Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg warnt vor strategischen Differenzen zwischen Israel und den USA
Der ehemalige deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat in einer aktuellen Analyse auf dem Berufsnetzwerk LinkedIn vor erheblichen strategischen Differenzen zwischen Israel und den USA im laufenden Iran-Konflikt gewarnt. Der 54-jährige CSU-Politiker, der von 2009 bis 2011 das Verteidigungsressort führte, sieht trotz der gemeinsamen Militäroperation gegen das Mullah-Regime in Teheran grundlegende Unterschiede in den politischen Zielsetzungen der beiden Verbündeten.
Unterschiedliche Ansätze zum Regime-Change im Iran
Zu Guttenberg macht in seiner Einschätzung deutlich, dass die israelische Regierung nach seiner Beobachtung auf die vollständige Zerstörung der revolutionären Machtinstrumente im Iran abziele. Dies umfasse insbesondere die Revolutionsgarden und die umfangreichen Proxy-Netzwerke des Teheraner Regimes. Diese radikale Herangehensweise stehe im deutlichen Kontrast zum funktionaleren US-Ansatz, der eher an frühere Regime-Change-Operationen wie in Venezuela erinnere.
„In Washington folgt man hingegen einem eher funktionalen Verständnis von Regime-Change“, schreibt der Ex-Minister. „Demnach sollen mit dem Angriff die Bedingungen für ein – auch abgestuftes – Ersetzen des Regimes geschaffen werden.“ Diese unterschiedlichen strategischen Ausrichtungen könnten nach der ersten großen militärischen Welle erhebliches Konfliktpotenzial zwischen den Partnern entfalten.
Die erste militärische Welle und ihre Ziele
Laut zu Guttenbergs Analyse zielt die aktuelle gemeinsame Militäroperation von Israel und den USA auf einen möglichst kurzen und überwältigenden Schlag ab. Dieser umfasst:
- Massive Luft- und Cyberoperationen gegen iranische Ziele
- Gezielte Angriffe gegen Führungspersönlichkeiten des Regimes
- Attacken auf Nuklearanlagen, Raketenstellungen sowie See- und Luftstreitkräfte
- Kombination mit politischem und wirtschaftlichem Druck
Besonders bemerkenswert ist nach Ansicht des ehemaligen Verteidigungsministers die bewusste Aufforderung an die iranische Bevölkerung, das Regime zu stürzen. Diese politische Komponente versteht er als potenzielle innere Variable der militärischen Welle, die den Erfolg der gesamten Operation maßgeblich beeinflussen könnte.
Unsicherer Ausgang des Konflikts
Die weitere Entwicklung im Iran bleibt nach wie vor vollkommen offen. Seit einer Woche bekämpfen Israel und die USA gemeinsam das Mullah-Regime in Teheran, während gleichzeitig in der gesamten Golfregion ein umfassender Krieg tobt. Bereits am ersten Tag der Operation konnten die Verbündeten den langjährigen Diktator Ali Chamenei töten, doch die strategischen Differenzen zwischen Washington und Jerusalem könnten den weiteren Verlauf des Konflikts entscheidend prägen.
Zu Guttenbergs Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, da sich die militärische Lage in der Region weiter zuspitzt. Die unterschiedlichen Vorstellungen darüber, wie ein Regime-Change im Iran aussehen sollte, bergen nach seiner Einschätzung erhebliches Friktionspotenzial zwischen den beiden wichtigsten westlichen Akteuren in diesem Konflikt.



