Bundeswehr: Rekordzahl minderjähriger Rekruten erreicht neuen Höchststand
Bundeswehr: Rekord an minderjährigen Rekruten erreicht

Bundeswehr verzeichnet Rekord an minderjährigen Rekruten

Bei der Bundeswehr waren im vergangenen Jahr so viele Soldatinnen und Soldaten bei Dienstantritt erst 17 Jahre alt wie noch nie zuvor. Insgesamt waren es 3.131 Rekrutinnen und Rekruten, was einen Anstieg von mehr als 1.000 Minderjährigen im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Anfrage der Linken hervor, die dem SPIEGEL vorliegt.

Anteil der Minderjährigen erreicht historischen Höchstwert

Der Anteil der Minderjährigen lag demnach 2025 bei 12,5 Prozent aller neu eingestellten Soldatinnen und Soldaten. Seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2011 war dieser Wert noch nie so hoch. Bereits in den Jahren 2023 und 2024 wurden jeweils neue Höchstwerte bei der Einstellung minderjähriger Rekrutinnen und Rekruten verzeichnet.

Bei den Minderjährigen handelt es sich ausschließlich um 17-Jährige, die zeitnah 18 Jahre alt werden. Die Praxis, Minderjährige in der Bundeswehr zu beschäftigen, ist jedoch umstritten. Deutschland ist Unterzeichner des Fakultativprotokolls der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, das für Mitglieder der Streitkräfte ein Mindestalter von 18 Jahren vorsieht.

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Bundesregierung sieht keinen Verstoß gegen internationale Abkommen

Die Bundesregierung argumentiert, dass in der Rekrutierung von 17-Jährigen kein Verstoß gegen das Fakultativprotokoll liege. Zur Begründung heißt es, Minderjährige würden nicht verpflichtend zum Wehrdienst gezogen und auch nicht unmittelbar in Feindseligkeiten eingesetzt.

Linke kritisiert Rekrutierungspraxis und hohe Abbrecherquote

Linkenfraktionschefin Heidi Reichinnek lehnt diese Antwort ab. "Trotz der klaren und regelmäßig erneuerten Kritik des Uno-Menschenrechtsausschusses an der Rekrutierungspraxis und der gezielten Bundeswehr-Werbung an Schulen setzt die Bundesregierung diese unverantwortliche Praxis fort", so Reichinnek. Die Entwicklung immer neuer Höchstwerte sei fatal.

Erschreckend sei in diesem Zusammenhang auch die Anzahl von Minderjährigen, die vorzeitig ihr Dienstverhältnis beenden. In einer zweiten Anfrage hatte Reichinneks Büro genau das abgefragt. Demnach haben 638 Minderjährige die Bundeswehr 2025 vorzeitig verlassen, darunter 100 Frauen und der Rest Männer.

Fallschirmjäger-Kaserne in Zweibrücken als Beispiel für Probleme

In einem Fall ist eine Betroffene der Fallschirmjäger-Kaserne in Zweibrücken involviert. Die Kaserne war im vergangenen Jahr wegen sexueller Gewalt, Drogenmissbrauch und Rechtsextremismus in die Schlagzeilen geraten. "Das zeigt deutlich, dass die Bundeswehr kein geeigneter Arbeitgeber für junge Menschen ist", so Reichinnek. Die Bundeswehr habe keine wirksamen Strukturen des Kinderschutzes.

"Die Bundeswehr hat kein Nachwuchs-Problem, sondern ein Problem dabei, junge Soldatinnen und Soldaten in ihren Reihen zu schützen", sagte Reichinnek mit Blick auf die Vorfälle in Zweibrücken. Die hohe Abbrecherquote unter minderjährigen Rekruten unterstreicht diese Kritik und wirft Fragen nach den Schutzmechanismen und der Betreuung junger Soldaten auf.

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