Militärexperten bei Markus Lanz: Europa zahlt hohen Preis bei ukrainischem Zusammenbruch
Experten warnen: Europa zahlt Preis bei Ukraine-Zusammenbruch

Militärexperten bei Markus Lanz: Europa zahlt hohen Preis bei ukrainischem Zusammenbruch

Moderator Markus Lanz diskutierte mit seinen Gästen über die Verteidigungsfähigkeit der NATO und mögliche Angriffsszenarien Russlands im Baltikum. Die erschreckende Erkenntnis: Sollte Putin Panzer gegen die NATO schicken, würden die ersten Schüsse in Litauen fallen und deutsche Soldaten wären unter den ersten Opfern.

Planspiel zeigt gefährliche Schwachstellen

Der österreichische Militäranalyst Franz-Stefan Gady berichtete über ein Wargame mit Experten und Politikern, das ein russisches Angriffsszenario auf die NATO simulierte. "Ich war der Militärchef der russischen Seite", erklärte Gady. "Meine Grundprinzipien waren: Was immer wir militärisch tun, wir müssen es schnell tun, innerhalb der ersten 48 bis 72 Stunden, und sofort Fakten am Boden schaffen."

Gady erläuterte die politische Ausgangslage: "Die russische Außen- und Sicherheitspolitik zielt seit Jahrhunderten auf ein schwaches Mitteleuropa ab. In diesem Planspiel wollte die russische Seite die Zerschlagung der NATO und die Schwächung der EU demonstrieren." Das Planspiel wurde von der Zeitung WELT mit Unterstützung der Bundeswehr-Universität Hamburg durchgeführt.

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Die gefährliche Suwałki-Lücke

Die gefährlichste Schwachstelle der NATO im Baltikum ist laut Gady die sogenannte Suwałki-Lücke - ein 65 Kilometer breiter Korridor zwischen Weißrussland und der russischen Exklave Kaliningrad. "Mein Plan war, Truppen durch die Suwałki-Lücke zu schicken", so der Experte. "Aber ich kann diese 65 Kilometer auch mit anderen militärischen Wirkmitteln abschneiden, mit Mehrfachraketenwerfern, Luftverteidigungssystemen oder Distanzminen. Das ist das fundamentale Problem der NATO, denn dort würde der Hauptnachschub von den anderen Ländern ins Baltikum durchgehen."

Forderung nach Unabhängigkeit von den USA

Gady stellte die entscheidende Frage: "Wie geht die deutsche politische Führung damit um, wenn sie weiß, dass die Amerikaner nicht in den ersten Tagen die Bundeswehr unterstützen? Sobald Kaliningrad und Belarus involviert sind, werden wir sofort in eine nukleare Krise abdriften." Der Militäranalyst forderte einen Mentalitätswechsel: "Wir müssen in diesen Krisen auch von den Amerikanern unabhängiger werden."

Diplomat plädiert für massive Reservekräfte

Diplomat Christoph Heusgen, früherer Merkel-Berater und ehemaliger Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, betonte die Bedeutung der Ukraine-Verbindung: "Die Ukraine verteidigt unsere Freiheit. Die Finnen haben ein stehendes Heer und können innerhalb kürzester Zeit auch eine Million Reservisten einsetzen. Wir hatten bis 1989 bis zu 500.000 deutsche Truppen. Es ist notwendig, dass wir in diese Mentalität wieder reinkommen."

Ex-US-General warnt vor sicherheitspolitischem Blindflug

Ex-US-General Ben Hodges, einst Chef der US-Landstreitkräfte in Europa, warnte eindringlich: "Russland ist schon im Krieg mit Europa. Sabotage, Drohnen, Misstrauen säen. Die beste Möglichkeit, einen solchen Konflikt von vorneherein auszuschließen, ist, der Ukraine zu helfen, Russland in der Ukraine zu besiegen."

Hodges kritisierte die Entwicklung nach dem Kalten Krieg: "Wir haben uns alle völlig entwaffnet. Wir waren so naiv! Tschetschenien, Georgien, Syrien - wir haben das alles gesehen und doch geschehen lassen. Wir haben nicht verstanden, dass Russland immer noch eine Bedrohung darstellte."

Die eindringliche Warnung des Amerikaners: "Europa wird den Preis zahlen, wenn die Ukraine zerbricht. Millionen Flüchtlinge. Die Russen werden Tausende ukrainische Soldaten gegen Europa einsetzen. Hoffentlich sind wir bald aufgewacht. Es ist Zeit zu handeln!"

Hodges wies auch auf strukturelle Probleme der Bundeswehr hin: "Bei uns sind 20 Prozent der US Army Frauen. Die Bundeswehr ist da nicht gut. Sie zieht keine Frauen an. Und in den USA ist es eine schnelle Möglichkeit, als Immigrant Staatsbürger zu werden, in die Armee einzutreten. Das könnte auch Ihr Personalproblem in der Bundeswehr verbessern, wenn Sie an Migranten und an Frauen denken."

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Die Diskussion bei Markus Lanz machte deutlich, dass die europäische Sicherheitsarchitektur vor enormen Herausforderungen steht und dringender Handlungsbedarf besteht, um die Verteidigungsfähigkeit angesichts der russischen Bedrohung zu stärken.