Ex-Trump-General über Ukraine-Krieg: Putin „kann das nicht länger durchhalten“
General Keith Kellogg, bis Ende 2025 der Ukraine-Beauftragte von US-Präsident Donald Trump, sieht Russland militärisch nicht in der Lage, den Krieg gegen die Ukraine für sich zu entscheiden. In einem exklusiven Interview mit der polnischen Zeitung „Fakt“ analysierte der 81-jährige US-Generalleutnant die aktuelle Lage und zog deutliche Schlussfolgerungen.
Russland profitiert von Ölpreisen, aber nicht vom Schlachtfeld
„Russland profitiert zwar von steigenden Ölpreisen, insbesondere beim teurer werdenden Rohöl, und hat dadurch gewisse finanzielle Vorteile“, so Kellogg. „Doch militärisch sind sie zu schwach, um diesen Krieg zu gewinnen. Putin hat gewisse Vorteile, wird die Ukraine aber nicht besiegen.“
Der ehemalige Ukraine-Chefunterhändler des Weißen Hauses erklärte, der Friedensprozess stecke fest, weil Wladimir Putin von seiner eigenen Stärke überzeugt sei. „Man muss verstehen, dass Russland diesen Krieg nicht gewinnt. Sie haben den Dnipro nicht überschritten, Charkiw, Odessa oder Kyjiw nicht eingenommen und die Ukrainer auf dem Schlachtfeld nicht besiegt.“
Verluste im Vergleich zu Afghanistan: „Putin hat 1,2 bis 1,4 Millionen Soldaten verloren“
Kellogg zog einen historischen Vergleich: „Als die Sowjetunion in Afghanistan kämpfte, zog sie sich nach dem Verlust von 18.000 Soldaten zurück. Putin hat in der Ukraine zwischen 1,2 und 1,4 Millionen Soldaten verloren – getötet oder verwundet.“
Der General betonte, Russland stehe weiterhin vor einem anspruchsvollen und andauernden Krieg. „Putin kann das nicht mehr lange durchhalten, ist aber fälschlicherweise davon überzeugt, die Oberhand zu haben. Er glaubt, er könne den Rest des Donbass einnehmen. Meine Haltung wäre: ‚Gut, dann soll er dafür kämpfen.‘ Das würde ihn weitere 250.000 bis 500.000 Soldaten kosten.“
Putins Überlebensangst und die Zukunft der Nato
Kellogg vermutet, dass Putin sich um sein eigenes Überleben sorge und darum, nicht als der „letzte Zar“ in die Geschichte einzugehen. Nach Ansicht des früheren Trump-Beraters muss Europa die Ukraine weiterhin mit militärischer Ausrüstung unterstützen und sicherstellen, dass sie weiter kämpfen kann.
„Dann wird Russland hoffentlich sagen: ‚So können wir nicht weitermachen.‘ Derzeit hängt alles von Putin ab. Die Ukrainer sind bereit für eine Waffenruhe entlang der aktuellen Frontlinien, aber Putin ist es nicht. Das ist sein Problem“, sagte der General.
Zur Unterstützung der Ukraine fordert er von Europa und den USA mehr Druck auf Moskau. Die Zukunft der Nato stellt er jedoch grundsätzlich infrage: „Die Nato, wie wir sie heute kennen, ist tot.“ Möglicherweise brauche es eine neue Verteidigungsstruktur und ein neues Sicherheitssystem.
„Beginnend mit Polen, der Ukraine, Deutschland und vielleicht einigen anderen Ländern, mit denen wir bereits zuvor Allianzen hatten, während andere außen vor bleiben“, gab Kellogg gegenüber „Fakt“ zu bedenken. Das Interview führte Journalist Piotr Drabik in Warschau.



