AfD-Spitzenkandidat Siegmund bezeichnet Parteikollegen als mutmaßlichen V-Mann
AfD: Siegmund nennt Kollegen mutmaßlichen V-Mann

AfD-interner Streit über Vetternwirtschaft eskaliert massiv

In der AfD Sachsen-Anhalt tobt ein offener und zunehmend schmutziger Machtkampf, der sich um Vorwürfe der Vetternwirtschaft und nun auch um schwere persönliche Anschuldigungen dreht. Der Spitzenkandidat des Landesverbands, Ulrich Siegmund, hat den umstrittenen Parteikollegen Jan Wenzel Schmidt öffentlich als »mutmaßlichen V-Mann« bezeichnet. Diese Äußerung, die Siegmund in einem Interview mit der »Jungen Freiheit« getätigt haben soll, hat die bereits angespannte Lage innerhalb der Partei weiter verschärft und droht, den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt nachhaltig zu belasten.

Schmidt kündigt rechtliche Schritte an und weist Vorwürfe entschieden zurück

Jan Wenzel Schmidt reagierte umgehend und deutlich auf die schwerwiegenden Anschuldigungen. Gegenüber dem SPIEGEL erklärte er: »Herr Siegmund verbreitet bewusst die Unwahrheit. Ich war und bin nie für den Verfassungsschutz oder eine ähnliche Institution tätig gewesen.« Er betonte, weder Informationen kommuniziert noch Gelder erhalten zu haben, und kündigte an, rechtliche Schritte gegen Siegmund einzuleiten. Diese Drohung unterstreicht die Tiefe des Konflikts, der längst über interne Diskussionen hinausgewachsen ist.

Siegmund spricht von »orchestrierter Kampagne« und weicht Verantwortung aus

Ulrich Siegmund selbst versucht, sich aus der Verantwortung für seine Aussagen zu ziehen. Laut der Vorabmeldung des Interviews gab er an, dass »viele Mitglieder den Verdacht« hegten, Schmidt könnte von Geheimdiensten gesteuert sein. Er persönlich könne dazu »natürlich nichts sagen«, verwendete aber dennoch den Begriff des mutmaßlichen V-Manns. Gleichzeitig wies er die gegen ihn selbst gerichteten Vetternwirtschaftsvorwürfe als eine »orchestrierte Kampagne« zurück, die jeder Verhältnismäßigkeit entbehre.

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Vetternwirtschaftsvorwürfe erschüttern den Landesverband nachhaltig

Der Hintergrund dieser öffentlichen Schlammschlacht sind anhaltende Enthüllungen über familiäre Beschäftigungsverhältnisse innerhalb der AfD Sachsen-Anhalt. Schmidt hatte bereits Ende 2025 angekündigt, Belege dafür vorzulegen, dass AfD-Landtagsabgeordnete Ehefrauen, Kinder oder Geschwister von Mitgliedern des Landesvorstands beschäftigten. Zudem behauptet er, Parlamentarier hätten Dienstreisen gegenüber dem Landtag falsch abgerechnet. Der Landesvorstand hat mittlerweile ein Parteiausschlussverfahren gegen den Ex-Generalsekretär Schmidt eingeleitet.

Ulrich Siegmund steht selbst im Zentrum der Vetternwirtschaftsvorwürfe. Medienberichten zufolge soll sein Vater mehr als 7500 Euro monatlich als Mitarbeiter im Bundestagsbüro eines weiteren AfD-Parteikollegen erhalten haben. Siegmund relativierte diese Summe im Interview und bezeichnete sie als »veraltete Zahl«. Sein Vater, ein Diplom-Ingenieur, verdiene nun regulär unter 5500 Euro, was angemessen sei. »Ich kann meinem Vater nicht vorschreiben, wo er sich bewirbt, und den Abgeordneten nicht, wen sie anstellen«, so seine Verteidigung.

Strukturelle Probleme und ein unterschätztes Ausmaß

Siegmund räumte ein, die Brisanz der Vorwürfe »höchstwahrscheinlich unterschätzt« zu haben. Er erklärte die Häufung von eingestellten Familienmitgliedern mit der Aufbauphase der Partei, in der wenige Mitglieder eng zusammengearbeitet hätten. Da der Landesverband nun über 3000 Mitglieder verfüge, würden sich solche Konstellationen mit der Zeit von selbst auflösen. Diese Darstellung wird jedoch durch die aktuellen Enthüllungen und den eskalierenden internen Streit stark in Frage gestellt.

Die zahlreichen Vorwürfe, die durch gesammelte Belege von Parteimitgliedern untermauert werden, erschüttern die AfD in Sachsen-Anhalt in einer kritischen Phase. Der offene Konflikt zwischen Spitzenkandidat Siegmund und Ex-Generalsekretär Schmidt, angereichert mit gegenseitigen schweren Beschuldigungen, droht nicht nur den Wahlkampf, sondern auch den inneren Zusammenhalt der Partei nachhaltig zu beschädigen. Die Entwicklung zeigt, wie tief die Gräben innerhalb des Landesverbands mittlerweile sind.

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