Münchens Oberbürgermeister erhält jährliche Zahlungen vom FC Bayern
Oberbürgermeister Dieter Reiter (67, SPD) erhält für seine Mitgliedschaft im Verwaltungsbeirat des FC Bayern München eine finanzielle Vergütung. Wie der Politiker am Donnerstag öffentlich einräumte, wird seine Tätigkeit für den Verein seit Ende 2021 mit einer Aufwandsentschädigung von 10.000 Euro pro Halbjahr vergütet. Damit summiert sich die jährliche Zahlung auf 20.000 Euro.
Hintergrund der Bezahlung
Reiter gehört dem Verwaltungsbeirat des FC Bayern seit dem Jahr 2016 an. Der Verein hatte gegenüber Medien bereits zuvor erklärt, dass der Oberbürgermeister für diese Tätigkeit einen niedrigen fünfstelligen Betrag erhalte. Die Bezahlung steht im Zusammenhang mit dem Besuch von Heimspielen des FC Bayern in der Bundesliga und Champions League.
Ehrenpräsident Uli Hoeneß (74) legt offenbar großen Wert darauf, dass die Mitglieder des Verwaltungsbeirats regelmäßig die Heimspiele der Mannschaft besuchen. Bis zum Jahr 2018 erhielten die Beiratsmitglieder dafür Eintrittskarten für den VIP-Bereich der Allianz-Arena. Diese Praxis wurde jedoch von den Finanzbehörden kritisiert und als geldwerter Vorteil eingestuft, der steuerlich relevant wäre.
Neue Regelung seit 2018
Seit 2018 gilt eine neue Vereinbarung: Die Mitglieder des Beirats zahlen die Tickets nun selbst zu einem Preis von 500 Euro. Als Ausgleich erhalten sie vom FC Bayern eine jährliche Entschädigung von 20.000 Euro, die sowohl die Ticketkosten als auch die fälligen Steuern abdecken soll.
Reiter erklärte dazu: „Dass dadurch eine Genehmigung des Stadtrats notwendig gewesen wäre, war mir nicht bewusst. Ich kann mir aber auch kaum vorstellen, dass der Stadtrat eine solche Tätigkeit unterbunden hätte.“
Politische Reaktionen und Kontroversen
Die Enthüllung der Zahlungen fällt in eine Zeit, in der bereits Diskussionen über Reiters neue Position im Aufsichtsrat der FC Bayern München AG laufen. Im Februar wurde er als Nachfolger von Edmund Stoiber (84, CSU) in dieses Gremium berufen.
Im Münchner Stadtrat hatten die Parteien Die Linke und die ÖDP am Mittwoch Auskünfte über zu erwartende Vergütungen als Aufsichtsrat und mögliche Interessenkonflikte gefordert. Der Oberbürgermeister vertagte das Thema auf eine Stadtratssitzung Ende März oder Mitte April.
Besonders scharf kritisierte Florian Siekmann (31), München-Vorsitzender der Grünen, den Oberbürgermeister: „Jedem Beamten sind die Gesetze für Nebentätigkeiten bestens bekannt. Für jahrelanges Kassieren ohne Genehmigung würde jeder Beamte hart zur Verantwortung gezogen.“
Als Oberbürgermeister ist Reiter Beamter und unterliegt damit strengeren Regeln für Nebentätigkeiten als beispielsweise Landtagsabgeordnete.
Historischer Vergleich mit Edmund Stoiber
Interessant ist der Vergleich mit Reiters Vorgänger im Aufsichtsrat, Edmund Stoiber. Der frühere bayerische Ministerpräsident hatte sein Amt im Aufsichtsrat des FC Bayern erst im Jahr 2009 angetreten – nachdem seine Amtszeit als Ministerpräsident 2008 geendet hatte. Stoiber erklärte damals in einem Zeitungsinterview, es sei ihm aus Rücksicht auf sein Ministerpräsidentenamt zuvor nicht möglich gewesen, in den Aufsichtsrat einzuziehen.
Die aktuelle Diskussion zeigt, wie sensibel die Grenzen zwischen politischen Ämtern und wirtschaftlichen Nebentätigkeiten im Spitzensport sind. Während der Verwaltungsbeirat zum Verein FC Bayern gehört, ist der Aufsichtsrat ein Gremium der FC Bayern München AG – eine rechtliche Unterscheidung, die in der öffentlichen Debatte jedoch oft vermischt wird.



