Linke sucht neue Führung: Fraktionsvize Luigi Pantisano bewirbt sich um Parteivorsitz
Linke sucht neue Führung: Pantisano bewirbt sich um Vorsitz

Neue Führungsspitze bei der Linken: Pantisano bewirbt sich um Vorsitz

Nach dem angekündigten Rückzug von Parteichef Jan van Aken aus gesundheitlichen Gründen stellt sich die Führungsspitze der Linken neu auf. Der Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano, bisher stellvertretender Fraktionsvorsitzender, hat seine Bewerbung für den Parteivorsitz eingereicht. Die Entscheidung über die Nachfolge fällt beim Parteitag in Potsdam vom 19. bis 21. Juni 2026.

Bewerbung mit Unterstützung der Co-Vorsitzenden

Die aktuelle Co-Vorsitzende Ines Schwerdtner, die erneut für den Vorsitz kandidieren will, begrüßte Pantisanos Bewerbung ausdrücklich. „Ich freue mich sehr, dass Luigi Pantisano sich bereit erklärt, für die Partei Verantwortung zu übernehmen“, erklärte Schwerdtner. Sie verwies auf seine langjährige Erfahrung in der Partei, im Bundestag und in der Kommunalpolitik.

Der 64-jährige van Aken hatte zuvor mitgeteilt, dass er sich aus gesundheitlichen Gründen nicht erneut zur Wahl stellen wird. Damit sind nun zwei vergleichsweise junge und unerfahrene Bundestagsabgeordnete im Rennen um die Parteispitze: der 46-jährige Pantisano und die 36-jährige Schwerdtner, die beide nach dem fulminanten Comeback der Linken bei der Bundestagswahl 2025 ins Parlament einzogen.

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Andere potenzielle Kandidaten verzichten

Während in den kommenden Wochen noch weitere Kandidaturen möglich sind, haben zwei prominente Linken-Politiker bereits abgesagt. Bundestagsfraktionschefin Heidi Reichinnek erklärte im ZDF-„Morgenmagazin“, sie sei mit ihrer aktuellen Position ausgelastet: „Wenn man Fraktions- und Parteivorsitz wirklich vernünftig ausführen will, dann kann man nicht beides machen, davon bin ich überzeugt.“

Auch Co-Fraktionschef Sören Pellmann sagte auf dpa-Anfrage: „Ich beabsichtige derzeit nicht, für den Parteivorsitz zu kandidieren. Ich erfülle meine Aufgabe als Co-Vorsitzender gemeinsam mit Heidi Reichinnek weiterhin.“

Wer ist Luigi Pantisano?

Luigi Pantisano ist stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag und vertritt als Abgeordneter die Region Stuttgart und Konstanz. Der Architekt und Stadtplaner begann seine politische Laufbahn in der Kommunalpolitik in Stuttgart. Seine Eltern kamen 1979 aus Italien nach Deutschland, um ihren vier Söhnen ein besseres Leben zu ermöglichen.

„Ich bin stolz darauf, als Kind aus einem Arbeiterhaushalt mit Migrationsgeschichte studiert zu haben“, schreibt Pantisano über sich selbst. Seine Eltern hätten in Fabriken gearbeitet und „die Bücher hergestellt, die sie selbst nie lesen durften“, um ihm ein Studium zu ermöglichen.

Politische Ziele und Visionen

In seiner Bewerbungserklärung betonte Pantisano: „Ich gehe diesen Schritt in großer Demut. Die Linke hat sich mit Jan und Ines erneuert und stabilisiert.“ Mehr als 70.000 Menschen seien neu in die Partei eingetreten. „Gemeinsam haben wir uns vorgenommen, die Linke zur organisierenden Klassenpartei zu machen.“

Zu seinen zentralen Anliegen gehören:

  • Die Rückgewinnung von Menschen, die von der Politik enttäuscht und wütend sind
  • Die Organisation von „Hoffnung gegen Rechts“ für frustrierte und erschöpfte Menschen
  • Kritik an „den Superreichen“, die nach eigenen Regeln handeln würden
  • Die Erhöhung der Parteimitgliederzahl von aktuell gut 120.000 auf 200.000
  • Die Begrenzung von Mandatszeiten auf zwei Legislaturperioden
  • Die Deckelung seines Gehalts als Abgeordneter

Herausforderungen für die Linke

Ursprünglich hatten van Aken und Schwerdtner als Doppelspitze im Oktober 2024 die Führung der damals in einer tiefen Krise steckenden Partei übernommen. Dem Duo gelang die Wende: Bei der Bundestagswahl 2025 zog die Linke mit 8,8 Prozent wieder ins Parlament ein und liegt aktuell in Umfragen bei zehn bis elf Prozent Zustimmung.

Dennoch bleiben Herausforderungen: Bei den jüngsten Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz scheiterte die Linke an der Fünf-Prozent-Hürde. Zudem stellt das Thema Israel und Antisemitismus eine heikle Frage für die Partei dar. Während van Aken hier für Ausgleich stand, bleibt Pantisanos Position als Mitglied des migrantischen Netzwerks Linkskanax noch zu klären.

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Pantisano kündigte in seiner Bewerbung an, Kreisverbände und „Betriebe im ganzen Land“ zu besuchen, um bekannter zu werden und die Basis zu stärken. Die kommenden Wochen bis zum Parteitag im Juni werden zeigen, ob weitere Kandidaturen folgen und wie sich die innerparteilichen Diskussionen entwickeln.