreten, sonst verspielen wir unsere Chancen“, warnt ein führender BSW-Politiker aus Thüringen. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Partei die Krise überwinden kann oder ob sie sich weiter zuspitzt.



