München sucht neuen Stadtoberhaupt: 14 Bewerber für OB-Amt nominiert
Am 8. März 2026 steht München vor einer wichtigen demokratischen Entscheidung: Die Wahl eines neuen Oberbürgermeisters. Parallel zur bayernweiten Kommunalwahl, bei der auch über die Zusammensetzung des Stadtrats und der Bezirksausschüsse entschieden wird, treten insgesamt 14 Kandidaten an – 13 Männer und eine Frau. Die bayerische Landeshauptstadt erlebt damit eines der vielfältigsten und spannendsten Rennen um das höchste kommunale Amt der letzten Jahrzehnte.
Die etablierten Kräfte: Amtsinhaber und etablierte Parteien
Dieter Reiter (SPD), seit 2014 im Amt, stellt sich zum dritten Mal zur Wahl. Der 67-jährige Verwaltungsexperte, der seit über 40 Jahren für die Stadt München arbeitet, musste sich bei seinen beiden vorherigen Wahlen jeweils in Stichwahlen gegen CSU-Kontrahenten durchsetzen. Seine langjährige Erfahrung und Kontinuität sind zentrale Wahlargumente.
Dominik Krause (Grüne), mit 35 Jahren der jüngste Kandidat der großen Parteien, bringt frischen Wind ins Rennen. Der seit 2014 im Stadtrat vertretene Physiker und Zweite Bürgermeister wurde von seiner Partei mit 99,3 Prozent Zustimmung nominiert. Seine offene Homosexualität und provokante Aussagen zum Oktoberfest machten ihn überregional bekannt.
Clemens Baumgärtner (CSU), 49-jähriger Wirtschaftsanwalt und seit 2019 Wirtschaftsreferent, punktet mit wirtschaftspolitischen Erfolgen. Ihm gelang die Ansiedlung der IAA Mobility in München sowie die Gewinnung internationaler Unternehmen wie Apple. Als „Wiesn-Chef“ kennt er die Münchner Traditionen.
Opposition und kleinere Parteien: Vielfältige Alternativen
Stefan Jagel (Die Linke), Krankenpfleger und seit 2020 Fraktionsvorsitzender, setzt sich für bezahlbares Wohnen und Arbeitnehmerrechte ein. Als einziger Stadtrat mit Hauptschulabschluss bringt er eine besondere Perspektive ein.
Markus Walbrunn (AfD), seit 2020 im Stadtrat und seit 2023 im Bayerischen Landtag, konzentriert sich auf Bildung und Migration. Der Politikwissenschaftler wird den Stadtrat nach der Wahl verlassen, unabhängig vom Ausgang.
Michael Piazolo (Freie Wähler), ehemaliger Kultusminister und Landtagsabgeordneter, bringt überregionale Erfahrung mit. Der 66-jährige Jurist setzt auf Nachhaltigkeit und Innovation und lehnt die dritte Startbahn am Flughafen ab.
Weitere Bewerber mit spezifischen Profilen
Jörg Hoffmann (FDP), Professor und Fraktionsvorsitzender, kandidiert zum zweiten Mal. Seine Schwerpunkte liegen auf Stadtplanung, Bürokratieabbau und sozialer Marktwirtschaft.
Tobias Ruff (ÖDP), Forstwirt und Fraktionschef, will die Energiepolitik korrigieren und eine Verkehrswende einleiten. Er setzt sich für Umweltschutz und gegen Olympische Spiele in München ein.
Felix Sproll (Volt), 32-jähriger Finanzberater, fokussiert auf Europapolitik, Digitalisierung und Bürgerbeteiligung. Der junge Kandidat bringt internationale Perspektiven ein.
Richard Progl (Bayernpartei), Geschäftsführer und Lokalpatriot, will den Münchner Charme bewahren. Er setzt sich gegen unkontrolliertes Wachstum und für Bairisch-Unterricht in Kindergärten ein.
Dirk Höpner (München-Liste), Mitgründer seiner Liste, konzentriert sich auf Bürgerbeteiligung und Inklusion. Der Informatiker ist Geschäftsführer bei der Pfennigparade.
Christiane Pfau (Bündnis Kultur), einzige Frau im Rennen, will Kunst, Bildung und Soziales stärken. Die Theaterwissenschaftlerin kritisiert die männliche Dominanz in der Münchner Politik.
Philipp Drabinski (Die Partei), tritt mit humorvollen Forderungen wie kostenlosen Faxgeräten und ganzjährigem Oktoberfest an. Seine Kandidatur bringt satirische Elemente in den Wahlkampf.
Ausblick auf einen historischen Wahlkampf
Die Münchner Oberbürgermeisterwahl 2026 verspricht ein außergewöhnlich kontrastreiches Rennen zu werden. Von etablierten Amtsinhabern über junge Aufsteiger bis hin zu Nischenkandidaten decken die 14 Bewerber ein breites politisches Spektrum ab. Themen wie Wohnungsbau, Verkehrswende, Wirtschaftsförderung und kulturelle Identität werden den Wahlkampf prägen. Mit einer Rekordzahl an Kandidaten und der einzigen weiblichen Bewerberin spiegelt das Feld die wachsende Vielfalt und politische Dynamik der bayerischen Landeshauptstadt wider. Die Entscheidung der Münchner Wählerinnen und Wähler am 8. März 2026 wird richtungsweisend für die Zukunft der Millionenmetropole sein.



