Bahnstrecke Berlin-Hamburg: Erste Züge erst ab Juni - Prignitz weiter im Ersatzverkehr
Die Generalsanierung der Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg verzögert sich erneut. Nun steht fest, dass die ersten regulären Züge erst am 14. Juni wieder fahren werden. Besonders betroffen sind Pendlerinnen und Pendler aus der Prignitz, die weiterhin auf Ersatzbusse angewiesen sein werden.
Teileröffnung ab Mitte Mai
Ab dem 15. Mai wird es eine Teileröffnung geben: Züge von Hamburg nach Hagenow-Land werden wieder verkehren. Große Teile des Ersatzverkehrs im Nordwesten werden dann wieder auf Schienen umgestellt, einschließlich Verbindungen von Hamburg nach Schwerin. Für die Prignitz-Region gilt diese Erleichterung jedoch nicht.
Probleme im Ersatzverkehr
Der Ersatzverkehrsdienstleister Ecovista kommt seit dem 1. März seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht nach, wie Projektleiter Wolfgang Weinhold bestätigte. „Wir suchen im Moment nach einer Lösung, mit denen in den vertraglichen Zustand zu kommen“, sagte er. Die Qualität des Ersatzverkehrs wird von Politikern scharf kritisiert.
Brandenburgs Verkehrsminister Detlef Tabbert (parteilos) sprach von einer großen Enttäuschung: „Unsere Pendlerinnen und Pendler leiden weiter bis zur vollständigen Wiedereröffnung am 14. Juni im Ersatzverkehr. Das ist den Menschen in Brandenburg nur schwer zu vermitteln.“
Politische Kritik an der Bahn
Der Landrat der Prignitz, Christian Müller (SPD), nannte die um rund sechs Wochen verlängerte Teil-Streckensperrung „inakzeptabel und eine Zumutung“. Er kündigte an, sich an die Landes- und Bundesregierung zu wenden, um die umgehende Erfüllung der Pflichten der Bahn einzufordern.
Die Brandenburger CDU-Verkehrspolitikerin Nicole Walter-Mundt betonte: „Die derzeitigen Zustände können für die kommenden drei Monate nicht akzeptiert werden.“ Während der Bauphase müssten sich die Menschen auf ein verlässliches Angebot verlassen können.
Weitere Probleme und Auswirkungen
Auf der Bahnlinie zwischen Berlin und Rostock könnten neue Probleme entstehen: Die Bahn plant, Teile des Güterverkehrs umzuleiten, was vorübergehend zum Ausfall des RE5 im Bahnhof Güstrow führen könnte.
Interessanterweise betonte Gerd-Dietrich Bolte, Vorstand für Infrastrukturplanung der DB InfraGo, dass ab Juni mehr Fernverkehr zwischen Berlin und Hamburg angeboten wird – und nannte dabei ausgerechnet den privaten Konkurrenten Flixtrain, der dann im Zwei-Stunden-Takt auf der Strecke unterwegs sein wird. Diese Züge werden allerdings nicht in der Prignitz halten.
Ein ironisches Detail: Durch die Umbauten werden die Züge zwischen Berlin und Hamburg künftig sogar zwei Minuten langsamer sein. Zwar bleiben die physikalischen Fahrzeiten gleich, aber wegen der erhöhten Zugdichte in den Knotenpunkten Berlin und Hamburg muss der Fahrplan angepasst werden.
Der Wittenberger Bürgermeister Oliver Hermann begrüßte immerhin, dass es nun ein konkretes Datum für die Wiedereröffnung gibt. „Es bleibt eine Zumutung für die Pendler, aber wir haben jetzt Klarheit“, sagte er. Die Stadt habe ihr Bahnhofsfest zur Eröffnung des sanierten Bahnhofs ohnehin schon auf das Wochenende des 14. Juni gelegt.



