Doppelrolle von Schwesigs Sprecherin Blaudszun löst Debatte über Interessenkonflikte aus
Debatte um Doppelrolle von Schwesigs Sprecherin Blaudszun

Personaldiskussion überschattet Wahlkampfstart von Manuela Schwesig

Für die SPD-Landeschefin und Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, beginnt das Wahljahr mit anhaltender politischer Unruhe. Im Zentrum der kontroversen Debatte steht ihre neu ernannte Sprecherin, die 24-jährige Lilly Blaudszun, die eigentlich die Kommunikation im anstehenden Wahlkampf steuern soll. Noch vor dem offiziellen Start ihrer Tätigkeit sorgt jedoch ihre berufliche Doppelrolle für erhebliche Kritik und wirft Fragen nach möglichen Interessenkonflikten auf.

Agenturtätigkeit und Staatsaufträge als Kern der Kontroverse

Lilly Blaudszun ist neben ihrer Position als Sprecherin für die SPD in Mecklenburg-Vorpommern auch für die Kommunikationsagentur 365 Sherpas aktiv. Diese Agentur hatte in der Vergangenheit Aufträge von der Staatskanzlei des Landes erhalten. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa, die sich auf einen Regierungssprecher beruft, flossen zwischen den Jahren 2022 und 2025 etwa 60.000 Euro an das Unternehmen. Der Auftrag umfasste die Unterstützung der Staatskanzlei bei der Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenhang mit dem Untersuchungsausschuss des Landtags zur Klimaschutzstiftung MV und zur umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2.

Ein weiterer Auftrag für den Relaunch des Online-Regierungsportals soll jedoch nicht direkt an 365 Sherpas, sondern an die Schwestergesellschaft Ressourcenmangel Integral GmbH vergeben worden sein. Beide Firmen gehören zur Hirschen Group. Der Regierungssprecher betonte, dass die Konzernzugehörigkeit für die Vergabe unerheblich gewesen sei. Der Auftrag sei europaweit ausgeschrieben worden, und das Angebot von Ressourcenmangel habe sich als das wirtschaftlichste erwiesen.

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Steuerzahlerbund und Opposition üben scharfe Kritik

Der Bund der Steuerzahler sieht dennoch erheblichen Klärungsbedarf. Der Landeschef der Organisation, Sascha Mummenhoff, kritisierte öffentlich, dass Blaudszun parallel für eine Unternehmensberatung arbeite, die von der Staatskanzlei mit lukrativen Aufträgen versorgt worden sei. Diese Konstellation bewege sich seiner Ansicht nach mindestens in einer Grauzone und werfe Fragen nach Transparenz und Unabhängigkeit auf.

Die Opposition im Landtag fordert politische Konsequenzen. Der AfD-Fraktionsvorsitzende Nikolaus Kramer verlangte von Ministerpräsidentin Schwesig, Blaudszun aus dem Spiel zu nehmen, um jeden Anschein von Befangenheit zu vermeiden. Diese Forderung unterstreicht die politische Sensibilität der Angelegenheit in einem Wahljahr.

Regierung weist Vorwürfe als haltlos zurück

Regierungssprecher Andreas Timm wies die Vorwürfe entschieden zurück und bezeichnete sie als an den Haaren herbeigezogen. Er betonte, dass der Beratungsauftrag an 365 Sherpas klar definiert gewesen sei und zudem vergeben wurde, bevor Blaudszun ihre Tätigkeit für die Agentur aufnahm. Da kann es also keinen Zusammenhang geben, so Timm in seiner Stellungnahme.

Zudem verwies der Sprecher darauf, dass die Personalentscheidung für Blaudszun vom SPD-Landesverband und nicht von der Staatskanzlei getroffen worden sei. Dadurch seien die Regierungskommunikation und die Parteikommunikation organisatorisch strikt getrennt. Diese Unterscheidung soll mögliche Interessenkonflikte von vornherein ausschließen.

Die Debatte zeigt jedoch, wie sensibel die Öffentlichkeit auf vermeintliche Verflechtungen zwischen politischen Ämtern und wirtschaftlichen Interessen reagiert. Für Manuela Schwesig bedeutet dies eine zusätzliche Herausforderung in einer ohnehin bereits politisch angespannten Phase des Wahlkampfstarts.

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