Schneechaos legt Münchner Flughafen lahm: Hunderte Passagiere müssen in Flugzeugen übernachten
Ein massiver Wintereinbruch hat am Münchner Flughafen zu chaotischen Zuständen geführt. Nach starken Schneefällen in der Nacht zum Freitag mussten etwa 500 Passagiere unfreiwillig in mehreren Flugzeugen auf dem Vorfeld ausharren. Ihre für Donnerstagabend geplanten Flüge waren gestrichen worden, nachdem bereits alle Reisenden an Bord und die Maschinen startbereit waren.
Fluggesellschaften und Flughafen in Erklärungsnot
Nach Angaben eines Lufthansa-Sprechers konnten die betroffenen Fluggäste und Besatzungen die Flugzeuge nicht mehr verlassen, da keine Busse verfügbar waren, um sie zum Terminal zurückzubringen. Der Flughafen München begründete dies mit belegten Parkmöglichkeiten am Terminal und eingeschränkten Buskapazitäten auf den Vorfeldern. Betroffen waren drei Lufthansa-Flüge nach Singapur, Kopenhagen und Danzig sowie zwei Air-Dolomiti-Verbindungen nach Graz und Venedig.
Erst am frühen Morgen konnten Busse die gestrandeten Passagiere abholen. Insgesamt waren am Donnerstag etwa 100 Flüge gestrichen worden, nachdem der Schneefall den gesamten Tag über für Verspätungen und Ausfälle gesorgt hatte. Einige Flüge hatten zwar Sondergenehmigungen erhalten, um noch nach Mitternacht starten zu können, doch letztlich blieben auch diese am Boden.
FDP stellt kritische Fragen an Oberbürgermeister Reiter
Die Stadtratsfraktion FDP/Bayernpartei hat nun Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) als Mitglied des Aufsichtsrats der Flughafen München GmbH in die Pflicht genommen. In einer konkreten Anfrage fordert die Fraktion Aufklärung zu mehreren kritischen Punkten.
„Gerade in winterlichen Ausnahmesituationen müssen Notfall- und Krisenpläne belastbar, personell abgesichert und klar zwischen den Beteiligten abgestimmt sein“, heißt es in der entsprechenden Mitteilung der FDP-Fraktion. Der Vorfall werfe grundsätzliche Fragen zur Krisenvorsorge, Personalplanung, Kommunikationsstruktur sowie zur Abstimmung zwischen Flughafenbetreiber und Fluggesellschaften auf.
Die Liberalen betonen, dass solche Vorfälle und die resultierende mediale Aufmerksamkeit dem Image Münchens als Messe- und Tourismusstadt schaden könnten. Die Fraktion will von Reiter unter anderem wissen:
- Welche verbindlichen Notfall- und Winterbetriebspläne für den Umgang mit witterungsbedingten Flugstreichungen und Abfertigungsengpässen bestehen
- Welche Standards hinsichtlich Versorgung, Betreuung und Information von Passagieren in außergewöhnlichen Situationen gelten
- Wie der Aufsichtsrat die Informationspolitik gegenüber den betroffenen Passagieren während der Nacht beurteilt
Flughafen bedauert Vorfälle, bleibt aber in Details zurückhaltend
Ein Sprecher des Flughafens München äußerte lediglich Bedauern über die entstandenen Unannehmlichkeiten. Auf konkrete Nachfragen zu den Gründen für die fehlenden Busse und die mangelnde Betreuung der Passagiere wollte sich der Flughafen zunächst nicht äußern. Die Lufthansa verwies auf die Zuständigkeit des Flughafens für die Organisation der Busse.
Die Schneefälle hatten am Donnerstag über den gesamten Tag hinweg für erhebliche Betriebsstörungen gesorgt. Trotz Sondergenehmigungen für Starts nach Mitternacht – normalerweise gilt in München zwischen 0 und 5 Uhr ein Nachtflugverbot – konnten einige bereits abgefertigte und startbereite Flüge nicht abheben. Die Passagiere saßen in einer ausweglosen Situation fest, da sie weder starten noch das Flugzeug verlassen konnten.
Dieser Vorfall wirft nicht nur Fragen zur konkreten Krisenbewältigung auf, sondern auch zur langfristigen Wintertauglichkeit des Flughafenbetriebs in München. Die FDP-Fraktion hat mit ihrer Anfrage an Oberbürgermeister Reiter den politischen Druck deutlich erhöht und fordert nun umfassende Aufklärung und Konsequenzen.



