Machtpoker bei den Linken: Luigi Pantisano greift nach dem Parteivorsitz
Berlin/Stuttgart – Kurz vor dem Parteitag in Potsdam vom 19. bis 21. Juni kommt es zu einem politischen Paukenschlag: Der Bundestags-Fraktionsvize Luigi Pantisano (46) bewirbt sich um den Parteivorsitz der Linken. „Ich gehe diesen Schritt in großer Demut“, verkündete der Abgeordnete am Donnerstag auf seiner Homepage. Er strebt die Nachfolge von Noch-Co-Chef Jan van Aken (64) an, der überraschend aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr antritt.
Neue Führungsspitze im Gespräch
Es ist gut möglich, dass Pantisano künftig gemeinsam mit Ines Schwerdtner (36) an der Parteispitze stehen wird. Die aktuelle Co-Vorsitzende zeigt sich begeistert von seiner Kandidatur: Pantisano kenne die Partei „seit Jahren in- und auswendig und er weiß aber auch, wie man die Menschen erreicht“.
Der gebürtige Waiblinger aus dem Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg hat italienische Wurzeln und wäre der erste Linkenvorsitzende mit Migrationsgeschichte. Als Architekt und Stadtplaner begann er seine politische Laufbahn in der Kommunalpolitik Stuttgarts.
Kämpferische Ansagen und politische Ziele
Luigi Pantisano gibt sich kämpferisch und betont: „Die Linke war das Comeback des Jahres bei der Bundestagswahl.“ Jetzt wolle er daran anknüpfen und „das Leben der arbeitenden Menschen wieder bezahlbar“ machen – dabei will er klar gegen rechts Position beziehen.
Sein Blick auf die Partei ist deutlich: „Die Linke ist jünger, westlicher und feministischer, aber auch migrantischer geworden und ich finde, ich passe da gut rein als Kandidat“, sagte er in der ARD.
Wende nach schwierigen Jahren
Noch 2024 lag die Linke in Umfragen bei nur 2 bis 3 Prozent am Boden. Doch mit van Aken und Schwerdtner kam die Wende. 2025 erreichte die Partei dann ein starkes Ergebnis von 8,8 Prozent bei der Bundestagswahl. Pantisano lobt diese Entwicklung: „Die Linke hat sich mit Jan und Ines erneuert und stabilisiert.“ Über 70.000 neue Mitglieder seien in dieser Zeit eingetreten.
Sein konkreter Plan sieht vor, an diese Erfolge anzuknüpfen und „den nächsten Schritt“ zu gehen. Als Ziel nennt er, die Zahl der Parteimitglieder von heute etwa 120.000 auf 200.000 zu erhöhen. Er bekennt sich zudem zur Begrenzung von Mandatszeiten auf zwei Legislaturperioden und zur Deckelung seines Gehalts als Abgeordneter.
Persönlicher Hintergrund und politische Positionen
Pantisano inszeniert sich als Mann aus einfachen Verhältnissen. Seine Eltern kamen 1979 aus Italien nach Deutschland und arbeiteten in Fabriken. Heute sagt er stolz: „Ich bin stolz darauf, als Kind aus einem Arbeiterhaushalt mit Migrationsgeschichte studiert zu haben.“ Sein Bruder ist der Berliner SPD-Politiker und Queerbeauftragte Alfonso Pantisano (51).
In der Vergangenheit hat Pantisano die Klimaaktivistin Greta Thunberg (23) und ihre propalästinensischen Äußerungen verteidigt. Im vergangenen Jahr fiel er mit einer deutlichen Aussage beim Nachrichtendienst X auf, in der er den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu scharf kritisierte.
Der Machtpoker um den Parteivorsitz der Linken verspricht spannend zu werden, während Pantisano mit seinem Antritt eine neue Ära für die Partei einläuten möchte.



