Bayerns Gasspeicher auf Rekordtief: Grüne fordern Transparenz von Aiwanger
Bayerns Gasspeicher auf Rekordtief - Grüne fordern Transparenz

Bayerns Gasspeicher erreichen historische Tiefstände

Die bayerischen Gasspeicher sind zum Ende des Winters 2026 auf einem beunruhigenden Rekordtief angelangt. Mit Füllständen, die deutlich unter denen früherer Jahre liegen, wächst die Abhängigkeit von teuren Flüssiggasimporten. Die Staatsregierung unter Ministerpräsident Markus Söder hält sich mit öffentlichen Stellungnahmen bisher bedeckt, während die Opposition bereits scharfe Kritik übt.

Grüne fordern dringend Transparenz und Strategie

Die Landtagsfraktion der Grünen hat Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger aufgefordert, im bayerischen Landtag über die aktuelle Situation zu berichten. „Wir wollen wissen, wie die momentane Lage in Bayern ist und welche konkreten Maßnahmen die Staatsregierung plant, um langfristig Versorgungssicherheit zu gewährleisten und kostspielige Gasabhängigkeiten zu reduzieren“, erklärte Martin Stümpfig, energiepolitischer Sprecher der Grünen, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in München.

Stümpfig betonte, dass die aktuell alarmierend niedrigen Füllstände der bayerischen Erdgasspeicher die Verletzlichkeit des fossilen Energiesystems deutlich machten. „Der Füllstand von rund 20 Prozent liegt erheblich unter dem Niveau der Vorjahre“, so der Abgeordnete. Im Vergleichszeitraum 2025 seien die Speicherfüllstände sogar um weitere 14 Prozent bis Ende März gesunken.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Einzelner Speicher kurz vor komplettem Leerstand

Besonders dramatisch ist die Situation im Gasspeicher Wolfersberg. Ende Januar 2026 enthielt dieser nur noch fünf Prozent Gas – ein Wert, der einen baldigen Leerstand befürchten lässt. Zum Vergleich: Im Januar des Vorjahres waren es noch 30 Prozent. Diese Daten gehen aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen hervor.

Interessant ist dabei, dass die bayerische Staatsregierung aus CSU und Freien Wählern in früheren Jahren die Bundesregierung massiv für mangelnde Weitsicht in der Gasstrategie kritisiert hatte. Von ähnlichen Vorwürfen ist aktuell jedoch nichts zu hören. Stattdessen kommt Kritik nun von verschiedenen Seiten, darunter auch von der AfD, die der CSU-geführten Landesregierung Untätigkeit vorwirft.

Fehlende Maßnahmen auf Bundes- und Landesebene

„Statt entschlossen gegenzusteuern, fehlt es sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene an wirksamen Maßnahmen zur Stabilisierung der Situation“, kritisierte Stümpfig weiter. Mit der Abschaffung der Gasspeicherumlage zum 1. Januar 2026 durch die neue Bundesregierung sei ein zentrales Instrument zur Absicherung der Speicherbefüllung aufgegeben worden.

Der Grünen-Politiker verwies darauf, dass sich zeige, wie der freie Markt alleine die Versorgungssicherheit nicht gewährleisten könne. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) habe es versäumt, frühzeitig Gas einzukaufen und einzuspeichern, wie es unter der Vorgängerregierung üblich gewesen sei. „Sie hat gepokert auf günstigere Gaspreise und verloren“, so die deutliche Aussage Stümpfigs.

Folgen: Höhere Abhängigkeit von LNG-Importen

Die Konsequenz dieser Entwicklung ist ein weiteres Leerlaufen der Gasspeicher und eine wachsende Abhängigkeit von importiertem Flüssigerdgas (LNG). „Diese Entwicklung steht im klaren Widerspruch zu den Zielen von Klimaschutz, Resilienz und echter Energieunabhängigkeit“, betonte der energiepolitische Sprecher der Grünen.

Neben der akuten Frage, ob die Gasspeicher für den Rest des Winters ausreichen, gibt es zunehmend Sorgen, ob für den nächsten Winter genügend Gas eingelagert werden kann – und zu welchem Preis dies geschehen wird.

Bundesbehörden sehen keinen Anlass zur Besorgnis

Die Bundesnetzagentur sowie das Bundeswirtschaftsministerium sehen in den historisch niedrigen Füllständen dagegen keinen Grund zur Besorgnis. Beide Behörden vertreten die Ansicht, dass über Pipelines oder LNG-Terminals weiterhin genügend Gas nach Deutschland gelange. Wirtschaftsministerin Reiche teilt diese Einschätzung und betont die Funktionsfähigkeit der bestehenden Versorgungswege.

Dennoch bleibt die Frage, wie Bayern und Deutschland insgesamt die Energieversorgung langfristig sichern wollen, während die Gasspeicher immer leerer werden und die Abhängigkeit von Importen wächst.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration