Belgische Marine kapert russischen Schattentanker in Nordsee
In einer nächtlichen Militäroperation haben belgische Streitkräfte mit Unterstützung Frankreichs einen Öltanker der sogenannten russischen Schattenflotte in der Nordsee gekapert. Verteidigungsminister Theo Francken bestätigte auf der Plattform X, dass das Schiff festgesetzt wurde und aktuell zum Hafen von Seebrügge eskortiert wird, wo es beschlagnahmt werden soll.
Operation Blue Intruder erfolgreich durchgeführt
Die als "Operation Blue Intruder" bezeichnete Aktion fand in den frühen Morgenstunden des 1. März 2026 statt. Francken veröffentlichte auf X ein Foto des gekaperten Tankers und erklärte: "Über die letzten Stunden hinweg haben unsere Streitkräfte mit Unterstützung der französischen Verteidigung einen Öltanker der russischen Schattenflotte geentert." Aus Frankreich gab es zunächst keine offizielle Bestätigung der Beteiligung.
Belgiens Premierminister Bart de Wever gratulierte dem Militär auf X zu "der erfolgreichen Operation in dieser Nacht" und dankte den französischen Partnern für ihre wertvolle Unterstützung. Er betonte: "Belgien wird das internationale Seerecht und die Sicherheit seiner Hoheitsgewässer wahren."
Gefahren durch die russische Schattenflotte
Die Schiffe der russischen Schattenflotte stellen nach Einschätzung von Experten und der EU eine erhebliche Gefahr für Schifffahrt und Umwelt dar. Dabei handelt es sich oft um heruntergekommene und unterversicherte Tanker, die unter Flaggen von Staaten wie Gambia, Panama oder den Komoren russisches Rohöl in Länder wie China oder Indien transportieren.
Die problematischen Praktiken umfassen:
- Gefälschte Registrierungen und Dokumente
- Schrottreife Schiffe mit mangelhafter Wartung
- Umgehung internationaler Sanktionen gegen Russland
- Verdacht auf Beschädigung unterseeischer Infrastruktur
- Mögliche Nutzung als Plattform für Drohnenangriffe
Frankreich schätzt die Größe dieser Flotte mittlerweile auf 1.000 bis 1.200 Schiffe, wovon 650 bis 700 mit Sanktionen belegt sind. Die EU warnt seit längerem vor den Risiken, die von diesen Schiffen in Nord- und Ostsee ausgehen.
Hintergrund der Sanktionsumgehung
Das System der Schattenflotte ermöglicht es Russland, trotz internationaler Sanktionen weiterhin Öl zu exportieren. Die Tanker transportieren russisches Rohöl in Drittländer, wo es aufbereitet und anschließend auf internationalen Märkten verkauft wird. Auf dem Papier stammt der Rohstoff dann nicht mehr aus Russland und unterliegt damit nicht den Sanktionsbestimmungen.
Ein besonders gravierender Vorfall ereignete sich am ersten Weihnachtsfeiertag 2024, als der unter der Flagge der Cookinseln fahrende Tanker "Eagle S" mehrere Unterseekabel zwischen Estland und Finnland mit seinem Anker beschädigte. Dieser Vorfall unterstreicht die potenzielle Gefahr für kritische Infrastruktur.
Die aktuelle Kaperung durch Belgien markiert einen entschlossenen Schritt zur Durchsetzung des internationalen Seerechts und zum Schutz der europäischen Gewässer vor den illegalen Praktiken der Schattenflotte.



