USA vor demokratischem Kipppunkt? Expertin warnt vor Trumps zweiter Amtszeit
Die älteste Demokratie der Welt steht nach Einschätzung der deutsch-amerikanischen Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver Ashbrook an einem kritischen Wendepunkt. In einem aktuellen Interview analysiert sie die zunehmende Erosion demokratischer Institutionen unter US-Präsident Donald Trump und warnt vor den Folgen für Europa.
Midterms 2026 als letztes Zünglein an der Waage
Cathryn Clüver Ashbrook, die auf der Münchner Sicherheitskonferenz zu Gast war, betont: „Das wird sich im Laufe dieses Jahres zeigen.“ Nachdem Trump bereits Kontrollinstanzen des Kongresses beeinträchtigt, die Funktion des Obersten Gerichtshofs beschnitten und die freie Presse drastisch eingeschränkt habe, seien die Zwischenwahlen im November 2026 das letzte entscheidende Element. „Wir sehen, wie stark sein Interesse daran ist, diese Wahl nicht nach normalen Grundsätzen ablaufen zu lassen.“
Angriff auf demokratische Grundprinzipien
Die Expertin verweist auf konkrete Bedrohungen:
- Verfassungsbrüche: Trumps Forderung nach Nationalisierung der Wahlen widerspreche dem ersten Verfassungsartikel
- Frauenwahlrecht in Gefahr: Bestrebungen für ein Familienwahlrecht und bürokratische Hürden sollen Millionen Frauen praktisch ausschließen
- ICE-Einsätze als Einschüchterung: Bewaffnete Beamte vor Wahllokalen sollen Wähler abschrecken
„Es geht darum, Angst zu instrumentalisieren und Einschüchterung zum politischen Werkzeug zu machen“, analysiert Clüver Ashbrook.
MAGA-Bewegung und ihre Ziele
Die Politikwissenschaftlerin beschreibt die MAGA-Bewegung als Streben nach einem „vermeintlich christlichen, weißen, nationalkonservativen Amerika“. Während Trump selbst vor allem an der Bereicherung seiner Familie interessiert sei, ergänzten sich Bewegung und Führungsfigur systemisch. Die Heritage Foundation spiele dabei eine zentrale Rolle als strategischer Thinktank und Geldgeber.
Drohende Verfassungskrise
Besonders alarmierend sei das Szenario einer dritten Amtszeit Trumps, das ehemaliger Berater Steve Bannon propagiere. „Ich halte es für hundertprozentig wahrscheinlich, dass Steve Bannon das versucht“, so Clüver Ashbrook. Ein solcher Schritt wäre „der größte Verfassungsbruch, den man sich vorstellen kann“.
Folgen für Europa
Die Expertin warnt vor direkten Auswirkungen auf europäische Demokratien. Amerikanische Gelder, teilweise von der Heritage Foundation, flössen bereits nach Europa, um „den strategischen Aufbau populistisch-rechtskonservativer Parteien zu beschleunigen“. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz sei der Austausch zwischen US-Regierungsvertretern und der AfD mit Argwohn zu betrachten.
Widerstand zeigt Wirkung
Trotz der düsteren Prognosen sieht Clüver Ashbrook auch Hoffnungsschimmer. Die „No Kings“-Proteste, Demonstrationen gegen ICE-Einsätze und Umfragen, die den Republikanern schmerzhafte Niederlagen voraussagten, zeigten, dass „der Widerstand Wirkung zeigt“. Vor allem weil die Übergriffe der Regierung mittlerweile auch weiße Amerikaner beträfen.
Das Jahr 2026 werde zeigen, ob die amerikanische Demokratie ihre 250-jährige Geschichte fortschreiben oder in eine autoritäre Richtung kippen werde. Die Entscheidung falle bei den Midterms – falls diese überhaupt noch nach demokratischen Grundsätzen ablaufen dürfen.



