Landratswahl in der Uckermark: CDU gegen AfD in einem politischen Testfall
Uckermark-Wahl: CDU gegen AfD in politischem Testfall

Uckermark als politischer Brennpunkt: Landratswahl wird zum bundesweiten Testfall

Die Uckermark im Nordosten Brandenburgs steht im Fokus der deutschen Politik. Am kommenden Sonntag, dem 19. April 2026, entscheiden die Bürgerinnen und Bürger über ihren Landrat – und möglicherweise über ein politisches Signal mit bundesweiter Bedeutung. Die Wahl wird zum Stresstest für die etablierten Parteien, während die AfD versucht, ihren zweiten Landrat in Deutschland zu stellen.

Zwei Kontrahenten, zwei Welten

Im Zentrum des Wahlkampfs stehen zwei grundverschiedene Kandidaten. Auf der einen Seite die 61-jährige CDU-Landrätin Karina Dörk, die seit etwa acht Jahren das Landratsamt mit rund 1.000 Mitarbeitern führt. Die bodenständige Politikerin, die mit ihrer langjährigen Lebenspartnerin zusammenlebt, wirbt mit ihrem Slogan „Damit's funktioniert“ und verweist auf konkrete Erfolge: den Erhalt des Krankenhauses, den Breitbandausbau sowie die Förderung von Unternehmen, Tourismus und Kultur.

Ihr Herausforderer ist der 35-jährige AfD-Landtagsabgeordnete Felix Teichner, Industriemechaniker und Vater mehrerer Kinder. Er verspricht eine „historische Wende“ und argumentiert im Wahlkampf mit Themen wie der Verhinderung einer Flüchtlingsunterkunft in Prenzlau. Seine Wahlplakate tragen Slogans wie „Keine Pflicht zur Unterbringung Illegaler“ und „Kreispleite verhindern“. Für die Zukunft plant er eine stärkere touristische Erschließung des Uckersees.

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Regionale Besonderheiten und politische Spannungen

Die Uckermark ist ein Landkreis der Gegensätze. Einerseits gilt die Region als Sehnsuchtsort für gestresste Großstädter und ländliche Idylle für Hipster, Biogärtner und Kreative. Private Investoren haben Gutshöfe vor dem Verfall gerettet, moderne Lofts und Yoga-Retreats prägen das Bild. Altkanzlerin Angela Merkel besitzt hier ein Haus in der Kurstadt Templin.

Andererseits ist die Uckermark einer der am dünnsten besiedelten Landkreise Deutschlands, und die Menschen sind stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als im Speckgürtel um Berlin. Politisch hat sich die Region zu einer AfD-Hochburg entwickelt: Bei Bundestags- und Landtagswahlen erreicht die Partei hier Ergebnisse um 36 bis 38 Prozent. Im Kreistag und im Stadtparlament von Prenzlau ist sie bereits stärkste Kraft.

Kontroverse Wahlkampfmethoden

Der Wahlkampf wurde durch ein umstrittenes AfD-Wahlplakat zusätzlich angeheizt. Das Plakat zeigt ein mit Künstlicher Intelligenz erstelltes Foto von Landrätin Dörk, die mit ihren Händen die für Ex-Kanzlerin Merkel typische Raute formt. Eingefasst ist das Bild in ein rosafarbenes Dreieck – eine Anspielung auf den sogenannten rosa Winkel, mit dem in der NS-Zeit homosexuelle Häftlinge in Konzentrationslagern gekennzeichnet wurden.

Für Dörk geht dieses Plakat „unter die Gürtellinie“. Sie verweigerte ihrem Kontrahenten daraufhin den Handschlag und erklärte, sie werde ihm nicht mehr die Hand geben, solange er das Plakat nicht abhänge. Diese Kontroverse verdeutlicht die emotional aufgeladene Stimmung im Wahlkampf.

Bundespolitische Einflüsse und lokale Sorgen

Die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung, Enttäuschung über Reformstau, hohe Energiepreise und weltpolitische Unsicherheiten könnten dem AfD-Kandidaten Teichner zusätzlichen Rückenwind geben. Landrätin Dörk sieht hier klaren Handlungsdruck für die Bundesregierung: „Die AfD lebe davon, dass sie den Frust der Menschen aufnimmt und aus jeder Kleinigkeit eine große Empörungskultur versucht zu machen.“

Gleichzeitig gibt es in der Region Sorgen vor einem Imageschaden für den Tourismus. Andreas Büttner, Beauftragter gegen Antisemitismus in Brandenburg, stellt die Frage: „Möchte man da dann hinfahren, wenn die Region von einem AfD-Landrat regiert wird?“ AfD-Politiker Teichner spricht dagegen von „Angst- und Panikmache“ und entgegnet: „Die wandern dann nicht aus.“

Zivilgesellschaftliches Engagement und die Frage der „Brandmauer“

Vor der Wahl wandte sich das Bündnis „Lebenswerte Uckermark für alle“ mit einem offenen Brief gegen die AfD. Darin heißt es: „Rechtsextreme versprächen einfache Lösungen. Aber sie leben von Ausgrenzung. Sie spalten dort, wo wir Zusammenhalt brauchen.“

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Die viel diskutierte „Brandmauer“ gegenüber der AfD scheint in der Region bereits Löcher zu haben. AfD-Kandidat Teichner erklärt: „Die haben wir hier begraben.“ In Prenzlau unterstützte er bei der Bürgermeisterwahl im September 2025 das CDU-Mitglied Marek Wöller-Beetz. Auch Landrätin Dörk meidet das Wort „Brandmauer“ lieber: „Das sind gewählte Vertreter, und es kann mir gefallen oder auch nicht, in welcher Partei die sind.“

Die Wahl in der Uckermark wird somit nicht nur über die Besetzung des Landratsamtes entscheiden, sondern auch Aufschluss über den Zustand der politischen Landschaft in Ostdeutschland geben – und möglicherweise ein Signal für kommende Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern setzen.