Hochwasser in München: Drei Schutzfaktoren, die die Isar zähmen
Münchens Hochwasserschutz: Drei Gründe für Gelassenheit

München bei Hochwasser: Warum die Landeshauptstadt besser geschützt ist

Wenn in Bayern nach intensiven Regenfällen Katastrophenfälle ausgerufen werden und Jahrhundertpegel überschritten werden, bleibt München oft von den schlimmsten Auswirkungen verschont. Selbst als die Isar im Juni 2024 mit einem Pegel von 3,66 Metern einen neuen Höchststand erreichte und sich bedrohlich über die Ufer schob, blieben die Folgen in der Landeshauptstadt vergleichsweise harmlos. Während im Umland Straßen gesperrt wurden und Keller überfluteten, spazierten Münchnerinnen und Münchner noch am überschwemmten Ufer entlang. Drei wesentliche Schutzmaßnahmen erklären diese relative Gelassenheit.

Der Sylvensteinspeicher: Die riesige Badewanne im Süden

Etwa 80 Kilometer südlich von München, unterhalb von Lenggries, liegt ein entscheidender Faktor für den Hochwasserschutz: der Sylvensteinspeicher. Diese 65 Jahre alte Talsperre fasst 125 Millionen Kubikmeter Wasser und dient nicht nur als wichtiges Trinkwasserreservoir, sondern vor allem als effektive Barriere gegen Hochwasserwellen. Vor dem Bau des Speichers sorgte die Isar regelmäßig für katastrophale Überschwemmungen in Stadtteilen wie Thalkirchen, Untergiesing und der Au.

Die Regulierungsfunktion zeigt sich deutlich in den Abflussmengen: Während bei Starkregen ohne den Speicher Experten des Wasserwirtschaftsamts München Abflüsse von 1500 bis 1800 Kubikmetern pro Sekunde befürchten, strömten beim Höchststand im Juni 2024 „nur“ 540 Kubikmeter pro Sekunde durch die Stadt. Aktuell zeigt der Speicher auf der Karte des Hochwassernachrichtendienstes grün – Meldestufe 0.

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Die Renaturierung: Mehr Platz für die reißende Isar

Ein zweiter wichtiger Baustein ist die gelungene Renaturierung der Isar. Nach dem verheerenden Pfingsthochwasser von 1999 beschlossen Land Bayern und Stadt München, den Fluss aus seinem engen, begradigten Bett zu befreien. Der „Isar-Plan“ wurde ab 2000 umgesetzt und gab dem Fluss auf acht Kilometern zwischen Großhesseloher Brücke und Museumsinsel wieder mehr Raum.

Durch das Anlegen von Auslaufflächen und Kiesbänken konnte sich die Isar wieder natürlich winden. Diese Maßnahmen bewährten sich bereits während der Bauarbeiten beim Hochwasser von 2005, als trotz hoher Pegelstände die Schäden deutlich geringer ausfielen. Die Investition von 35 Millionen Euro erwies sich als kluge Vorsorge, die nicht nur Hochwasserschutz, sondern auch Lebensqualität für die Stadtbewohner brachte.

Die Rückhaltebecken: Unterirdische Wasserspeicher

Der dritte Schutzfaktor liegt versteckt unter der Stadt: Münchens Regenrückhaltebecken. In der hochversiegelten Stadtlandschaft kann Starkregen nicht einfach abfließen. Um zu verhindern, dass die Kanalisation überläuft, verfügt München über 13 unterirdische Becken mit einem Gesamtvolumen von 700.000 Kubikmetern.

Das spektakulärste dieser Bauwerke befindet sich unter dem Hirschgarten. Mit 90.000 Kubikmetern Fassungsvermögen ist dieses viergeteilte Becken nicht nur das größte der Stadt, sondern ganz Europas. Diese unterirdischen Reservoirs fangen die Wassermassen auf und entlasten so das Kanalsystem bei extremen Niederschlägen.

Kein Grund zur Sorglosigkeit

Dieser Dreiklang aus Speichersee, Renaturierung und Rückhaltebecken erlaubt München eine gelassenere Reaktion auf Hochwasserlagen. Doch Experten warnen vor falscher Sicherheit: Der menschengemachte Klimawandel wird Extremwetterereignisse wie Jahrhundertfluten in Zukunft häufiger machen. Was heute als Ausnahme gilt, könnte zur neuen Normalität werden. Die bestehenden Schutzmaßnahmen sind daher kein Grund, sich auszuruhen, sondern müssen kontinuierlich angepasst und erweitert werden, um auch künftigen Herausforderungen gewachsen zu sein.

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