Bundeswehr verzeichnet Rekord bei minderjährigen Rekruten
Die Bundeswehr hat im vergangenen Jahr einen historischen Höchststand bei der Einstellung minderjähriger Soldaten erreicht. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Anfrage der Linken, über die der „Spiegel“ berichtete, waren 2025 insgesamt 3131 Rekruten bei ihrem Dienstantritt erst 17 Jahre alt. Dies entspricht einem Anteil von 12,5 Prozent aller neu eingestellten Soldaten – ein Rekordwert seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2011.
Steigende Tendenz seit Jahren
Der Anteil minderjähriger Rekruten bei der Bundeswehr zeigt seit Jahren eine kontinuierliche Steigerung. Bereits 2023 traten etwa 1996 Minderjährige ihren Dienst an, was damals rund 10,6 Prozent aller Neueinstellungen ausmachte. Im Jahr 2024 stieg die Zahl auf 2203 minderjährige Rekruten, was einem Anteil von etwa 10,9 Prozent entsprach. Mit den 3131 minderjährigen Soldaten im Jahr 2025 setzt die Bundeswehr nun deutlich nach und erreicht einen neuen Höchststand.
Viele Minderjährige verlassen die Truppe vorzeitig
Doch nicht alle minderjährigen Rekruten bleiben der Bundeswehr langfristig erhalten. Im vergangenen Jahr haben 638 Minderjährige die Truppe vorzeitig verlassen, darunter 100 Frauen. Unter den Austritten befindet sich auch eine minderjährige Soldatin aus der Fallschirmjäger-Kaserne in Zweibrücken in Rheinland-Pfalz. Diese Kaserne war im vergangenen Jahr wegen Vorfällen von sexueller Gewalt, Drogenmissbrauch und Rechtsextremismus in die Schlagzeilen geraten.
Kritik von Linken und Kinderrechtsorganisationen
Linkenfraktionschefin Heidi Reichinnek äußerte scharfe Kritik an der Praxis der Bundeswehr. „Das zeigt deutlich, dass die Bundeswehr kein geeigneter Arbeitgeber für junge Menschen ist“, sagte die 37-Jährige. „Die Bundeswehr hat kein Nachwuchsproblem, sondern ein Problem dabei, junge Soldatinnen und Soldaten in ihren Reihen zu schützen“, urteilte Reichinnek mit Blick auf die Vorfälle in der Fallschirmjäger-Kaserne in Zweibrücken.
Nicht nur von der Linken, sondern auch von Kinderrechtsorganisationen kommt massive Kritik. Sie sprechen von einer „Militarisierung von Jugendlichen“ und fordern, das Einstellungs-Mindestalter konsequent auf 18 Jahre anzuheben. Deutschland hat zwar das Fakultativprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention unterschrieben, das für Mitglieder der Streitkräfte eigentlich ein Mindestalter von 18 Jahren vorsieht, doch die Bundesregierung hält die aktuelle Praxis für zulässig.
Rechtliche Grundlagen und elterliche Zustimmung
Rechtlich ist der Dienst minderjähriger Rekruten bei der Bundeswehr erlaubt. 17-Jährige dürfen zur Truppe, wenn die Eltern ihre Zustimmung erteilen. Sie können dann entweder freiwilligen Wehrdienst leisten oder eine reguläre militärische Ausbildung beginnen. Die Bundesregierung argumentiert, dass Minderjährige nicht verpflichtend zum Wehrdienst gezogen werden und auch nicht unmittelbar in Feindseligkeiten eingesetzt werden.
Die Debatte um die Einstellung minderjähriger Soldaten wird angesichts der steigenden Zahlen und der kritischen Stimmen aus Politik und Gesellschaft weiter an Schärfe gewinnen. Die Bundeswehr steht vor der Herausforderung, ihren Nachwuchs zu rekrutieren, gleichzeitig aber auch den Schutz und die Rechte junger Menschen zu gewährleisten.



