Linke sucht neue Führung: Fraktionsvize Pantisano bewirbt sich als Nachfolger für van Aken
Linke sucht neue Führung: Pantisano bewirbt sich als Nachfolger

Neue Führungsspitze bei der Linken: Pantisano bewirbt sich als Nachfolger für van Aken

Die Partei Die Linke steht vor einem personellen Wechsel an ihrer Spitze. Nachdem der bisherige Co-Vorsitzende Jan van Aken seinen Rückzug aus gesundheitlichen Gründen angekündigt hat, meldet sich mit Luigi Pantisano ein möglicher Nachfolger. Der Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende bewirbt sich offiziell um den Parteivorsitz. Die Wahl soll auf einem Parteitag in Potsdam vom 19. bis 21. Juni erfolgen.

Bewerbung von Luigi Pantisano und Unterstützung durch Schwerdtner

Der 46-jährige Pantisano tritt damit neben der 36-jährigen Co-Vorsitzenden Ines Schwerdtner an, die erneut für den Vorsitz kandidieren will. Beide Politiker zählen zur sogenannten Bewegungslinken und zogen nach dem fulminanten Comeback der Linken bei der Bundestagswahl 2025 ins Parlament ein. Schwerdtner begrüßte die Kandidatur ihres möglichen neuen Partners ausdrücklich und verwies auf seine langjährige Erfahrung in Partei, Bundestag und Kommunalpolitik.

Andere potenzielle Kandidaten haben bereits abgesagt: Bundestagsfraktionschefin Heidi Reichinnek erklärte im ZDF-„Morgenmagazin“, sie sei mit ihrer aktuellen Aufgabe ausgelastet und bleibe Fraktionsvorsitzende. Auch Co-Fraktionschef Sören Pellmann teilte auf dpa-Anfrage mit, er beabsichtige derzeit nicht, für den Parteivorsitz zu kandidieren.

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Wer ist der Bewerber Luigi Pantisano?

Luigi Pantisano ist Architekt und Stadtplaner und begann seine politische Laufbahn in der Kommunalpolitik in Stuttgart. Als Abgeordneter vertritt er die Region Stuttgart und Konstanz im Bundestag. In seiner Biografie betont er seine Herkunft aus einem Arbeiterhaushalt mit Migrationsgeschichte: Seine Eltern seien 1979 aus Italien nach Deutschland gekommen, um ihren vier Söhnen ein besseres Leben zu ermöglichen.

„Ich bin stolz darauf, als Kind aus einem Arbeiterhaushalt mit Migrationsgeschichte studiert zu haben“, schreibt Pantisano über sich selbst. Seine Eltern hätten in Fabriken gearbeitet und „die Bücher hergestellt, die sie selbst nie lesen durften“, wodurch sie ihm ein Studium ermöglicht hätten.

Politische Ziele und Visionen des Kandidaten

In seiner Bewerbungserklärung betonte Pantisano: „Ich gehe diesen Schritt in großer Demut“. Er wolle an die Arbeit von van Aken und Schwerdtner anknüpfen, die die Linke erneuert und stabilisiert hätten. Mehr als 70.000 Menschen seien unter ihrer Führung neu in die Partei eingetreten.

Zu seinen konkreten Zielen gehören:

  • Die Linke zur „organisierenden Klassenpartei“ zu machen
  • „Hoffnung gegen Rechts“ zu organisieren
  • Die Zahl der Parteimitglieder von gut 120.000 auf 200.000 zu erhöhen
  • Begrenzung von Mandatszeiten auf zwei Legislaturperioden
  • Deckelung seines Gehalts als Abgeordneter

Pantisano teilt dabei deutliche Kritik an „den Superreichen“ aus: „Sie handeln nach ihren eigenen Regeln, zetteln Kriege an, plündern den Sozialstaat.“

Die aktuelle Situation der Linken

Die Partei hat unter der Führung von van Aken und Schwerdtner eine deutliche Erholung erfahren. Nachdem die Linke 2024 mit Umfragewerten von nur noch zwei bis drei Prozent in einer tiefen Krise steckte, gelang dem Duo die Wende. Bei der Bundestagswahl 2025 zog die Partei mit 8,8 Prozent wieder ins Parlament ein und liegt aktuell in bundesweiten Umfragen bei zehn bis elf Prozent Zustimmung.

Auch wenn dieser Aufwärtstrend bemerkenswert ist, gab es bei den jüngsten Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Rückschläge, bei denen die Linke an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte.

Herausforderungen und offene Fragen

Für Pantisano bedeutet die Kandidatur auch, sich in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Er kündigte an, Kreisverbände und „Betriebe im ganzen Land“ zu besuchen. Eine besondere Herausforderung bleibt für die Linke das Thema Israel und Antisemitismus. Während van Aken hier für Ausgleich stand, ist unklar, welche Position Pantisano als Mitglied des migrantischen Netzwerks Linkskanax einnehmen wird.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob weitere Kandidaturen für den Parteivorsitz folgen und wie sich die Linke mit ihrer neuen potenziellen Führungsspitze aufstellt.

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