Eskorten für Öltanker im Iran-Krieg: Komplex und höchst riskant
Wie bringt man einen Öltanker durch ein Nadelöhr auf See, wenn Angriffe aus der Luft, von der Küste und im Wasser drohen? Die angedachten militärischen Eskorten wären nur schwer umsetzbar und ihr Nutzen stark begrenzt. Für Öltanker ist die strategisch wichtige Straße von Hormus zur akuten Gefahrenzone geworden.
Trumps Forderung nach internationaler Sicherung
US-Präsident Donald Trump hat Länder, die auf Öltransporte über die Straße von Hormus angewiesen sind, zur Unterstützung bei einer Sicherung der Schifffahrt aufgerufen. Die Durchfahrt dort ist im Iran-Krieg für viele Schiffe wegen laufender Angriffe zum großen Risiko geworden. Trump hat die Entsendung von Kriegsschiffen etwa aus China, Japan oder Südkorea sowie Frankreich, Großbritannien und anderen Ländern ins Spiel gebracht. Auch in Deutschland gibt es intensive Diskussionen dazu. Der Verkehr durch den lebenswichtigen Seeweg hat unterdessen dramatisch abgenommen.
Wie könnte eine militärische Eskorte aussehen?
Eine Eskorte würde bedeuten, dass Öltanker oder auch andere Handelsschiffe in der Straße von Hormus Geleitschutz von Kriegsschiffen bekommen. Dafür kämen etwa Fregatten und Zerstörer infrage, die auf iranischen Beschuss mit Raketen und Drohnen reagieren und die anderen Schiffe damit schützen könnten. Auch der gleichzeitige Einsatz von Flugzeugen, Kampfhubschraubern und -drohnen wäre denkbar, um Angriffe abzuwehren und solch eine Fahrt zu überwachen. Vorrang hätten wohl Schiffe, die am Golf festsitzen und die Region verlassen wollen. Sie könnten gesammelt in Konvois durch die Gefahrenzone fahren.
Das Schifffahrts-Magazin „Lloyd's List“ schreibt unter Berufung auf Experten und Sicherheitsbehörden, dass wohl acht bis zehn Zerstörer notwendig wären, um einen Konvoi von fünf bis zehn Schiffen zu begleiten. Es gibt aber auch andere, noch höhere Schätzungen. In jedem Fall müssten sich erst genug Kriegsschiffe in der Region versammeln, um solch einen Einsatz zu starten. Die Reaktionen der möglichen Partner sind bisher jedoch zurückhaltend und es ist völlig unklar, wann und ob die militärischen Kapazitäten überhaupt ausreichen würden.
Enorme Herausforderungen und Gefahren
Die Straße von Hormus, durch die sonst etwa 20 Prozent des weltweit gelieferten Öls transportiert wird, ist an der engsten Stelle nur 25 bis 40 Kilometer breit. Entsprechend wenig Raum bliebe 200 bis 400 Meter langen Tankern wie auch Kriegsschiffen für Manöver. CNN berichtet unter Berufung auf Militärexperten von „toten Winkeln“ und nur sehr wenig Zeit, um auf Angriffe zu reagieren, weil die iranische Küste so nah ist. Das Gebiet „bevorzugt eindeutig den Angreifer“, erklärt der Schiffsmakler SSY dem Branchendienst Argus Media.
Der Iran könnte einen Konvoi etwa mit Drohnen und Raketen angreifen, aber auch mit Seedrohnen und -minen, die auch von kleinen Fischerbooten aus eingesetzt werden können. Vor Kriegsbeginn soll der Iran über 6.000 bis 8.000 Stück verfügt haben. Die Minen müssten vorab geräumt werden - eine aufwendige Aktion, die viel Zeit kostet und selbst gefährlich ist.
Es gibt auch komplizierte rechtliche Fragen. Laut SSY erlaubt das US-Gesetz eine Eskorte der US-Marine nämlich nur für Schiffe, die unter Flagge der USA fahren, die in Besitz der USA sind oder wenn US-Amerikaner Teil der Besatzung sind. Solche Schiffe gibt es in der Golfregion aber kaum, was die praktische Umsetzung zusätzlich erschwert.
Historische Erfahrungen mit Eskorten
Im Roten Meer begann die US-Marine Ende 2023 aus ähnlichen Gründen mit Verbündeten, Angriffe der Huthi-Miliz auf Handelsschiffe zu stoppen. Sie schossen dabei bis Anfang 2025 fast 400 Drohnen und Raketen der mit dem Iran verbündeten Miliz ab, wie ein US-Marinekommandeur dem Magazin „Stars and Stripes“ zufolge sagte. Der Schiffsverkehr, der durch Angriffe der Miliz zeitweise komplett zum Erliegen kam, erholte sich trotzdem nicht vollständig. Und der Iran ist ein noch deutlich stärkerer und besser ausgerüsteter Gegner als die Miliz im Jemen.
In der Straße von Hormus gab es solche Eskorten bereits 1987 im Ersten Golfkrieg - mit tragischen Vorfällen. Ein US-Kreuzer schoss ein iranisches Passagierflugzeug ab, das der Kommandeur für ein Kampfflugzeug hielt. Alle 290 Menschen an Bord kamen ums Leben. Eine US-Fregatte wurde zudem bei der Explosion einer Seemine schwer beschädigt. Diese historischen Ereignisse zeigen das immense Risiko solcher Einsätze.
Begrenzter Nutzen für den Öltransport
Sicher nicht. „Lloyd's List“ schreibt, dass im besten Fall nur etwa zehn Prozent der Tanker, die sonst durch die Straße von Hormus fahren, die Meerenge täglich durchfahren könnten. Es gibt deshalb auch erhebliche Zweifel, ob die hohen Kosten solch eines Einsatzes und die Gefahr für die beteiligten Marinesoldaten - etwa aus den USA, Europa oder Asien - im Verhältnis stünden zu den begrenzten Öllieferungen, die aus der Region wieder möglich würden. Irans Führung exportiert indes weiter Öl - mit China als wichtigstem Abnehmer.
Eine Eskorte sei keine nachhaltige Lösung, sagte der Generalsekretär der Weltschifffahrtsorganisation (IMO) Arsenio Dominguez der „Financial Times“. Das Risiko werde nur verringert, bestehe aber weiter. Ein militärischer Einsatz sei „keine langfristige oder nachhaltige Lösung.“ Und vollständig erholen dürften sich die Energiemärkte und -preise damit auch nicht.
Position der Bundesregierung
Die Deutsche Marine verfügt mit den Fregatten der Klasse 124 („Sachsen-Klasse“) zwar über Luftverteidigungsschiffe, die speziell für Geleitschutz und Seeraumkontrolle konzipiert wurden. Die Flugabwehrraketen können es nach Bundeswehrangaben mit Flugzeugen, ballistischen Raketen sowie Drohnen aufnehmen. Drei Schiffe wurden ab 2004 in Dienst gestellt.
Eine Entsendung wurde in den vergangenen Tagen aber wiederholt abgelehnt. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) verwies erst am Montag wieder auf die Aufgaben, die Deutschland im Rahmen der Nato bei der Abschreckung Russlands im Norden und Osten des Bündnisses übernommen hat. Er zweifelte auch öffentlich daran, dass noch mehr Kriegsschiffe für eine sichere Passage von Handelsschiffen und Tankern sorgen können. Pistorius sagte: „Es ist nicht unser Krieg, wir haben ihn nicht begonnen. Wir wollen diplomatische Lösungen und ein schnelles Ende, aber weitere Kriegsschiffe in der Region tragen dazu im Zweifel nicht bei.“



