Berliner Aktivist startet kreativen Protest gegen Smartphone-Sucht
Mit einer ungewöhnlichen Aktion hat ein einzelner Aktivist in Berlin auf die gesellschaftlichen Folgen des exzessiven Smartphone-Gebrauchs aufmerksam gemacht. Der 34-jährige Künstler Benno Flügel klebte in den vergangenen Wochen Tausende von Flyern an Ampelmasten und Laternen in zahlreichen Berliner Stadtteilen, um seine Kritik an der digitalen Überflutung auf die Straße zu bringen.
„Radikale Anti Smartphone Front“ als Ein-Mann-Initiative
Hinter der als „Radikale Anti Smartphone Front“ (RASF) bezeichneten Initiative verbirgt sich keine große Bewegung, sondern der allein agierende Flügel. Der Aktivist investierte viele Tage und bis zu acht Stunden täglich, um seine Botschaft in Stadtteilen wie Neukölln, Kreuzberg, Treptow, Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Mitte, Schöneberg und Moabit zu verbreiten. Die Aktion stellt eine Wiederbelebung einer Initiative dar, die er vor zehn Jahren mit Freunden während des Studiums gründete, aber später einschlief.
„Jetzt hatte ich eben Zeit und habe das Ganze selber in die Hand genommen“, erklärte Flügel im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Die früheren Mitstreiter seien indirekt noch als Gesprächspartner beteiligt, aber die praktische Umsetzung liege nun in seinen Händen.
Provokante Slogans mit satirischem Witz
Die Flyer tragen prägnante Botschaften wie „Lieben statt liken“, „Tanzen statt Twittern“ oder „Exit Social Media“. Flügel betont, dass es ihm ernsthaft um die kritische Auseinandersetzung mit der „sozialen Vergiftung des Lebens“ durch Smartphones geht, aber gleichzeitig ein „gewisser satirischer Witz“ die Aktion charakterisiert.
„Hauptsächlich geht es darum, zum Nachdenken anzuregen, eine Debatte anzustoßen und – auch sehr wichtig – die Leute zum Lachen zu bringen“, so der Aktivist. Viele Passanten seien positiv auf ihn zugekommen, unabhängig von Alter oder sozialem Hintergrund. Selbst die typisch reservierten Berliner hätten ihre Coolness abgelegt und laut auf der Straße gelacht.
Manifest hinterfragt digitale Lebensinszenierung
In einem Manifest der RASF werden fundamentale Fragen zum Umgang mit digitalen Medien gestellt. „Gehört man zur gesellschaftlichen Avantgarde, wenn man in sozialen Netzwerken die Illusion eines glücklichen und erfüllten Lebens inszenieren kann, obwohl sich dahinter nur ein wackliges Gerüst aus Lügen und Selbsttäuschung verbirgt?“, heißt es darin. Die Initiative kritisiert damit die oft oberflächliche Darstellung von Lebensglück in sozialen Medien.
Flügels Aktion zeigt, wie ein einzelner Mensch mit kreativen Mitteln eine öffentliche Diskussion anstoßen kann. Die Reaktionen der Berliner Bevölkerung beweisen, dass das Thema Smartphone-Nutzung viele Menschen beschäftigt und zu Reflexionen über das eigene digitale Verhalten führt.



