Bulgariens Ex-Präsident Radew führt deutlich bei vorgezogener Parlamentswahl
Ex-Präsident Radew führt deutlich bei bulgarischer Wahl

Bulgarien wählt zum achten Mal in fünf Jahren: Radew-Bündnis führt deutlich

Bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Bulgarien deutet sich nach ersten Prognosen ein klarer Sieg für das Wahlbündnis des ehemaligen Präsidenten Rumen Radew an. Wie aus Wählerbefragungen nach der Stimmabgabe von drei unabhängigen Meinungsforschungsinstituten hervorgeht, könnte das Bündnis Progressives Bulgarien (PB) des als russlandfreundlich geltenden Ex-Generals auf bis zu 39 Prozent der Stimmen kommen.

Großer Abstand zu den Konkurrenten

Mit deutlichem Abstand folgt den Umfragen zufolge das prowestliche konservative Bündnis Gerb-SDS mit höchstens 16,2 Prozent der Stimmen. Dieses Bündnis hatte bis Dezember 2025 eine Koalitionsregierung angeführt, die nach Massenprotesten zurücktreten musste. Drittstärkste Kraft dürfte der proeuropäische liberalkonservative Verband PP-DB mit maximal 14,3 Prozent werden, der maßgeblich zu den Demonstrationen gegen die damalige Regierung aufgerufen hatte.

Langjährige politische Krise im ärmsten EU-Land

Bulgarien gilt als ärmstes Land der Europäischen Union und steckt seit 2021 in einer tiefen politischen Krise. Die Wahl am 19. April 2026 war bereits das achte Mal innerhalb von fünf Jahren, dass die rund 6,5 Millionen Wahlberechtigten ein neues Parlament bestimmen mussten. Seitdem der langjährige Regierungschef Bojko Borissow 2021 durch Anti-Korruptions-Proteste gestürzt wurde, hat keine Regierung länger als ein Jahr gehalten.

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Die bis Dezember amtierende Regierung unter GERB-Führung trat nach erneuten Demonstrationen gegen die weitverbreitete Korruption im Land zurück. Daraufhin legte Rumen Radew im Januar 2026 nach neun Jahren sein Präsidentenamt nieder, um für das Amt des Ministerpräsidenten zu kandidieren. Der frühere Kampfjet-Pilot führte im Wahlkampf ein Mitte-links-Bündnis an, das sich für die Bekämpfung der Korruption und die Beendigung der Abfolge schwacher, kurzlebiger Regierungen einsetzte.

Unklare Mehrheitsverhältnisse und Vierprozenthürde

Unklar bleibt nach wie vor, ob der Vorsprung des Radew-Bündnisses für eine absolute Mehrheit im 240 Sitze umfassenden Parlament ausreicht oder ob Koalitionsverhandlungen notwendig werden. Dies hängt maßgeblich davon ab, wie viele Parteien die Vierprozenthürde für den Einzug ins Parlament überwinden können. Derzeit amtiert eine Interimsregierung, die die Geschäfte bis zur Bildung einer neuen Regierung führt.

Die politische Instabilität hat Bulgarien in den letzten Jahren erheblich geschwächt und viele Bürger veranlasst, das Land zu verlassen. Die Wahlbeteiligung und das endgültige amtliche Ergebnis werden in den kommenden Tagen erwartet.

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