Seit drei Jahrzehnten ein Erfolg: Das kultige Eiscafé Hahn in Klueß zwischen Teterow und Güstrow ist eine Institution. Hier stehen auch Promis gern in der Schlange an – ob Schauspielerin Kathrin Saß, Ex-Ministerpräsident Erwin Sellering oder Innenminister Lorenz Caffier. Wenn die Sonne scheint, sind alle gleich: Sie genießen das hausgemachte Eis, das seit 33 Jahren aus der Manufaktur der Familie Hahn kommt. Gerüchte, dass auch dieses Traditionscafé in Krisenzeiten schließen müsse, lassen die Betreiber dahinschmelzen.
Das Geheimnis des Softeises
Der Renner ist das Softeis – und das besteht nicht aus Fertigmix mit Wasser. Stattdessen verbrauchen die Hahns und ihre Mitarbeiter pro Woche 300 Liter Milch für ihr selbst pasteurisiertes Eis. „Die Leute sind da ganz sensibel. Die merken, dass Milch, Zucker und Sahne drin ist“, sagt Wilfried Hahn, ohne das Geheimrezept zu verraten. Für das nötige Know-how reist die Familie nach Italien, besucht die Eismesse in Longarone und bildet sich in München bei Eisseminaren weiter.
Innovationen und besondere Kreationen
Immer wieder gibt es Neues: In dieser Saison können Gäste Eis aus indischer Mangopaste probieren. Wilfried Hahn, früher Geschäftsführer der Forstbaumschule in Klueß, hat eine besondere Beziehung zu Indien, da er viele indische Arbeiter unterwiesen hat. „Wir schauen uns viele internationale Rezepte ab“, erzählt er. So gibt es selbstgebackene Brüsseler Waffeln und als Kaffeespezialität den Barraquito aus Teneriffa – mit gezuckerter Kondensmilch, Licor 43, Espresso, geschäumter Milch, Zitronenschale und Zimt. Auch für Vierbeiner ist gesorgt: Das Bello-Hunde-Eis ist ohne Zucker und laktosefrei.
Original-Bilder von Künstlern wie Lars Lehmann schmücken das Café, und selbst auf der Toilette spielt das Eiscafélied der Hausband Nitebrain aus Güstrow. Eigentlich wollten die Hahns den frei gewordenen Backwarenladen in Klueß weiterführen, aber weil seine Frau so gern Eis aß, ließen sie sich vom „Eiskönig“ Kloth in Güstrow in die Geheimnisse der frostigen Süßigkeit einweihen.
Herausforderungen und Personalmangel
„Insgesamt haben wir hier schon über 200 Leute verschiedenster Nationen beschäftigt“, sagt Wilfried Hahn. „Sie kamen aus Polen, Rumänien, Ungarn, Litauen, sogar Venezuela und Ägypten. Manche Mitarbeiter sind schon über 20 Jahre hier.“ Seit der Jahrtausendwende wird es jedoch schwieriger, Personal zu finden. Die Lohnnebenkosten sind so hoch, dass zusätzliche Kräfte kaum finanzierbar sind. Eine Lösung: Auf der Terrasse gibt es jetzt Selbstbedienung. Auch den Pavillon in Güstrow, den die Familie 15 Jahre lang zusätzlich betrieb, musste sie wegen Personalmangels verpachten.
Weitere Sorgen sind die hohen Energiekosten und gestiegene Preise für Früchte wie Himbeeren. Das Verbot von Plastiklöffeln im letzten Jahr war dagegen ein kleineres Problem: „Es gab die aus Holz, aber das schmeckt wie beim Arzt, wenn man A sagen muss“, merkt Sohn und Feinschmecker Matthias an. Der Junior wird das Geschäft übrigens weiterführen. „Alles funktioniert gut im Familienverbund“, sagt Wilfried Hahn, der als Rentner bei seiner Frau angestellt ist.
Treffpunkt für alle
Etliche Leute kommen nur wegen des Softeises oder wegen Klassikern wie dem Pflaumeneis. Es sind Angestellte der Malchiner Landesforst, die hier ihren Treff haben, Motorradcliquen aus Hamburg, Autofahrer auf dem Weg nach Rostock, die von der nahen Autobahn abbiegen, und Brummifahrer, die an der Straße halten. „Einmal stand hier alles voller Polizei. Ich habe schon einen gehörigen Schreck gekriegt“, erzählt der Senior. „Dabei waren es Polizeischüler, die zur Belohnung ein Eis bekommen haben.“ All diese Geschichten möchte Wilfried Hahn nicht missen und hier arbeiten, bis er 90 ist: „Das ist in 20 Jahren“, schmunzelt er.



