Merkel schließt Bundespräsidentschaft aus: "Abwegige" Spekulationen
Altbundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Spekulationen über eine mögliche Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten im Jahr 2027 entschieden zurückgewiesen. Eine Sprecherin aus ihrem Büro antwortete dem Tagesspiegel mit den klaren Worten: "Das ist abwegig." Diese deutliche Absage erfolgte nach Berichten der Bild-Zeitung, wonach in der CDU-Spitze die Sorge bestehe, dass die Grünen der Union Merkel als Bundespräsidentin vorschlagen könnten.
Gerüchte um mögliche Kandidatur heizen Debatte an
Die Spekulationen wurden möglicherweise durch den angekündigten Besuch Merkels beim CDU-Bundesparteitag in der kommenden Woche angeheizt. Laut Bild kursiere in CDU-Kreisen ein brisantes Gerücht, dass im Umfeld von CDU-Chef Friedrich Merz die Befürchtung bestehe, die Grünen, etwa Baden-Württembergs Spitzenkandidat Cem Özdemir, könnten die 71-jährige Merkel für das höchste Staatsamt ins Spiel bringen. Bisher hat noch kein Bundeskanzler nach seiner Amtszeit das Amt des Bundespräsidenten übernommen, was die Diskussion zusätzlich befeuert.
Bundesversammlung entscheidet 2027 über Steinmeiers Nachfolge
Die Bundesversammlung wird Anfang 2027 über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier entscheiden, dessen zweite Amtszeit im März 2027 endet. Steinmeier darf nicht erneut kandidieren. Die Union wird voraussichtlich die größte Fraktion in der Bundesversammlung stellen und beansprucht daher das Vorschlagsrecht. Es ist schwer vorstellbar, dass der Koalitionspartner SPD mit einem konkurrierenden Vorschlag antritt, da dies das schwarz-rote Bündnis erschweren oder sogar in eine Krise stürzen könnte.
Ruf nach erstem weiblichem Staatsoberhaupt und mögliche Kandidatinnen
Immer wieder wird der Ruf nach einem ersten weiblichen Staatsoberhaupt in Deutschland laut. Als mögliche Kandidatinnen für das Amt gelten Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) und die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU). Klöckner genießt in der SPD jedoch wenig Sympathien, während Prien und vor allem Aigner bei den Sozialdemokraten mit Zuspruch rechnen können. Bisher gibt es in der SPD wenig Anstrengungen, einen eigenen Kandidaten oder eine Kandidatin durchzusetzen.
Merkels Popularität und Leben nach dem Amt
Angela Merkel genießt nach wie vor hohe Sympathien in der Bevölkerung, insbesondere im linksliberalen Milieu, das mit Friedrich Merz wenig anfangen kann und auch mit Olaf Scholz (SPD) als Kanzler unzufrieden ist. Bei der Vorstellung ihrer Memoiren "Freiheit" strömten Tausende Menschen zu ihren Auftritten und feierten sie teilweise mit stehenden Ovationen. Merkel hat in jüngsten öffentlichen Auftritten betont, wie sehr sie das Leben "nach dem Amt" schätzt. Beim Neujahrskonzert der Komischen Oper mischte sie sich unauffällig unter die Zuhörer, ohne dass Gäste Selfie- oder Autogrammwünsche äußerten.
Als Bundespräsidentin wäre Merkel wieder in ein Terminkorsett gezwungen, auch wenn dieses weit weniger fordernd wäre als ihre frühere Rolle als Kanzlerin von 2005 bis 2021. Ihr Verhältnis zum aktuellen Kanzler gilt als belastet bis zerrüttet, was die politischen Dynamiken zusätzlich kompliziert. Die endgültige Klärung von Steinmeiers Nachfolge steht noch aus, aber Merkels klare Absage dürfte die Debatte vorerst beruhigen.



